Wir machen‘s ohne – oder neue Weg des Safer Sex

In der TV Serie Queer as Folk gibt es in der 1. Staffel, Episode 11 bei Minute 26-28 ein Gespräch zwischen dem am HIV infizierten Viktor und Emmet ein Gespräch. Emmet hatte kurzvorher einen HIV-Test machen lassen und wartet auf das Ergebnis. Er fragt sich was wäre wenn er Positiv wäre.

Emmet: „Ich war doch immer Safe, ich war vorsichtig.“
Viktor: „Wie kann man beim Sex vorsichtig sein? Dann hattest du nie richtigen Sex. Sex ist dreckig und so menschlich. Sex bringt alles durcheinander, wie ein Dschinni der aus einer Wunderlampe ausbricht.“

Mit dem Motto „Wir machens ohne – SaferSex durch Therapie) wurde kurz vor dem Welt Aids Tag eine Seite bei Facebook erstellt.

Wir, also die diese Seite mit Füllen und Gesicht zeigen wollen den SaferSex Begriff erweitern. Bereits vor 15 Jahren haben Ärzte gewusst, dass eine wirksame Therapie auch vor eine Übertragung auf andere Schützt. 2008 hat die Eidgenössische Kommission für Aids Fragen (EKAF) diese Vermutung in einer ersten Studie belegt, die durch andere Studien immer mehr Belegt wurde.

SaferSex ist auch ohne Kondom machbar!

Wir sprechen hier ausschließlich von HIV, nicht von anderen sexuell Übertragbaren Infektionen (STI) wie z.B. Tripper und Syphilis. Dazu später mehr. Das Risiko einer HIV Übertragung wird durch das Kondom um 95% verringert, durch die Therapiemethode um 96%. Wenn man die PrEP, also die prophylaktische Einnahme des HIV Medikamentes Truvada®, dazu betrachtet, liegt hier die Verringerung des Risikos bei 95%. Also gleich dem Kondomgebrauch. Die PrEP ist Deutschland bisher nicht zugelassen, in einigen anderen Staaten jedoch sehr erfolgreich getestet.

Es geht nicht darum das Kondom abzuschaffen, das wollen wir nicht. Das Kondom ist bei wechselnden Partnern noch immer das beste Mittel um sich selbst zu schützen, vor HIV und bedingt auch vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten. Wenn man aber in einer festen Beziehung lebt wollen viele Paare auf das Kondom verzichten. Hier soll diese Kampagne insbesondere ansetzen. Wir HIV-positive zeigen damit durchaus Verantwortung unseren Partner gegenüber. Wir wissen, wir sind positiv, wir nehmen regelmäßig unsere Medikamente und sind seit langer Zeit unter der Nachweisgrenze. Wir können HIV nicht übertragen.

Nicht zu 100%, in Deutschland ist bisher, in 15 Jahren, ein Fall dokumentiert, indem es trotzdem zu einer Übertragung kam. Solche Unfälle gibt es auch bei Kondomgebrauch. Es heißt auch Safer Sex (sichererer Sex) und nicht Safe Sex (sicherer Sex). Den sicheren Sex gibt es nur, wenn man ganz auf Sexualpartner verzichtet.

STI und Kondome

SaferSex mit Kondom wurde erdacht um einen Schutz vor HIV zu haben. Das Kondome auch vor Tripper, Syphilis und Co schützen war dabei ein netter Nebeneffekt.

Bereits Casanova hat festgestellt, dass Kondome nur bedingt vor Tripper, Syphilis und Co. schützen. Zur Übertragung von HIV muss man eine relativ hohe Anzahl Viren in den Körper einbringen. Bei den meisten STI tun es da schon wenige Erreger. Eine Hepatitis ist 1000x ansteckender als HIV. Der Hautkontakt mit einem Syphilisgeschwür reicht da z.B. bereits aus. Während Oral Sex ohne Kondom bei HIV noch sicher ist hat man sich im Zweifelsfall hier schon mit einem Tripper infiziert. Tripper und Syphilis sind nicht nur über die Geschlechtsteile beim Sex übertragbar.
Egal wie man SaferSex definiert, eine regelmäßige Untersuchung auf andere STI ist bei wechselnden Partnern zu empfehlen.

SaferSex Regeln erweitern

 

Es ist Zeit SaferSex zu erweitern. Wie eingangs zitiert ist Sex nicht immer vorsichtig. Kann es nicht sein, weil Sex auch mit fallenlassen zu tun hat. Darüber wurde bereits zu Beginn der SaferSex Idee diskutiert. Deswegen ist es wichtig andere, individuell passende Methoden zu finden oder besser zu akzeptieren. Ich meine hier ausschließlich die HIV Prävention.

Schon vor PrEP und EKAF wurde über Alternativen zum Kondom diskutiert. Sex unter ausschließlich negativen oder positiven ist safer. Der Verzicht auf Sex mit anderen ist safe, aber wer will sich schon immer nur allein Befriedigen.

Heute haben wir die Therapie mit der wir als positive andere vor einer Infektion schützen können. Wir haben die PrEP mit der sich negative vor einer Ansteckung schützen können. Sei es weil der Partner positiv ist und der negative sich so sicherer fühlt. Oder weil der negative Lust auf eine Sexparty hat und sich einfach fallen lassen kann, was nicht möglich ist wenn man sich ständig Gedanken darüber machen muss ob auch der oder die jeweiligen Sexpartner wirklich ein Kondom verwenden.

Sicher gibt es einige Gegner dieser Aktion. Unter dem Titel „Kondom – Schutz oder Stigma“ schreibt J. Großer in der Projektinformation Jan./Feb. 2016 warum er Gegner dieser Aktion ist. Er fühlt sich stigmatisiert, weil er auf die Verwendung von Kondomen besteht. „Tatsächlich erlebe ich selber eine solche Ausgrenzung in den letzten Jahren zum ersten Mal in meinem Leben. Unter meinen zahlreichen Sex-Kontakten der letzten Jahrzehnte ist es genau zweimal vorgekommen, dass mich jemand wegen meiner HIV-Infektion abwies ich erwähne sie fast immer). Dagegen kann ich gar nicht zählen, wie oft mich vor allem andere positive Männer zurückweisen, weil ich ein Kondom benutze. Daher habe ich jetzt vor allem Sex mit HIVnegativen Männern, die damit kein Problem haben. Insofern sehe ich nicht ohne Ironie, dass die Kampagne „Wir machen’s ohne“ sich explizit gegen die Ausgrenzung und Stigmatisierung HIV-Positiver wendet. Ich bin damit offensichtlich nicht gemeint.“

Ich habe das Kondom auch lange Zeit als einzige SaferSex Regel gesehen. Ich sehe die neuen Möglichkeiten des SaferSex jedoch nicht als Grund künftig ganz auf das Kondom verzichten zu können, um endlich Bareback Partys zu legitimieren. Die Erweiterung des SaferSex ist für mich und den meisten, die diese Aktion unterstützen, eher ein mehr an Schutz für den Einzelnen. Je nach Situation des Einzelnen.

Machen wir uns doch nichts vor, SaferSex hat schon immer nur bedingt funktioniert, dafür sprechen schon die seit vielen Jahren konstanten Zahlen der Neuinfektionen. Man hat mit jemand spontan Sex, auf Grund der Situation wird kein Kondom verwendet, es wird schon gut gehen. Man rennt zum Test der glücklicherweise negativ ist. Einige Zeit Später passiert ähnliches. Test – negativ. Der Mensch gewöhnt sich daran. Es ist noch immer gut gegangen.

Das seit einigen Jahren die Zahl der Syphilis Infektionen steigt, lässt vermuten, dass die HIV Therapie doch ein sehr guter Schutz vor einer HIV Weitergabe ist, oder dass das Kondom doch kein so wirksamer Schutz vor HIV ist.

Warum diese Aktion?

 

Menschen mit HIV werden, wenige Regionen wie Berlin ausgenommen, noch immer Stigmatisiert und ausgegrenzt. Von Menschen mit HIV wird verlangt mit potentiellen Sexpartnern vorher über ihre Infektion zu reden und/oder SaferSex zu praktizieren. Diese Aktion will bewusst machen, dass SaferSex eben nicht nur Kondom ist. Was ist besser geeignet als eine solche Aktion um in das Bewusstsein der Menschen zu kommen. Eine Aktion, die für heftige Diskussionen sorgt bringt mehr als eine Information der DAH die nichts anderes Aussagt.

http://www.iwwit.de/themen/schutz-durch-therapie
http://www.ahnrw.de/aidshilfe-nrw/front_content.php?idcat=2045
Es ist verwunderlich dass acht 8 Jahre nach EKAF die Tatsache das eine erfolgreiche Therapie vor einer HIV Weitergabe schützt noch immer solche Reaktionen – positive als auch negative – hervorruft. Es ist überfällig, dass diese Tatsache rechtlich anerkannt wird. Dazu bedarf es einer öffentlichen Diskussion. Diese lässt sich aber nur durch medienwirksame Aktionen erreichen.

 

Anmerkung: Dieser Artikel hat sich seit Anfang Dezember 2015 entwickelt. Meine und die Gedanken anderer haben diesen Beitrag immer wieder weiterentwickelt. Gedanken sind zu dem alten Text neu hinzugekommen, andere Sätze wurden gestrichen. Advents- und Weihnachtzeit, Neujahr, Urlaub und Fastnacht haben zu weiteren Verzögerungen geführt. Heute ist der Beitrag endlich beendet, vielleicht noch nicht ganz fertig, weil immer wieder neue Gedanken auftauchen. Ganz sicher ist die Diskussion darum noch lange nicht beendet, auch wenn sie immer wieder ruht.

Veröffentlicht unter Aids-Hilfe, Diskriminierung, Gedanken, HIV, HIV ; Safer Sex ; Bareback ; EKAF ; PrEP ; Kriminalisierung, Kriminalisierung, Kritische Betrachtungen, Stigmatisierung | Verschlagwortet mit , , , , | 2 Kommentare

1. DEZEMBER 2015 – Welt Aids Tag

Ulli.
War ein Mann den ich geliebt habe, mit dem ich eine Zeit eine Beziehung hatte. Einige Jahre nach dem wir uns getrennt hatten starb er an den Folgen von Aids.
Heute ist Welt Aids Tag, ein Tag um an Menschen zu denken die an Aids verstorbenen sind. Liebe Freunde die nicht mehr sind.

Michael.
Ein guter Freund, der anfang der 1990er von uns ging. Wir hatten viel Spaß miteinander beim Planen einer jährlichen Party in Hannover.

Carsten.
Mit Michael haben wir gemeinsam mit einigen anderen zusammen gearbeitet.

Klaus.
Lernte ich mitte der 1980er kennen. Er hatte damals gerade erfahren das er positiv ist. Auch wenn es zunächst Überwindung gekostet hat, über die Übertragungswege wurde noch stark diskutiert,  habe ich ihn bewusst vor anderen geküsst.

Napoleon.
Er hat öffentlich sehr offen mit Aids gelebt, trat im Fernsehen auf. Ich habe ihn bei einem Besuch in Berlin kennenlernen dürfen. Er lud mich ein einige Tage bei ihm zu wohnen, mit ihm durch die Kneipen und Bars zu ziehen und so den Menschen Napoleon Seifarth etwas kennen zu lernen.

Patrick.
Ein Mann den ich sehr geliebt habe, von dem ich erfahren habe dass er positiv ist nachdem er unsere Beziehung beendet hat. Wir sind kein Risiko eingegangen, weil immer ein Kondom dabei war.
Nur einige Menschen an die ich mich hier erinnern will. Es gibt noch viele andere an deren Namen ich mich nicht mehr erinnere. Es gab noch einige mehr, mit denen ich gelegentlich zusammen saß um etwas zu besprechen oder die uns geholfen haben wenn es um Vereinsangelegenheiten ging.
Heute ist ein Tag sich an diese Personen zu erinnern. Sie in meinen Gedanken wieder aufleben zu lassen. Es ist beinichten so, das ich udas Jahr nicht an diese Menschen denken würde,  ganz im Gegenteil. Dafür habe ich zuviel schöne Stunden mit ihnen verbracht.

Der Welt Aids Tag dient aber nicht nur der Erinnerung und Andacht. Er soll den Bürgern aller Länder HIV bzw Aids wieder ins Gedächtnis rufen. Auch wenn die Krankheit ihren Schrecken hierzulande verloren hat sterben in Deutschland auch heute noch zu viele Menschen an den Folgen einer nicht oder zuspät erkannen HIV Infektion. Viele lassen sich nicht testen weil sie verdrängen, andere aus Angst vor den Folgen. Folgen wie Diskriminierung und Ausgrenzung. Aber auch aus Furcht vor rechtlichen Konsequenzen.  Nur wer über seine Infektionen weiß kann sich bei einer Weitergabe strafbar machen.
Diese Arten der Stigmatisierung sollen durch den WAT bewußt gemacht werden.
Die Tage ist die Aktion „Wir machen’s ohne“ gestartet. Es soll bewusst machen, das Menschen mit HIV heute nicht mehr ansteckend sein müssen, wenn bestimmte Anforderungen erfüllt sind. Dazu gehört eine erfolgreiche medikamentöse Behandlung, eine Virenlast unter der Nachweisgrenze über mindestens 6 Monate und es dürfen keine anderen sexuell übertragberen Krankheiten vorliegen. Auch die in Deuschland noch immer nicht zugelassene PREP ist eine Möglichkeit zum Schutz vor HIV. Wir machen es nicht ohne Safer Sex, wir nutzen nur andere Möglichkeiten. Auch wenn es einige vielleicht anders sehen.
Nein andere sexuell Übertragbare Krankheiten werden so nicht verhindert. Aber auch Kondome bieten da nur geringen Schutz. Jeder der nicht rein monogam lebt sollte sich über dieses Risiko bewußt sein und sich regelmäßig auf solche Erkrankungen testen und gegebenenfalls behandeln lassen. Safer Sex wurde erdacht um vor einer HIV Infektion zu schützen,  das auch die Infektionsrate anderer Geschlechtskrankheiten zurück geht war ein angenehmer Nebeneffekt. Die Ansteckungen gingen aber eben nur zurück, nicht so stark wie bei HIV weil Tripper, Syphilis und Co anders als HIV auch über Schmierinfektionen übertragen werden. Bloßer intimer Körperkontakt reicht dabei schon aus.

Der WAT ist ein Tag des Erinnerns, des Bewustmachens und des Kampfes gegen das Verdrängen und Ausgrenzen. Der WAT ist still und laut.
Laut wenn es darum geht
– Recht einzufordern,
– Diskriminierung und Ausgrenzung zu beenden
– neue Wege zu beschreiten
– andere Wege zu öffnen.
Leise im Gedenken und der Trauer.

Leise im Gedenken und der Trauer.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Flüchtlingsdarma

Seit Monaten lässt der Strom der Flüchtlinge aus besonders Syrien, Afghanistan und Nordafrika nicht nach. Eher verstärkt sich zum Ende des Sommers die Zahl der Menschen die nach Europa kommen. Sie kommen weil sie Angst um ihr Leben und das Leben ihrer Angehörigen haben. Sie fliehen aus Angst vor dem Terror des IS (Islamischer Staat), dem wieder erstarken der Taliban, dem Regime in Eritrea. Dazu kommen Flüchtlinge aus Balkanländern die zum Teil vor der Armut fliehen aber auch weil in vielen Balkanländern Roma und Sexuelle Minderheiten auch heute noch verfolgt werden.

Die Westbalkanländer wollen in der EU aufgenommen werden, unterdrücken aber noch immer Minderheiten. Die EU täte gut daran dort mehr Druck auszuüben. Stattdessen wollen besonders Politiker der CDU/CSU den Kreis der sicheren Herkunftsländer um genau diese Staaten erweitern. Welch eine Farce.

Viele Tausend Menschen stürmen in Budapest die Züge nach Österreich und Deutschland. Victor Orbáns rechte Regierung in Ungarn tut nichts um diesen Menschen in Ungarn zu helfen, einzig die Bevölkerung ist Hilfsbereit. Die Regierung baut einen 175Km langen Zaun nach Serbien um eine Einreise nach Ungarn zu behindern. Die türkische Regierung verweigert geflüchtet Menschen einen Ausweis, dadurch werden sie gezwungen das Land mit Hilfe von Schleppern über das Meer zu verlassen. In Booten, die alles andere als Seetauglich sind, nehmen den Menschen noch die Rettungswesten weil so noch mehr Menschen auf diese Boote passen.

Besonders die osteuropäischen Länder weigern sich Flüchtlinge aufzunehmen. Aber auch David Camerons britische Regierung tut alles damit keiner ungewollt über den Kanal kommt. In Deutschland gehen „Besorgte Bürger“ gemeinsam mit neofaschistischen Gruppierungen und Parteien wie der NPD auf die Straße um gegen die Aufnahme von Flüchtlingen zu protestieren. Geplante Flüchtlingsunterkünfte werden in Brand gesteckt. Während andere Menschen helfen wollen, Willkommenspartys für Flüchtlinge organisieren, Spenden sammeln und nötige Güter an Flüchtlinge verteilen. Von den Besorgten Bürgern werden diese Personen als Gutmensch beschimpft. Aber lieber bin ich ein Gutmensch als ein Arschloch.

Eva Herman (ehemalige Tagesschau Moderatorin) schrieb kürzlich, islamische Flüchtlinge würden die christlichen Werte abschaffen. Sind es nicht viel mehr die Gruppen die Flüchtlingen Asyl verwehren wollen die die christlichen Werte zerstören. Christliche Werte wie Barmherzigkeit und Nächstenliebe. Stattdessen verbreiten sie Hass, Ausgrenzung und Feindschaft. Voran die selbsternannten Asylkritiker.

Ja es ist ein Drama wie die EU als zivilisierte Welt mit den Flüchtlingen umgeht.

Die meisten Flüchtlinge kommen über das Mittelmeer nach Europa. Viele sterben bereits auf dem Weg nach Europa. Heute ging das Bild eines ertrunkenen 3 Jährigen Jungen der am Strand von Bodrum (Türkei) gefunden wurde durch die Medien. Ein erschütterndes Bild, ein jämmerliches Zeugnis des Scheiterns der Europäischen Flüchtlingspolitik. Darf ein solches Bild veröffentlich werden? Darüber streiten sich die Geister.

Ich erinnere mich an andere Schockbilder:
Ein kleines nacktes vietnamesisches Mädchen auf der Flucht, hat zum Umdenken im Vietnamkrieg geführt.
Ein nackter Hintern mit dem Stempel HIV-positivhat viele zum Überdenken der AIDS-Politik geführt.
Bilder dieser Art waren immer umstritten. So etwas darf/kann man doch nicht zeigen, es verletzt die Würde.

Ist dem so, oder rütteln sie nicht eher auf endlich etwas zu tun. Bilder haben Kraft, sie haben Gewalt über den der sie betrachtet. Der britische Bürger beginnt zu diskutieren ob Camerons strickte Verweigerung wirklich die bessere Politik ist, oder ob Mitgefühl und Menschlichkeit nicht doch die bessere Alternative ist. Das Flüchtlingsdrama ist das Ergebnis jahrelanger Fehler in der Innen-, Wirtschafts- und Außenpolitik.

Viel Leid und damit auch viele Flüchtlinge aus Syrien hätten sich vermeiden lassen, wenn die internationale Politik rechtzeitig helfend in Syrien eingegriffen hätte.

  • Die russische und chinesische Regierung haben im ihrem Veto im UN-Sicherheitsrat sich nicht nur zum Handlanger des Assad Regimes gemacht, sie haben damit auch den IS gestärkt.
  • Deutsche Waffenexporte der letzten Jahre an Islamistische Staaten wie Saudi-Arabien stärken auch den IS.
  • Ein Versagen in Afghanistan lässt die Taliban immer stärker werden, dadurch steigt zwangsläufig auch die Zahl der Flüchtlinge aus Afghanistan.
  • Ein Versagen der europäischen Flüchtlingspolitik sorgt dafür, dass die Last Menschen die Asyl benötigen an wenigen Staaten hängen bleibt. Dazu nenne ich als Beispiel Ungarn, Groß-Britannien, Estland u.a. die sich beharrlich weigern Flüchtlinge nach einet Quote, berechnet aus der Wirtschaftsleistung und Größe der Staaten, aufzunehmen.

Vielleicht braucht es in solchen Situationen solcher Schockbilder um, wenn schon nicht die politisch verantwortlichen, dann jedoch das Volk wachzurütteln, damit sie ihre politische Kaste unter Druck setzten zu handeln. Ich hoffe sehr dass dadurch endlich einmal etwas Gutes entsteht. Vielleicht wachen ja endlich auch mal die Besorgten Bürger auf und fangen an ihre Menschlichkeit zu entdecken.

Manchmal braucht es genau solcher Bilder. Hoffen wir, dass dies nicht ohne Wirkung bleibt.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentar hinterlassen

Erinnerungen

Am Samstag habe ich erfahren, dass ich heute, am Montag, frei habe. So bin ich am Sonntag als Überraschungsgast zum Geburtstag meines Bruders in meiner Heimat Stadt Hann. Münden gefahren. Statt wie sonst wenn ich in der Gegend bin bei meiner Schwester zu übernachten habe ich bei meinem Bruder im Haus geschlafen. Was auch bedeutet, dass ich früh mit ihm, seiner Freundin und meiner Nichte, sehr früh aufstehen musste. Ich hatte als viel Zeit meinen Weg nachhause an zugehen.

So habe ich mit die Zeit genommen zunächst über den alten Stadtfriedhof zu gehen wo die Gräber meiner Großväter und das Grab meiner Urgroßmutter sind. Der Friedhof wurde in den 1980ern aufgegeben und die Grabstätten gibt es seit dem offiziell nicht mehr. Dennoch habe ich die Stellen wieder gefunden. Das Bild zeigt die Grabstätte der Uroma, Früher stand hier ein riesiger Rhododendron, der den Grabstein komplett verdeckte. Eine Reihe tiefer war das Grab meine Großvaters Julius. Das Grab wurde von 30 Jahren entfernt, weil seine Zeit abgelaufen war. Heute gedeiht dort ein großer Rhododendron, der einst als Randbepflanzung diente. Insgesamt sieht man heute nur noch wenige Grabstätten. Was mich irgendwie emotional sehr mitgenommen hat.

IMG_0014

Anschließend bin ich in die Altstadt, die zu der frühen Morgenstunde noch wie ausgestoben wirkte. Erinnerungen aus der Kindheit, in der diese Stadt voll mit kleinen lebenden Geschäften war, kommen wieder hoch. Heute wurden viele Häuser von Spekulanten aufgekauft, die Läden stehen vielfach leer, die Häuser verkommen. Insgesamt bietet die einst als schönste Fachwerkstadt Deutschlands ausgezeichnete Stadt ein eher trauriges Bild. Nach dem die ersten Läden geöffnet gaben bin ich den den Schreibwarenladen der Firma Herzel. Das Geschäft sieht noch immer so aus wie zur Zeit meiner Kindheit in den 1960er Jahren. Noch immer steht die alte Frau Herzel an der Kasse, sie dürfte inzwischen weit über die 80 sein. Mein Weg führt mich weiter vorbei an meiner alten Schule furch den Forstbotanischen Garten, der 1868 als Teil der einst Forstlichen Fakultät der Stadt Münden gegründet wurde. Hier wachsen auch heute noch über 700 verschiedene Bäume und Sträucher. Am Letzen noch bestehende Kino der Stadt finde ich Werbung zum Welt Aids Tag. Ich bin etwas erstaunt. Wer macht sich in dieser Kleinstadt Gedanken um den Welt Aids Tag? Nach einem Kaffee fand ich die Lösung. Der Betreiber des Kinos hatte sein Auto davor stehen, auf der Heckklappe klebte eine Regenbogenfahne. Gibt es doch schwules Leben in der Stadt, die ich vor über 30 Jahren verlassen habe. www.schiller-lichtspiele.de

IMG_0024
Trotz der frühen Stunde komme ich mit einer älteren Dame ins Gespräch. Mein Button von #PositivHandeln erweckt ihr Interesse. Sie bedauert, da die Altersgruppe der heute 40 – 50 Jährigen in der Stadt fehlt. Der Grund dürfte der Situation in den 1980er Jahren geschuldet sein. Zu dieser Zeit gab es in der Region kaum Arbeit und so hat es viele in andere Regionen oder gar andere Länder gezogen. Soviel zum Thema Wirtschaftsflüchtlinge.
Am Feurteich steht Denkmal den Bildhauers Prof. Eberlein „Got auch Adam den Odem ein“. Ich sehe in diesem Bildhauerwerk eher einen Homoerotischen Kuss zwischen einem ältern Mann und eine jungen Mann.

IMG_0027

Ganz gemütlich mache ich mich auf den Heimweg. Ich verlasse die Autobahn und besuche die Stadt Melsungen. Vor 35 Jahren war ich mal in dieser Stadt. Die sich zu einem wahren Schmuckstück entwickelt hat. Eine sehr schöne Fachwerkstadt war es schon immer. Ein wieder hergestelltes Kopfsteinpflaster gibt der Stadt seinen Charme wieder. Eine von Geschäften belebte Stadt in der kaum die üblichen Kandidaten zu finden sind. Eine wunder schöne Stadt an der Fulda, die später auch in meiner Heimatstadt endet und zusammen mit der Werra die Weser bildet.

IMG_0043

Mein Weg führt mich weiter südlich auf die Autobahn, meinem nächsten Zwischenstopp entgegen. Das Rosendorf Steinfurt bei Bad Nauheim habe ich eingeplant um dort ein paar neue Rosen für unseren Garten zu kaufen. Steinfurt ist ein Rosendorf. Hier sind einige Rosenschulen zu finden. Eine große Auswahl an Rosen, ob Englische-, Edel-, Beet-, Kletter-, Bodendecker- oder Duftrosen in riesiger Auswahl zu finden. Dazu Fachberatung direkt vom Erzeuger. Hier sind Erzeuger zu finden, weniger Züchter. Der Unterschied zwischen Erzeuger und Züchter ist, der Züchter bildet durch Kreuzung verschiedener Sorten eine neue Rosensorte mit neuen Eigenschaften. Der Erzeuger veredelt Wildstöcke mit Edelsorten um diese zu vermarkten. Dafür zahlt er dem Züchter eine Lizenzgebühr. Ich habe zwei neue Rosen für meinen Garten gefunden, für die ich noch einen geeigneten Platz suchen muss. Dazu einen für mich neuartigen Dünger. Dieser Dünger wird aus Getreide hergestellt und düngt, was für mich wiederum alt ist, die Rose über das Blatt. Neu ist, dass dieser Dünger durch seinen Stärke Anteil das Blatt vor Krankheiten wie Mehltau oder auch Blattläusen auf natürlich weise schützen kann.

https://de.wikipedia.org/wiki/Steinfurth_%28Bad_Nauheim%29

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Homo-Ehe, warum nicht EHE für alle?

In Irland wurde per Volksabstimmung mit eine klaren Mehrheit für die Öffnung der Ehe für Homosexuelle gestimmt. Die Wahlbeteiligung war erstaunlich hoch, sie lag bei 60%. Für die Öffnung der Ehe auch für homosexuelle Menschen stimmten 62%. Eine ganz klare Mehrheit. Ein Glückwunsch an alle Schwulen und Lesben in Irland, ihr habt viel erreicht. Slovenien hat die Verfassung entsprechend geändert um die Ehe zu alle zu öffnen. Heiraten können Schwule und Lesben in Frankreich, England, Spanien, Luxemburg, Niederlande, um bei den Europäischen Ländern zu bleiben. Selbst einige südamerikanische Staaten haben die Ehe für Homosexuelle geöffnet.

Viel anders sieht es in Deutschland aus. Hier ist sofort die Debatte über eine Homo-Ehe ausgebrochen. Politiker jeglicher Couleur melden sich zu Wort, die einen fordern auch hier eine Öffnung der Ehe für alle, die Unionsparteien blocken hier jedoch total. Immer wieder ist die Rede von einer „Homo-Ehe“, geradezu als wenn Homosexuelle einen Sonderstatus wünschen, eine Ehe nur für sich die eben doch etwas Besseres ist. Was ein Unsinn, wir wollen einzig die Öffnung der EHE für alle, ohne Privilegien für Heteros oder Homos. Was ist daran so schwer zu verstehen? Wir wollen nur gleiches Recht für alle, wie es im Grundgesetz verankert ist.

Immer wieder störe ich mich an den Begriffen „Homosexuell“ und „Homo-Ehe“. Schwule und Lesben werden dadurch das Wort Homosexuelle auf Sex reduziert. Warum nicht Heterosexuelle, haben die keinen Sex? Dann frage ich mich wieso es Kinder gibt, auch wenn es immer weniger werden, was wohl damit zutun hat, dass Kinder nicht mehr in den Karriereplan passen. Oder haben Heterosexuelle den Sex verlernt? Nee glaub ich nicht wirklich. Ich denke man sollte den Begriff Homosexuelle ersetzen durch Homophil.
Homophil = gleich liebend.
Damit wird die Reduzierung auf den Sex genommen und trifft es wesentlich besser. Schwule und lesbische Beziehungen sind zusammen weil sie sich lieben, sie dürften nicht mehr Sex als heterosexuelle Beziehungen haben.

Frau Kramp-Karrenbauer, Ministerpräsidentin im Saarland, äußerte sich zudem noch sehr missverständlich. Sie sagte wenn man eine „Homo-Ehe“ einführe müsse man die Ehe bald auch für Geschwister oder gar eine Vielfachehe einführen. Sie tat das so missverständlich dass es sich so las als wäre der Homosexuelle per se für eine Mehrfach- oder Inzuchtehe. Statt einer Entschuldigung lieferte sie eine na ja Erklärung wie sie das denn wirklich gemeint habe. Ebenso wie einige andere unbelehrbaren, wie Thomas Goppel von der CSU, der den Unsinn verbreitet die Beziehungen von Schwule und Lesben seien qualitativ minderwertig. Damit spricht er Schwulen und Lesben ab wirkliche Liebe zueinander zu empfinden. Ich empfinde das als absolute Frechheit. Wer erlaubt diesen von Hass geprägten Personen ungestraft solch erniedrigende Sätze zu äußern. Das hat nichts mehr mit Meinungsfreiheit zu tun, das ist beleidigend.

Wem schadet es wenn die Ehe auch für homophile Menschen geöffnet wird, wird der bisherigen Ehe zwischen heterosexuellen Menschen dadurch etwas weggenommen?

  • Einige begründen ihre Ablehnung der Eheöffnung damit die Ehe sei die Grundlage der Familie, für Kinder. Ausgemachter Unsinn wenn am die vielen kinderlosen Ehen betrachtet. Merkels und Kauders Ehe z.B. sind Kinderlos, beide aber vehemente Gegner der Öffnung der Ehe für alle weil Homophile schließlich keine Kinder zeugen.
  • Andere argumentieren Kinder benötigt Vater und Mutter um gesund groß zu werden – merken aber nicht, dass sie damit allein Erziehende in ihrer Leistung herabwürdigen. Eine allein erziehende Mutter oder Vater ist demnach nicht geeignet Kinder zu erziehen.
  • Homophile Menschen sind nicht in der Lage Kinder liebevoll zu erziehen, so ein weiteres Argument. Es gibt viele Studien die Sagen, das Schwule und Lesben besonders liebevolle Eltern sind, die durchaus in der Lage sind Kinder zu erziehen. Weil sie sich bewusster für Kinder entscheiden vielleicht sogar noch besser. Jährlich gibt es Berichte von Gewalt gegen Kinder, aber stets aus heterosexuellen Beziehungen.
  • Schwule Männer wollten ja nur Kinder um sie sexuelle zu missbrauchen. Schon lustig wenn man bedenkt das dieser Vorwurf besonders aus der katholischen Kirche kommt, die in den vergangenen Jahren nicht gerade einen ruhmhaften Auftritt hatte was Kindesmissbrauch betrifft. Auch seltsam dass es, wenn auch sehr selten, eher die Väter sind die ihre Tochter missbrauchen.
  • Kinder würden in eine homophile Beziehung leiden, weil sie mit Diskriminierung zu rechnen hätten. Ein guter Einwand, aber solange die Bundesregierung nicht wirklich etwas gegen die Diskriminierung homophiler Menschen unternimmt, muss sie sich diesen Schuh selber anziehen. Noch immer werden eingetragene Lebenspartnerschaften staatlich diskriminiert, wieso sollte es dann im Volk anders sein? Das homophile rechtlich noch immer vielfach diskriminiert werden ist in erster Linie der starren Haltung von CDU/CSU zu zuschreiben.
  • Auch wird gerne angeführt das homophile Lebensweisen nicht natürlich seien. In der Natur sind schwule Löwen, gleichgeschlechtlich lebende Störche, Schwäne, Schweine, Pinguine, Meerschweinchen … zu beobachten. Wie kann etwas nicht natürlich sein wenn es in der Natur ständig vorkommt?

Schwule und Lesben lieben genauso wie heterosexuelle Menschen auch. Sie wolle zeigen dass sie Verantwortung für ihren Partner übernehmen, zu ihm Stehen in guten wie in schlechten Tagen, nicht anders als Heterosexuelle auch. Die staatliche Diskriminierung, Ungleichbehandlung, von Ehe und Lebenspartnerschaft zu beenden wäre es viel einfacher die Ehe auch für Schwule und Lesben zu öffnen, als hunderte einzelner Gesetze zu ändern in denen eingetragene Lebenspartnerschaften 14 Jahre nach der Einführung noch immer staatlich diskriminiert werden.

Homophile Menschen haben die gleichen Gefühle wie heterosexuelle, warum soll ihnen die Ehe verweigert bleiben? Nur weil ein paar bornierte Hinterwäldler das so wollen und ein Koalitionspartner nicht den Arsch in den Hose hat das zu ändern. Frau Yasmin Fahimi (SPD) indes weigert sich bei einer notwendige Abstimmung im Bundestag den Fraktionszwang aufzuheben fordert aber, welch Heuchelei, ein Umdenken bei CDU/CSU doch noch für die Öffnung der Ehe zu stimmen.

Interessant ist auch das schwule Politiker der CDU/CSU zu ihrer Chefin stehen und versuchen zu beschwichtigen. Also der Merkel mit ihrem komischen Bauchgefühl. Kamillentee soll bekanntlich gegen Bauchgrimmen helfen. Frau Merkel sollte öfter mal Kamillentee trinken vielleicht hilft das ja auch bei politischen Entscheidungen.

Ich kommen zu den sogenannten „Besorgten Eltern“ die Land auf Land ab dagegen Demonstrieren, dass in den Schulen darüber aufgeklärt werden soll, dass es außer Mama-Papa-Kind auch andere Beziehungsformen gibt. Vertreten sie doch die Meinung ihre Kinder sollten damit Schwul oder Lesbisch gemacht werden. Woher sie diese Weisheit haben bleibt mir verborgen. Niemand ist schwul oder lesbisch gemacht worden. Man ist es oder man ist einfach Heterosexuell. Solcher Unterricht soll helfen Diskriminierung gegen Homophile abzubauen und nicht Kinder umerziehen. Die „Besorgten-Eltern“ wurden aufgehetzt von einigen wenigen Fanatikern, mit Märchen gegen die die Brüder Grimm blutige Anfänger sind. Niemand wird schwul, weil er mal gelernt hat das schwule genauso lieben wie Heterosexuelle. Niemand wird Trans weil er mal von einem Mann gehört hat der lieber Frau sein will. Niemand wird Intersexuell weil er mal gelesen hat das es Personen gibt deren Geschlecht bei der Geburt nicht eindeutig fest zu stellen ist, die beide Geschlechtsmerkmale haben. Und niemand sollte entscheiden dürfen für was sich das Kind irgendwann einmal selbst entscheiden sollte. Leider ist es bis heute leidige Praxis das sich Ärzte und/oder Eltern, in solch einem Fall, für ein Geschlecht des Kindes entscheiden. Nur das ist eine andere Debatte. Niemand wird Lesbisch weil sie zwei küssende Frauen sieht. Aber solche Ammenmärchen werden den „Besorgten Eltern“ erzählt. Und das tolle ist, sie glauben diesen Schwachsinn.

Jedes Jahr begehen viele Jugendliche Selbstmord – wenn sie feststellen das sie homophil Lieben, weil sie merken das ihr Körper nicht zu dem passt wie sie sich fühlen (Trans) oder von irgend wem in eine bestimmte Geschlechterrolle (Inter) gepresst wurden in der sie sich nicht wohl fühlen – und sich damit alleine fühlen, von niemanden verstanden. Weil sie Angst haben, sich in der Familie oder unter Freunden (Schulkameraden) zu outen oder noch schlimmer ausgestoßen werden weil sie „anders“ sind.

Eine Öffnung der Ehe und ein offener, ungezwungener Umgang im Unterricht mit nicht der Heteronorm entsprechenden Lebensformen ist Grundlage dafür das Jugendliche die „anders“ sind sich als vollwertig und nicht minderwertig zu sehen. Jeder der eine Öffnung der Ehe und einem Lehrplan zu anderen Lebensarten ablehnt trägt Mitverantwortung wenn sich ein Kind tötet weil es sich alleingelassen fühlen muss weil es anders liebt oder fühlt.

Veröffentlicht unter #ehefueralle, Besorgte Eltern, Beziehung, ehe, Heterosexuell, Homosexuell, Inter, lesbisch, Liebe, schwul, Trans | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Was tun wenn der Chef mobt?

Soviel vor weg ich blogge auch über meine HIV-Infektion. In der Firma bin ich seit über 16 Jahren angestellt.

Nach dem wir vor 3 Jahren einen neuen Chef bekommen haben mehren sich die Probleme am Arbeitsplatz. Das kam so: Ich sitze mit Kollegen im Pausenraum als ein Kollge darauf zu sprechen kommt das ich oft viel schreibe und doch einen Blog habe. Zu diesem Zeitpunkt kommt unser damals noch neuer Chef dazu. In den Tagen Darauf habe ich einen verstärkten Zugriff auf meinen Blog bemerkt. Kurze Zeit darauf wurde der Umgangston meines Chefs deutlich kühler. Seit längerer Zeit habe ich immer wieder das Gefühl das er versucht mich zu mobben.

Ich habe immer wieder das gefühl er will mich aus der Firma ekeln. Wenn ich selber kündige braucht er ja keine Abfindung bezahlen.

Aktueller Fall: Ich arbeite in der Reparaturannahme in einem Elekrohendels Unternehmen. Bisher waren wir 3 Personen. Unser Teamleiter ist für zwei Wochen in Urlaub und unser Chef zieht den dritten Mann während dieser Zeit komplett ab um ihn in eine andere Abteilung zu setzen. Ich muss also die Arbeit für 2-3 Personen allein bewältigen und soll zudem noch auf meine Freizeitausgleich, weil wir auch am Samstag arbeiten, verzichten und außerdem statt 7.5 Stunden noch länger Arbeiten.

Öfer hatte ich mit ihm seit dem Einzelgespäche ob ich in der Lage sei meine Arbeit zu machen, ob ich überfordert sei. Ein mal, ich war 3 Wochen krank, starke Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel und Tinnitus, hatte ich im Anschluss ein Einzelgespräch mit meinem Chef:
Warum ich den Karnk gewesen sei?
Ob ich überhaupt noch arbeiten könne?
Die zweite Frage kam seit dem öfter.

Ein anderes mal – wir waren zu der Zeit zu zweit in der Abteilung + einen studentische Aushilfe für 2 Stunden am Tag – warum denn soviel liegen bleiben, nicht weiter bearbeitet würde. Ich kann mir nun mal nicht den Arsch aufreißen und die Arbeit für zwei erledigen.

Ich frage mich warum mir viele Kunden ein Trinkgeld anbieten, was ich nicht annehmen darf und auch nicht tue, wenn meine Arbeit so schlecht ist wie sie mir mein Chef immer wieder unterstellt…

Veröffentlicht unter Arbeit, HIV, Mobbing | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Ein Urteil in Aachen

Kürzlich gab es ein Gerichtsverfahren gegen einen 43 der seine Partnerin mit HIV infiziert hat. Er erhielt sein HIV-positives Testergebnis 2007 zusammen mit seiner damaligen Ehefrau. Nach endlosen aufreibenden Schuldzuweisungen trennten sich die beiden.

Mit einer neuen Partnerin hatte er zunächst Sex mit Kondom, bis es zu einem „Unfall“ kam, seither wurde beiderseitig auf ein Kondom verzichtet. Da er noch nicht in Therapie und seine Virenlast nachweislich nicht unter der Nachweisgrenze lag bestand das Risiko einer Transmission, zu der es dann auch kam. Das Aachener Landgericht verurteilte nun in diesen Tagen diesen Mann, wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe von 1 Jahr und 9 Monate. In drei weiteren Fällen in denen es zu keiner Übertragung kam wurde er freigesprochen.

Was ist so besonderes an dem Urteil?

Nun der Staatsanwalt hat wie es bisher in ähnlichen Fällen üblich ist auf eine mehr jährige Haftstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung und gefährlicher versuchter Körperverletzung plädiert. Ein Novum ist, dass der Richter nicht auf eine Forderung einging.

Dieses Urteil ist ein kleiner Fortschritt in der deutschen Rechtsprechung, leider noch nicht der große Durchbruch.

Bernd Aretz, ein Jurist der sich seit vielen Jahren mit dem Thema beschäftigt, kommentiert das so:

„Ich finde es sehr erfreulich, dass endlich ein Gericht bei der Abgrenzung zwischen Vorsatz und Fahrlässigkeit die Regeln anwendet, die man schon zum Erwerb des kleinen Strafrechtsrechtscheins beherrschen musste. der BGH hatte sie kurzerhand 1988 über Bord geworfen, weil er verurteilen wollte, nicht etwa weil der damalige angeklagte sich wirklich vorsätzlich schuldig gemacht hätte. es ist sehr erfreulich, dass die Strafjustiz zu ihren Grundregeln zurückkehrt, wenn ich auch finde, der Staat sollte sich aus jeder einvernehmlichen Sexualität heraushalten, sofern sie nicht für sich schon mit Strafe bewehrt ist, wie etwa der sexuelle Umgang mit abhängigen.“

Seit fast 30 Jahre ging es in der deutschen Rechtsprechung nur darum HIV-Positive für eine (mögliche) Übertragung zu bestrafen. Gerne wurde die Keule der schweren Körperverletzung gezogen. Natürlich gilt dies nur für Personen die von ihrer Infektion wissen, also einen vermeintlichen Wissensvorsprung haben. Gerne wurde dabei die Möglichkeit des Eigenschutzes vernachlässigt. Zum Beispiel, jeder Autofahrer ist verpflichtet sich selber durch einen Gurt vor den Folgen eines Unfalles zu schützen. Eine zuwider Handlung wird auch ohne Unfall bestraft. Seit AIDS gelten die Safer-Sex-Regeln: „Kondome schützen!“ Kondome schützen nicht nur davor andere zu infizieren sondern auch besonders davor sich selber mit HIV zu infizieren. Besonders interessant ist, das die meisten Übertragungen dort stattfinden wo ein HIV-Positiver nicht über seinen Status informiert ist und somit straffrei bleibt.

Bei einvernehmlichem Sex fehlt der Vorsatz jemand anderes zu gefährden. Man muss davon ausgehen, dass die Partner über die möglichen Risiken informiert sind und die Möglichkeit haben sich entsprechend selbst zu schützen. Mein Mann und ich, beide damals noch ungetestet, sind nach dem es eine Panne mit dem Kondom gab überein gekommen darauf künftig zu verzichte, wohl wissend das es ein gewisses Risiko gibt.

Wer trägt also die Schuld?
Gibt es beim einvernehmlichen Sex überhaupt so etwas wie Schuld?
Ist es nicht Aufgabe eines Jeden alles dafür zu tun „gesund“ zu bleiben?
Die Mehrheit wird im Fall HIV sagen „ich wurde infiziert“, wäre nicht richtiger zu sagen „ich habe mich infiziert“?
Mache ich mich selber schuldig wenn ich HIV habe? Ich könnte ja eine Gefahr für jemand anderen, warum auch immer, sein!
Warum wird das nicht auch auf andere Krankheiten übertragen, z.B. Grippe oder Masern?

Kann ich mich selber anzeigen weil ich mich mit HIV infiziert habe?

Bei den Positiven Begegnungen 2015 kam die Forderung nach Selbstanzeigen auf. Einige Tage haben wir in Folge auf diese Forderung darüber diskutiert ob und wie das Umgesetzt werden kann.

Welche Risiken bestehen für den Einzelnen, welchen Erfolg versprechen wir uns davon, wie kann das Umgesetzt werden?
Wenn ich mich selbst anzeige jemand anderes mit HIV infiziert zu haben, gehe ich dafür eventuell einige Jahre in den Knast.
Was ist wenn ich mich anzeige weil ich mich selber infiziert habe? Sollte diese Möglichkeit bestehen wirft das natürlich ganz andere Fragen auf. Eine Freiheitsstrafe werde ich wohl nicht befürchten müssen aber ist der Versicherungsschutz dadurch zum Beispiel gefährdet?

Durch eine Umkehrung entstehen ganz andere Fragen an die Profis.

Hier noch meinen Dank an die Aktivisten die den Prozess in Aachen begleitet haben.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentar hinterlassen

Bin ich Charlie?

Nach dem Attentat am 7. Januar in der Redaktion der Zeitung Charlie Hebdo sind plötzlich alle Charlie: „Je suie Charlie!“. Bin ich Charlie? Habe ich mich gefragt.

Ich verurteile Gewalttaten wie gegen Charlie Hebdo zu tiefst. Ich verurteile auch die Gewalttaten, die anschließend, aus Rache, durch (rechte) Fanatiker an muslimischen Einrichtungen und Moscheen in Frankreich und anders wo verübt wurden. Ich verurteile Gewaltandrohungen durch Islamisten, die sich schon als Eroberer der Welt sehen und allen ihren Fanatismus aufzwingen wollen. Wer da nicht mitmacht wird ermordet. Ich bin gegen die PEGIDA Demonstration, die nur zu noch mehr Hass und Gewalt führen werden.

Ein wichtiges Zeichen gegen Gewalt hat indes der muslimische Dachverband gesetzt. Erfreulich war das bei dieser Demonstration nicht nur Muslime, sondern auch Juden und Christen gemeinsam ein Zeichen gegen Gewalt gezeigt haben. Es ist schon fast historisch, das die drei großen Weltreligionen einig gemeinsam gegen Gewalt Protestieren.

Solche Anschläge und islamfeindlichen Demos durch PEGIDA sind nur dafür geeignet die Gewaltspirale nur noch mehr in Schwung zu bringen. Heute wurde die PEGIDA Demo in Dresden abgesagt, weil man einen Anschlag gegen die PEGIDA Verantwortlichen befürchtet. Beide Seiten, die Islamisten wie auch PEGIDA sind einfach zu beschränkt um zu erkennen, dass jeder nur Öl in das Feuer des anderen gießt. Islamistische Hassprediger, die zu Anschlägen gegen PEGIDA aufrufen verstärken nur die Vorurteile gegen den Islam. Genauso ist jede PEGIDA Demo ein Grund etwas gegen PEGIDA zu unternehmen.

„Wir sind das Volk“, grölen wöchentlich PEGIDA Anhänger. In Dresden 18.000 in anderen Städten einige Hundert. Ungeachtet dessen das der größte Teil der Bevölkerung gegen PEGIDA ist. Wie kann eine solche Minderheit das Volk sein? 100.000 protestieren regelmäßig gegen PEGIDA. Es ist ein seltsames Demokratieverständnis was diese Leute haben. „Wir sind das Volk!“ war der Schlachtruf der Menschen die Jahrzehnte unter Unterdrückung durch das DDR-Regime gelitten und friedlich für Freiheit gekämpft haben. Nun wir dieses „Wir sind das Volk“ von einer Handvoll frustriertet missbraucht die sich bedroht fühlen, wenn in der gleichen Straße in Moslem lebt. Die den Untergang des Abendlandes sehen wenn in der gleichen Straße eine türkische Familie lebt. Die Angst haben das ein paar Flüchtlinge in ihrer Stadt untergebracht werden sollen. Menschen die Gewalttaten des IS fliehen. Der IS ist derzeit eine der großen Bedrohungen auf diesem Planeten. Eine Bedrohung sind auch die Jünger des Hasspredigers Pierre Vogel und Konsorten.

Ein wunderbares Beispiel am Zusammenleben verschiedener Völker bietet die Stadt Offenbach am Main. Offenbach hat mit fast 50% den höchsten Ausländeranteil der deutschen Städte. Hier leben Spanier, Portugiesen, Franzosen, Juden, Türken, Marokkaner, Griechen, Japaner, Chinesen, Vietnamesen, Kroaten, Russen, Polen, Rumänen, Inder, Pakistani, Italiener, Afghanen etc. etc. friedlich zusammen in einer Stadt. Einmal im Jahr feiern alle zusammen ein großes Fest. Ein sehr gutes Beispiel war die Trauer um Tugçe. Tugçe die Türkin die in der Offenbacher Klinik gestorben ist weil sie sich für ein paar Mädchen eingesetzt hat. Über 2000 Menschen haben vor der Klinik an ihrem Sterbetag um Tugçe getrauert. 2000 Menschen aller in Offenbach lebenden Nationalitäten.

Wie lächerlich dagegen ist Dresden, die Stadt in der PEGIDA besonders stark vertreten ist mit einem Ausländeranteil von 2%. Gegen diese 2% versuchen die „Wir sind das Volk“ Rufer Stimmung zu machen. Wie armselig.

Bin ich Charlie? Auch ein bisschen. Vor allem bin ich für Frieden unter den Völkern und Religionen. Ich weiß nicht ob Charlie das kann. Ich denke man braucht Humor auch im Umgang mit den Religionen. Wenn Charlie Hebdo einen weinenden Mohamed darstellt kann das nicht lästerlich gemeint sein. Die Islamisten heben ihren Propheten auf eine Stufe mit einem Gott, machen ihn Gott gleich. Dabei vergessen sie dass Mohamed auch nur ein Mensch war. Wenn Charlie Hebdo sich ausschließlich über Mohamed und den Islam lustig machen würde könnte ich den Zorn der Islamisten noch verstehen. Nur ist dem nicht so.

Kurt Tucholsky sagte seiner Zeit: „Satire darf alles!“ Darf sie das wirklich? Darf sie andere verletzen, oder beleidigen? Ich denke man muss als Satiriker auch Grenzen überschreiten, damit Satire wirken kann. Satire soll Dinge die zu ernst genommen werden auch mal von der spaßigen Seite betrachten, das wird von ihr verlangt. Satire muss auch unbequeme Themen bearbeiten und auch mal Tabus brechen. Das ist die Aufgabe der Satire. Wer das nicht versteht sollte einen weiten Bogen um Satire machen. Wenn aber weiß das bestimmte Darstellungen bei größeren Gruppierungen beleidigend wirken, darf man als Satiriker dann noch Witze darüber machen?

„Je suie Charlie!“ aber mit Einschränkung.

Erstaunlich ist immer wieder wie die Politik auf solche Anschläger reagiert. Wie ein sabbernder Straßenköter im Labortest reagiert die CSU mit dem Ruf nach mehr Überwachung und härteren Gesetzen. Kurz darauf über nimmt die CDU den Ruf nach mehr Überwachung. Die rechten würden am liebsten Ausländer sofort ausweisen. Es ist immer wieder dasselbe. Gleich nach dem Anschlag hat die CSU wieder einmal nach der Vorratsdatenspeicherung geschrien. Frankreich hat sie und konnte den Anschlag trotz allem nicht verhindern. Was also bringt die Vorratsdatenspeicherung, mehr Bürokratie, mehr Kosten, mehr Überwachung auch unschuldiger. Schärfere Gesetze, genügen nicht die jetzt gültigen Gesetze, wenn sie denn nur konsequent umgesetzt würden. Wenn die Polizei genügend Personal und moderne Ausstattung hätte damit sie ihre Aufgaben erledigen kann. Was nutzen schärfere Gesetze wenn die Polizei ihre jetzigen Aufgaben kaum zu leisten vermag weil Personal fehlt, weil die Technische Ausrüstung im Vergleich zu kriminellen Strukturen aus Computersteinzeit stammt.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

HIV – Wie es mir ging

Ein Rückblick nach 5 Jahren HIV

Ich kam an einem Abend 2009 nachhause. Ich habe mich auf den Feierabend nach einem anstrengenden Arbeitstag gefreut zu meinem Mann zu kommen. Mein Mann sagte mir er müsse mir etwas Wichtiges sagen, aber erst nach dem Abendessen.

Nach dem Essen sagte er: „Ich bin positiv!“

Was
Wie
Warum

„Mein Arzt hat einen HIV Test gemacht – ich bin HIV-positiv“

Scheiße

„Du solltest dich auch testen lassen!“

Ich saß neben ihm. Habe kein Wort heraus gebracht, irgendwann ein: „und jetzt?“

Ich wollte ihn umarmen, saß aber wie versteinert da. Dachte
Was wenn ich ihn angesteckt habe?
Was wenn ich negativ bin?
Wer ist schuld?
Wir hatten uns drei Jahre vorher verpartnert, waren seit 13 Jahre zusammen.
Was bringt es mir wenn ich mir wen ich mich teste lasse?
Wieviel Zeit haben wir noch?
Gut das wir geheiratet haben, dann stehe ich nicht nur dumm da wenn du im Krankenhaus liegst!
Trotz allem war ich wie versteinert.
Wann soll ich mich testen lassen. Die kommenden Wochen hat mein Kollege Urlaub die muss ich noch abwarten.

Es folgten fast drei Wochen in denen ich immer wieder Zweifel hatte. Was ist wenn ich negativ bin? Was ist wenn ich auch positiv bin? Wo, wann und bei wem könnte ich mich angesteckt haben? Nach fast drei Wochen bin ich dann zum Gesundheitsamt gegangen um mich testen zu lassen.

Ein kurzes Gespräch mit der Person an der Rezeption. Wollen sie einen anonymen Test oder mit Namen? Über die Vor- und Nachteile des anonymen Tests wurde ich nicht informiert. Auch später nicht von der Arztin. Ein kurzes Gespräch warum ich mich testen lassen will und schon wurde mir ein Röhrchen Blut abgezapft. In acht bis zehn Tagen könne ich mir das Ergebnis holen.

Eine weitere Woche qualvolles warten. Immer wieder die gleichen Fragen. POSITIV ODER NEGATIV? Was ist was wenn ich negativ bin, wo hat sich mein Mann angesteckt? Was wenn ich auch positiv bin? Was ist wenn ich meinen Mann angesteckt habe? Hattest du nicht oft mal Durchfall das soll ja ein Symptom sein? Eine Woche die ich nachts statt zu schlafen grübelnd verbracht habe. Alle möglichen Szenarien gingen mir durch den Kopf.

Dann der Tag an dem da Ergebnis kam. Nach kurzer Wartezeit das Gespräch mit der Ärztin des Gesundheitamtes. „sie sind HIV positiv!“ Ob ich Fragen habe. mir kam keine Frage in den Sinn, hatte ich doch viele Jahre vorher viel für die Aufklärung zu HIV beigetragen. Nur im Laufe der Jahre hat sich viel verändert, was ich wohl am Rande wahrgenommen habe aber nicht verinnerlicht habe. Das war an einem Donnerstag.

Ich habe versucht kurzfristig einen Termin beim HIV Arzt meines Mannes zu bekommen. Wir wollten am Dienstagnachmittag darauf Urlaub auf Kreta mache. Nur habe ich so kurzfristig keinen Ter in bekommen. Der nächst mögliche Termin war fast drei Wochen später.

So verbrachten wir zwei Wochen Urlaub auf Kreta. immer wieder kam die Frage auf „Wie lange bleibt mir noch?“, „wer ist schuld?“, „habe ich meinen Mann angesteckt?“ Nicht nur das Wetter war die fast zwei Wochen richtig beschissen auch meine Stimmung war miserabel. Die ganzen Nächte durch habe ich geheult. Tags war ich teils am Heulen und am Schlafen. Denn Schlaf nach holen, der mir in der Nacht fehlte. Es war der schlimmste Urlaub meines bisherigen Lebens. Die Hotelanlage stand wegen starken Dauerregens tagelang unter Wasser. Als trinkbare schmeckte irgendwie nach Chlor bis auf den schlechten Wein, das nicht so dolle Bier und der Ouzo aber nur pur. Endlich war der Urlaub zu ende.

Wieder zuhause schleppte ich mich auf die Arbeit und habe mich mehr hinter dem Schreibtisch versteckt als etwas zu tun. Nach fast einer weiteren Woche hatte ich dann den ersten Termin bei meinem Arzt. Zunächst versuchte er mir meine Angst zu nehmen. “Mit HIV kann man heute ganz normal alt werden” – “Heute werden sie ohne Medikamente nachhause gehen.” Nach einem ausführlichen Gespräch wurden mir noch einige Röhrchen Blut abgezapft. Das Ergebnis wäre in einer Woche da.

Wieso habe ich nicht daran gedacht? Hatte ich jahre vorher nicht über Therapiemöglichkeiten gelesen. Habe ich nicht anderen vorher Mut gemacht? Das alles war vergessen. Noch immer plagen mich sorgen. Wie werden meine Blutwerte sein, ganz sicher tief im Keller. Wieso habe ich mich nicht viel früher testen lassen?

Dann kam der Folgetermin. Meine Blutwerte also die CD4 Helferzellen waren nicht ganz so schlecht wie befürchtet jedoch auch nicht gut. Unter 250 CD4 und eine Virenlast die allerdings noch nicht zu hoch lag. So hat mein Arzt nicht wie üblich alle 3 Monate eine Kontrolluntersuchung gemacht sondern alle 8 Wochen. Die Werte schwankten, mal waren sie etwas besser, dann wieder ein wenig schlechter.

Nach den ersten Werten habe ich mich meinem Kollegen anvertraut, der in der Firma als Ersthelfer ausgebildet ist etwas später meinen damaligen Abteilungsleiter der wissen wollte warum ich nicht auf die Weihnachtsfeier gehen wolle. Beide standen voll hinter mir und haben mir das Gefühl gegeben verstanden zu werden. Ich wollte einen Blog schreiben nur wusste ich nicht wie.

Ich fing an im Internet zu forschen, die guten Seiten vom Trash zu unterscheiden fiel mir relativ leicht. Ich fand eine Seite von einem jungen Mann dem es fast so ging wie mir. Ich habe sämtliche Einträge ausgedruckt um sie zu lesen wenn ich keinen PC zur Hand habe. Ich fand andere Seiten die mir alle sehr geholfen haben. Ich fand ein Forum in dem ich mich registriert habe, indem ich liebevoll aufgenommen wurde. Hier habe ich viel über meine Krankheit gelernt und konnte bald auch anderen helfen mit ihrer Situation zu leben. Endlich habe ich es irgendwann geschafft einen Blog anzulegen.

Im Mai 2010 kam dann die schlechte Nachricht. Meine CD4 waren so abgerutscht das ein Therapiestart damals angesagt war. Heute beginnt man mit einer Therapie wesentlich früher. Ich bekam leicht Panik.

Was wenn ich jetzt eine Lungenentzündung bekomme?
Muss ich mir Sorgen wegen Kaposi?
Geht es jetzt doch zu Ende?

Mein Arzt fragte mich ob ich in eine Medikamenten Studie wolle, und findet meine Zustimmung. Es geht um ein Medikament was ich sehr interessant finde. Die Studien bestehen aus zwei Armen und ich komme leider nicht in den Arm eines Medikamentes was eine einzige Tablette am Tag ermöglicht. Aber in einen anderen Arm, in dem ein neuer Booster getestet wird. Vorher werden noch einige Untersuchungen durchgeführt. Darunter ein Resistenztest der zeigte dass ich gegen kein Medikament eine Resistenz habe. Was bedeutet ich könnte alle Medikamente ohne Einschränkung nehmen. Nach 3 Monaten ist die Virenlast unter der Nachweisgrenze und die CD4 bei einem akzeptablen Wert.

Nach fast einem Jahr verschlechtern sich meine Nierenwerte aufgrund einer der Wirkstoffe. Eine Untersuchung beim Nephrologen bestätigt den Verdacht und meine Therapie wird sofort umgestellt. Ich bin zwar aus der Studie raus aber bleibe als Vergleichsperson Bestandteil der Studie. Bis auf einige kleine Ausbrecher ist die Virenlast unter der Nachweisgrenze für kurze Zeit auch mal ein wenig darüber. Was mir jedoch keine Sorgen bereitet, da die Virenlast nur sehr gering ist.

Ich fange an mich mehr zu engagieren und fahre 2012 zu den Positiven Begegnungen nach Wolfsburg. Ich lerne viele liebe Menschen kennen. Mein Schwerpunkt Thema ist die Kriminalisierung von Menschen mit HIV, als zweites Thema befasse ich mich mit Stigmatisierung. Es entsteht eine Themenwerkstatt die sich mit beiden Themen befassen soll und ich entscheide mich hier mit zu wirken. Ein Projekt entsteht und reift. Wir wollen Menschen mit einem neuen HIV-Test auffangen und ihnen einen Buddy an die Seite stellen. Die ersten Buddys sind ausgebildet und das Projekt wird bald starten.

Inzwischen gibt es eine Themenwerkstatt die allein die Kriminalisierung von Menschen mit HIV bearbeitet. Beim ersten Treffen Anfang Dezember war ich dabei. Ich hoffe dass wir in dem Projekt einiges erreichen werden.

Veröffentlicht unter Gesundheit, HIV, HIV-Test, Kriminalisierung, Stigmatisierung | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Das Ende vom Safer Sex?

Was bedeute Safer Sex heute?
Bareback heißt wörtlich reiten ohne Sattel. Gemeint ist Sex ohne Kondom. Viele Jahre sind Menschen die bareback Sex gemacht haben als Virenschleuder diffamiert worden. Dabei ist der Ursprüngliche Gedanke bei Bareback: „Warum soll ich als HIV-positiver nicht mit anderen positiven Sex haben können und auf ein Kondom dabei verzichten?! Es kann sich doch niemanden mehr mit HIV infizieren.“ Die Aussage ist soweit durchaus richtig und nachvollziehbar, wenn man andere STI außen vor lässt. Und die solange sexuellen Handlungen tatsächlich nur unter HIV-positiven oder tatsächlich HIV-negativen stattfinden. Ersteres kann man heute „problemlos“ schnell nachweisen, zweites ist bei einem Schnelltest immer fraglich.
Ist Bareback Safer Sex?
Seit nun mehr 6 Jahren, in den ersten 4 Jahren durch die Aids-Hilfe und andere Aids-Organisationen noch eher Kritisch gesehen, ist das sogenannte EKAF-Statement. Safer Sex ist demnach auch ohne Kondom möglich, wenn der HIV-positive Partner regelmäßig und erfolgreich Medikamente nimmt. Dieses Statement ist inzwischen durch einige Studien bewiesen. Ich habe bereits öfter darüber geschrieben und erspare mir hier die näheren Details. Hier ist bareback Sex auch bei serodiskonanten Paaren möglich ohne den anderen zu gefährden. Unter dieser Voraussetzung ist Bareback = Safer Sex.
Eine weitere Möglichkeit, die neu im kommen ist, auch ohne Kondom Safer Sex haben zu können ist die PrEP (Prä Expositions Prophylaxe). Das bedeutet ein HIV-negativer schützt sich vor einer möglichen Ansteckung indem er/sie selber ein HIV-Medikament einnimmt. Hierzu gibt es einige, noch laufenden Studien, die einen Erfolg durchaus belegen. In einer der Studien wurde ein Plazeboarm vorzeitig gestrichen, weil der behandelte Arm der Studie so erfolgreich eine Neuinfektion verhindert hat, dass es ethnisch nicht vertretbar war weiterhin einen Plazeboarm zu untersuchen.
Ich will hier niemanden mit Zahlen und Statistiken langweilen nur so viel will ich schreiben dass der behandelte Arm in den Studien ein 80-90% geringeres Risiko sich an HIV zu infizieren hat wie ohne Medikament. Voraussetzung dafür ist aber eine regelmäßige Einnahme eines HIV-Medikamentes, je regelmäßiger die Einnahme, desto höher der Schutz. Eine nur sporadische Einnahme bietet jedoch keinen Schutz sondern allenfalls eine falsche Sicherheit. Die IPREX Studie zeigt, das ein guter Schutz gegeben ist wenn mindestens 4 Tabletten in der Woche genommen werden (bei 4 Tabletten 80%). Besser wird der Schutz wenn täglich eine Tablette eingenommen wird (bei 7 Tabletten 90%). Eine andere Variante ist für Menschen interessant die nur gelegentlich auf eine Sex Party gehen. Die IPERGAY Studie zeigt diese Möglichkeit mindestens 2 Stunden vor einer Sex Party 2 Tabuletten und dann 2x 1 Tablette jeweils nach 24 und 48 Stunden. Auch hier sinkt das Risiko deutlich.
Der Vorteil der IPERGAY Methode ist man braucht nur Tabletten nehmen wenn es nötig ist, spart damit eine Belastung durch Nebenwirkungen und kann die Kosten erheblich senken. Dass ich die PrEP in der Vergangenheit durchaus auch kritisch betrachte hat sich nicht geändert dennoch darf man sich der Option nicht verschließen. Man muss diese auch in HIV/Aids Gruppierungen/Organisationen auf dauer akzeptieren. Die Aids-Organisationen tun sich keinen Gefallen, wenn sie ähnlich wie bei EKAF diese Präventionsmöglichkeit erst einige Jahre verleugnen oder gar verteufeln. Auch unter diesen Voraussetzungen ist Sex ohne Gummi Safe Sex!
Keine generelle Freigabe auf Sex ohne Kondom
Bareback ist also unter bestimmten Voraussetzungen sicher. Das ist keine Aufforderung künftig gänzlich auf ein Kondom zu verzichten. Wenn man ungeplant, spontan mit einem Unbekannten Sex hat ist das Kondom nach wie vor der bessere Schutz. Wer jedoch in einer festen Beziehung lebt, öfter mal auf eine Sex Party geht oder Sexarbeiter_in ist findet so Möglichkeiten sich auch ohne Gummi vor HIV zu schützen.
Das deutsche Recht sagt als HIV-positiver muss ich einen Sexpartner entweder vor dem Sex über meinen Status informieren oder aber Safer Sex machen. Die Grenzen was ist Safer Sex werden durch EKAF deutlich erweitert, durch PrEP eher schwammig. Wenn man mit einem potentiellen Partner_in vor dem Sex nicht über HIV redet kann man nicht wissen ist er HIV-positiv, ist er unter EKAF, nimmt er/sie eine PrEP, ist er/sie HIV-negativ?
Safer Sex sollte, so der Grundgedanke vor 30 Jahren, einfach handhabbar sein. Die neuen Methoden machen ein persönliches Safer Sex Regime oder Risikomanagement deutlich einfacher.
– bei spontanem Sex mit einem anderen nehme ich ein Gummi (HIV-negativ, HIV-neutral, HIV-positiv)
– als positiver bin ich ständig unter der Nachweisgrenze (EKAF)
– als negativer nehme ich bei regelmäßig oder zu bestimmten Anlässen entsprechend eine PrEP
– als negativer nimmt in einer serodiskonanten Beziehung der Partner regelmäßig seine Medikamente und ist ständig unter der Nachweisgrenze (EKAF)
– als positiver habe ich nur Sex mit anderen positiven
Alles dies ist Safer Sex.
Warum habe ich Sex unter negativen ohne Gummi oben weggelassen? Ein HIV-negativ Test ist so aussagefähig wie ein zwei Monate alter negativer Schwangerschaftstest. Also nicht unbedingt verlässlich. Ausgenommen als festes monogam lebendes Paar hat man nach Ablauf der Frist von 12 Wochen nach dem letzten Sex der außerhalb der Beziehung war einen negativen HIV Test. Natürlich bei beiden Partnern. Dann ist auch hier kondomloser Sex Safer Sex.
Fazit:
Unter bestimmten Voraussetzungen ist Sex ohne Gummi auch Safer Sex. Das muss so akzeptiert und Kommuniziert werden. Es geht nicht nur darum Safer Sex einfacher zu machen, es geht auch darum neue Methoden als Safer Sex zu akzeptieren um unnötige Gerichtsverfahren zu verhindern. Wer heute in Gerichten Safer Sex noch immer einig auf das Kondom beschränkt lebt in einer längst vergangenen Welt. HIV-positive wollen nicht bedingungslos ohne Gummi durch die Gegend ficken, sie wollen sicher sein vor ungerechten Klagen, vor ungerechten Urteilen.
Anmerkung:
Ich spreche hier ausdrücklich von einvernehmlichem Sex zwischen erwachsenen Menschen.
Vergewaltigung und Zwang oder Sex mit Minderjährigen sind nicht einvernehmlich. Kommt es dabei zu einer HIV-Übertragung kann das nicht straffrei bleiben zudem sind Vergewaltigung, Zwang und Sex mit Minderjährigen für sich genommen bereits eine Straftat.

Veröffentlicht unter HIV ; Safer Sex ; Bareback ; EKAF ; PrEP ; Kriminalisierung | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentar hinterlassen