Neue Laborwerte

Ich war heute bei meinem HIV-Arzt und habe mit ihm die neuen Laborwerte besprochen.

Die Werte sind echt nicht so gut aber dramatisch ist doch anders. Ich will die mal erklären, in Klammern schreibe ich mal die Werte wie sie sein sollten.

Die Virenlast (0/ml Blut) ist von 65.000/ml auf 89.000/ml gestiegen, das ist noch nicht ganz so schlimm, weil die richtig schweren Fälle haben da Millionen stehen, aber die Behandlungsrichtlinien sagen wenn die VL über 100.000/ml steigt sollte man mit einer Therapie beginnen.
Die Helferzellen CD4 (800-1.500/μl Blut) sind von 355/μl auf 212/μl gesunken, das ist schon ganz schön heftig, vor allem so viel. Eine Therapie ist bereits bei unter 350 CD4 angesagt. Das Gute an den Werten war das Verhältnis CD4 zu den restlichen Lymphozyten (31-69%) dies beträgt seit beginn der Behandlung konstant um die 20% und das ist noch nicht so schlecht. Nur unter 20% sollte er auch nicht sinken.
Es gibt je nach Ansicht noch zwei Werte die zu betrachten sind oder auch nicht, da streiten sich die Ärzte. Das eine ist der CD8 (190-1140/μl Absolut und 13-41% relativ). Die CD8-Zellen zerstören infizierte Zellen und damit auch HIV-Infizierte CD4-Zellen. Er liegt derzeit bei 766/μl, könnte man sagen im Normalbereich aber Relativ bei 62% das ist etwas hoch.
Dann kommt noch die CD4/CD8 Ratio (0,6-2,8) bei fortschreitender HIV-Infektion sinkt dieser Wert. Meiner liegt derzeit bei 0,31 was auch nicht gut ist. Das bedeutet, dass die CD8 Zellen fleißig dabei sind kranke CD4-Zellen zu vernichten und damit werden die CD4 sicherlich nach weiter sinken.

Mein Arzt will jetzt noch mal 6 Wochen warten um dann die Blutwerte noch mal zu sehen. Das bedeutet aber für mich auf jeden Fall, das ich in kürze mit Tabletten anfangen muss. Ziel einer Therapie ist, die Virenproduktion zu stoppen, dadurch sinkt die Virenlast und das Immunsystem kann sich, wenn auch langsam, wieder erholen.

Mein Arzt hat mir angeboten an einer Studie teil zu nehmen. Hier soll eine neue festen Medikamentenkombination mit einer alten Kombination verglichen werden. Das ist nötig, damit dieses Medikament für den Markt zugelassen wird. Es handelt sich um eine sogenannte randomisierte Phase III Studie und die vorherigen Ergebnisse waren sehr viel versprechend. randomisierte heißt, die Patienten werden zufällig in 2 Gruppen aufgeteilt die eine Gruppe erhält Medikament A, die andere Medikament B. Nach dem Ablauf einer gewissen Zeit werden die Ergebnisse verglichen. Ist das neue Medikament besser oder gleich gut, darf es auf den Markt.
Das hat Vor- und Nachteile. Der größte Nachteil ist, wenn das Medikament nicht so wirkt wie erhofft, dann stellt man sich als Patient evtl. schlechter da. Die Vorteile sind, Studienteilnehmer bekommen die Medikamente gestellt. Es entfallen also Zuzahlungen und auch die Krankenkasse ist fein raus. Als Patient ist man in einer Studie immer unter medizinischer Kontrolle, die von Instituten oder Industrie bezahlt wird. Und man wird quasi zum VIP-Patienten.

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Über Diego62

Ich bin HIV-positiv, male Bilder und arbeite im Einzelhandel. Mein Wohnort ist ein Dorf in Südhessen.
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