Outing oder was

Es ist doch viel schwerer mit seiner Familie über HIV zu reden als ich angenommen habe.
O.K. Ich war bei meiner Schwester bei Göttingen zu Besuch. Zunächst war ich voller Schwung und wollte über alles Reden. Es fehlte nur noch mein kleiner Bruder. Zu dem anderen habe ich eh keinen Kontakt (ein alte Zwist zwischen und beiden). Nur es kommt immer anders als man denkt.
Zumindest bei meiner Schwester. Da kommen soviel Leute spontan einfach nur mal so vorbei, da ist ein sehr privates Gespräch mit der Familie fast nicht möglich. Dann kam auch noch mein anderer Bruder und erzählte laut er habe eine Gürtelrose und solle sich von Säuglingen, Schwangeren und Immun-Geschädigten fern halten. Aber statt zu sagen „dann bleib mal fort ich habe HIV“ habe ich mich so weit es ging von meinem Bruder weg gesetzt. Es saßen aber auch einige aus dem Dorf in dem meine Schwester lebt im Garten. Ich lebe 250 km weit weg, aber ich muss ja meine Schwester nicht im Dorf-Trasch ins Gerede bringen.
So verging der Sonntag und der Montag und auch der Dienstag. Es wurde viel geredet über Gott und die Welt, aber irgendwie wollte ich auch nicht der Stimmungskiller sein und sagen ich hab da mal eine schlechte Nachricht…
Mittwoch Mittag habe ich mir dann meine Schwester mal so greifen können und ihr alles erzählt. Emotional war ich danach echt fertig. wir haben gemeinsam richtig geheult und uns ganz fest gehalten. Ich war dann auch nicht mehr in der Lage mit meiner Mutter darüber zu reden. Ich hoffe bei meinem nächsten Besuch auch diese Hürde zu schaffen.
Später bin ich dann nach Frankfurt zu dem Info-Abend von meinem Arzt. Doch dazu später mehr.

* Im alten Blog gab es ein paar Kommentare, die ich niemandem vorenthalten will:

01.07.10 @ 02:34 ·
Kommentar von: scottconners

ochh mennoo..so ein Mist alles….wüsste gar nicht (und ich hoffe da sich es nie muss)meine Familie solch eine Nachricht zu überbringen.

ich glaube ich würde schweigen…Grund: Meine Familie hat schon zu viel durchgemacht ..und um ihnen die Sorgen um mich zu ersparen würde ich schweigen.

01.07.10 @ 13:11 ·
Kommentar von: Diego62

Das ist was ich nicht will. Ich will mit meiner Infektion offen umgehen. Alle sagen immer HIV-Kranke werden stigmatisiert, aber ich sage wer seine Krankheit verschweigt stigmatisiert sich selbst.
Es lässt sich nichts erreichen, wenn alle immer nur ihre Krankheit verschweigen.
Wir hatten vor 30 Jahren die gleiche Diskussion in der schwulen Bewegung und jetzt ist es wieder Zeit offen auf zu treten. Es gab ja schon mal eine Bewegung der Aids-Kranken (ActUp) aber irgendwie sieht und hört man nichts mehr. Seit dem „neuen Aids“ ist diese Bewegung verschwunden. Ok, denen ging es um Behandlungsmöglichkeiten, die ja jetzt vorhanden ist. Mir geht es um Politik, um Anerkennung, um Enttabuisierung. HIV hat immer noch diesen schmuddel Charakter, weil Sexuell übertragbar. Aber zeig mir einen gesunden erwachsenen Menschen der keinen Sex hat (einige katholische Priester mal ausgenommen).

Gruß Diego

03.07.10 @ 00:08
Kommentar von: scottconners

das it hast du vollkommen Recht…widersreche ich dir überhaupt nicht..ich rede nur von mir und meiner Familie….da würde ich schweigen. Nicht um Angst zu haben ausgegrenzt zu werden sondern ich will nicht das meine Familie um mich sorgen macht.

Meine Familie hat eine schwere Zeit (Jahren ) hinter sich voller Sorgen…und letztes Jahr der zu frühren Tod meiner Mutter erstrecht.

Ich würde es meiner familie verschweigen das sich keine Sorgen machen müssen nicht um mich…outen würde ich mich auch in der Szene…gut..nicht am Anfang..das müsste ich erstmal verdauen aber irgendwann…

Ich hoffe nur das ich es nie erfahren muss.

Ich hoffe das du mich jetzt verstanden hast…deshlab hab ich vor Marcel sehr viel Respekt und meine Hochachtung..das so ein ju8nger Mann der poitiv ist soviel tut…soviel Kraft hat und sich outetund Aufklären will…meine Hochachtung vor Marcel

Kommentar von: Diego62ht vor der Familie, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Nur wenn sich entscheidet, so wie Marcel oder auch ich, öffentlich zu seinem HIV+ zu stehen, dann sollte man auch die Familie informieren, bevor jemand anderes die Familie auf diese Tatsache anspricht. Das wäre wirklich Sch…

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Über Diego62

Ich bin HIV-positiv, male Bilder und arbeite im Einzelhandel. Mein Wohnort ist ein Dorf in Südhessen.
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