Folgerungen zum Fall Benaissa

Nadja Benaissa steht ja nun seit gestern vor Gericht, weil sie als HIV-Positive ungeschützten Geschlechtsverkehr mit einem Mann gehabt hat. Sie hat das auch vor Gericht gestanden.
Er wirft Nadja Benaissa vor, ihn infiziert zu haben da sie ihre Infektion verschwiegen hat.
Frau Benaissa kann wohl mit einer Verurteilung in Darmstadt rechnen kann, erst vor wenigen Wochen wurde in Darmstadt in einem ähnlichen Fall eine 2,5 jährige Haftstrafe verhängt.
Der Prozess lässt einige Themen aktuell werden:
– Hat die Aufklärung über HIV, die Infektionswege und wie man sich schützen kann, so wenig gebracht das der Nebenkläger nicht wusste das man sich auf jeden Fall schützen muss wenn man eben kein HIV oder andere Geschlechtskrankheiten haben will? Sicher wird auf Grund akuter Geilheit oder Alkohol immer wieder das Kondom vergessen. Und das Trifft beide Seiten, der Mensch ist nun mal gewissen Trieben unterlegen. Deswegen kann man niemanden vorwerfen vorsätzlich gehandelt zu haben. Aber generell ist jeder, ob positiv getestet oder ungetestet moralisch verpflichtet sich und seinen Partner zu schützen.

– Eine HIV Übertragung gilt als unwahrscheinlich, wenn die Virenlast 6 Monate unter der Nachweisgrenze war und keine Geschlechtskrankheiten vorhanden sind (EKAF). Nadja Benaissa wurde vermutlich zu besagter Zeit schon Antiretroviral Behandelt. Ihre frühere Schwangerschaft lässt diesen Schluss zu. Und Frau Benaissa sagte aus, ihr sei gesagt worden sie sei nicht infektiös. Das alles lässt darauf schließen, dass die EKAF-Regel auf sie zutrifft.
Kann sich besagter Herr also auch anders wo infiziert haben? Ich glaube diese Frage muss er sich gefallen lassen. Der Beweis, dass er sich bei Frau Benaissa infiziert hat dürfte schwer fallen. Man kann zwar Virenstämme miteinander Genetisch vergleichen, aber bereits nach 4 Monaten haben sich so viele Mutationen gebildet das eine eindeutige Aussage nicht mehr möglich ist. Nach 6 Jahren ist es dann unmöglich.

– Jeder Schuldspruch in Sachen HIV, ist ein Schlag ins Gesicht derer, die sich z.T. seit Jahren in der Präventionsarbeit bemühen. Wenn jemand über Jahre andere infiziert, der über seinen HIV-Status nicht Bescheid weiß, geht dieser Straffrei aus. Wenn er aber über seine Infektion informiert ist, wird er verurteilt und beim Strafmaß kommt es sehr auf das Gericht an.
Sinn der Präventionsarbeit ist aber nicht nur den Menschen Kondome nahe zu bringen, sondern auch einen HIV-Test zu machen. Zum einen ist es so, dass jemand der von seiner Infektion weiß, eher seinen Partner schützt als ein gänzlich ungetesteter. Zum anderen ist die Weitergabe des Virus unter Therapie wesentlich unwahrscheinlicher (EKAF). Und noch eins, wenn man von seiner HIV-Infektion erst erfährt, wenn man schon im Vollbild Aids ist, sind die Erfolgsaussichten der Therapie deutlich schlechter.
Drei gute Gründe für einen Test. Nur der Rechtliche Aspekt schreckt sehr viele von einem Test ab. Da sind Urteile gegen HIV-Infizierte eine echte Präventionsbremse.
Dazu kommt die gesellschaftliche Stigmatisierung von HIV-Kranken. HIV ist immer noch mit moralischen Vorurteilen verbunden. Die meisten Positiven verschweigen ihren Status weil sie befürchten müssen Diskriminierung zu werden.

– Von HIV-Positiven wird geradezu verlangt ihre Infektion einem Sexualpartner offenzulegen. Eine doch sehr unpraktikable Lösung. Wie will man das im Streitfall unter Umständen nach Jahren beweisen. Man kann sich das natürlich beim schnellen Sex im Darkroom oder nachts im Park unterschreiben lassen ;-))
Aber wann sag ich es meinem Partner, das ich einem festen Partner informieren sollte ist klar. Beim ersten Date wohl weniger, man will einen potentiellen Partner ja nicht gleich verschrecken. Vor dem ersten Sex oder dem 2. Oder 3.? Einen wirklich passenden Zeitpunkt gibt es glaube ich nicht. Aber ich denke je früher desto besser. Wenn sich erst richtige Gefühle für einen Partner entwickelt haben und der andere hat Angst mit einem Positiven sexuell eine Beziehung einzugehen ist das für beide Seiten schwer.

Man lese auch diesen Kommentar:

http://starke-meinungen.de/blog/2010/08/17/no-angels/

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Über Diego62

Ich bin HIV-positiv, male Bilder und arbeite im Einzelhandel. Mein Wohnort ist ein Dorf in Südhessen.
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