Vor dem Urteil im Fall Benaissa

Nadja Benaissa erklärt ungeschützten Sex mit einem Mann gehabt zu haben, der sie beschuldigt ihn bewusst angesteckt zu haben. Ein Gutachter stellt fest, dass beide mit dem gleichen sehr seltenen Virustyp infiziert sind und schließt daraus, dass Nadja besagten Mann infiziert hat. Der Staatsanwalt fordert 2 Jahre auf Bewährung. Das Urteil soll am Donnerstag fallen.
Nadja Benaissa hat diesen Mann wahrscheinlich angesteckt. Die Wahrscheinlichkeit ist bei diesem speziellen Virustyp sehr hoch. Doch trifft sie wirklich die alleinige Schuld? Ist nicht jeder der wie der Nebenkläger, zunächst selber für seinen Schutz verantwortlich. Er hätte sich auch infiziert wäre Nadja Benaissa nicht auf HIV getestet worden. Wen trifft dann die Schuld? Wird Nadja auch verantwortlich gemacht, wenn besagter Herr unbewusst weitere Frauen infiziert hätte?
Jemand der so unverantwortlich durch die Gegend vögelt gefährdet generell nicht nur sich sondern auch andere. Ist nicht gerade beim Sex jeder erst mal für sich selbst verantwortlich? Wie viele Männer verzichten, weil ja viel gefühlsechter, auf ein Kondom und überlassen die Verhütung auch bei einem one night stand die Verhütung allein der Frau. Jedes Mal laufen sie Gefahr sich selber oder unbewusst andere zu infizieren. Es gibt Heere von Männern, die einer Prostituierten mehr bezahlen um auf einen Präser zu verzichten. Und etwas später treiben sie es mit ihrer Frau ebenso ungeschützt im Ehebett. Trifft solche Menschen auch wenn nicht getestet nicht die gleiche Schuld an der Verbreitung des HI-Virus? Moralisch ganz sicher nur vor dem Gericht ganz sicher nicht.
Egal wie hoch eine Strafe für eine HIV-Positiven ausfällt, weil durch ihn/sie eine andere Person, wenn auch ungewollt, infiziert wurde ist aus moralischer Sicht ungerecht. Jemand (ungetestet) der regelmäßig im Bett eines anderen Partners liegt und ungeschützten Sex hat trifft die gleiche Schuld. Er/sie muss demnach genauso bestraft werden, weil er/sie es billigend in Kauf nahm sich und andere zu gefährden. Nein, er/sie hat vielleicht sogar eine größere Schuld, da die Virenlast je nach infektions Phase unterschiedlich hoch sein kein. Gerade in der akuten Phase der Infektion kann die Virenlast ein paar Millionen Viren/ml Blut sein, bei einem unter Therapie stehenden positiven jedoch weniger als 20 Viren/ml. Es gilt, je höher die Virenlast desto höher ist auch das Risiko andere zu infizieren.
Die Mehrheit der HIV-Positiven hat Angst, dass ihre Infektion bekannt wird. Der Grund ist ganz einfach, sie fürchten sich vor gesellschaftlicher Ächtung. Diese Angst ist leider noch immer nicht unbegründet. Ich habe erst heute mit einem Geschäftspartner über meine Infektion gesprochen, darauf sagte er mir er hätte Epilepsie. Auch eine Krankheit, die heute gut behandelbar ist. Wenn ich aber bedenke wie viele Witze über die Betroffenen gemacht werden, ist auch das eine Krankheit die man lieber verschweigt. Ist es also verwunderlich, wenn ein HIV-Positiver nicht über seine Krankheit reden will. Man stelle sich vor einen Spiegel und frage sich: „Was würde ich machen, wenn ich positiv wäre“.

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Über Diego62

Ich bin HIV-positiv, male Bilder und arbeite im Einzelhandel. Mein Wohnort ist ein Dorf in Südhessen.
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