Positive Begegnungen leider ohne mich

Zuerst sollte dieser Beitrag nur ein Kommentar werden, aber meine Gedanken wurden dann immer komplexer, so dass ich den Rahmen eines Kommentars bei weitem gesprengt hätte. Jetzt ist es ein eigener Eintrag:

Schade das ich nicht dabei war. Als Marcel Anfang des Jahres den Termin die die Positiven Begegnungen mitgeteilt hast, war ich ganz einfach noch nicht soweit, mich für diese Veranstaltung anzumelden. Ich hatte einfach zu viele Bilder aus alten Zeiten im Gedächtnis. Bilder von Aids-Kranken, die über ihre Krankheiten und Helferzellen redeten und über Sinn oder Unsinn über eine frühen Therapie mit AZT diskutierten. Bilder vom „alten Aids“, der alten Generation, dem alten Sterben an Aids.
Ich wollte solche Gespräche nicht, nicht für mich, nicht zu dem Zeitpunkt. Ich weiß heute, da es nicht mehr „so“ ist. Heute ist es anders „so“, heute spricht man über Medis, über Nebenwirkungen und Helferzellen – die sind geblieben – und natürlich über die Virenlast. Aber man spricht nicht nur über diese Themen.
Ich war jetzt auf zwei Forentreffen von dem Betroffenen-Forum in dem ich mich seit März aktiv Beteilige. Bei diesen Treffen habe ich erlebt, das es auch ein Leben außerhalb von HIV gibt. Dennoch sträubt sich bei mir etwas zu einem Positiven-Café oder – Stammtisch zu gehen. Dass das völlig irreal ist, ist mir bewusst.
Auch heute sterben, trotz Medikementen, noch viel zu viele Menschen an Aids. Das ist eine traurige Tatsache.
Noch immer kommen mir die Tränen wenn ich beim Frankfurter CSD in der Gedenkminute die vielen schwarzen Luftballone steigen sehen oder beim Welt-Aids-Tag in Frankfurt die Namen der Verstorbenen des jeweiligen Jahres höre. Doch auch heute sterben noch immer zu viele an Aids.
Marcel hat einen sehr schönen Bericht geschrieben. „Jede Generation hat anders HIV“. Auch wenn die Unterschiede eher gering sind. Ich weiß nicht, wann ich mich infiziert habe, aber ich glaube sicher nicht vor 1996. Damit gehöre ich als Positiver der „neuen Generation“ an. Aber ich zähle mich genauso zur alten Generation weil ich das alles miterlebt habe. Weil ich in der Zeit vor 1996 viele Freunde durch Aids verloren habe, weil ich mich seit Anfang der 80er schon mit dem Thema beschäftigt habe, mich beschäftigen musste.
Auch wenn ich in den 80ern und 90er Jahren noch HIV-negativ war, so habe ich doch immer mit HIV gelebt. Ich war umgeben von HIV-positiven und Aids-Kranken. Wie viele der heute 40-50 Jährigen habe ich HIV und Aids erlebt. Und ich hatte das große Glück diese Zeit auch überlebt zu haben.
Bei den nächsten „Positiven Begegnungen“ wäre ich gerne dabei. Anfangen werde ich demnächst erst einmal bei einem Positiven-Café in der Stadt, in der ich arbeite. Die Aids-Hilfe ist nur ca 150 m von meinem Arbeitsplatz entfernt, da sollte es doch nicht schwer sein mal hin zu gehen, auch wenn die Zeiten nicht so ganz in mein Arbeitsleben passen. 14-16:00 ist in einem normalen Arbeitsleben doch etwas schwer ein zu passen.

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Über Diego62

Ich bin HIV-positiv, male Bilder und arbeite im Einzelhandel. Mein Wohnort ist ein Dorf in Südhessen.
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