Sinneswandel beim Papst?

Die erste Nachricht die ich heute morgen wahrgenommen habe war
„Papst: Kondom in manchen Fällen gerechtfertigt“
Hopla was ist da passiert? Ein solcher Sinneswandel. Mit allem hätte ich ja gerechnet aber nicht damit
Die FAZ schreibt:

Papst Benedikt XVI. rückt offensichtlich von einer völligen Ablehnung von Kondomen als Verhütungsmittel ab. In einigen einzelnen Fällen könnten Präservative gerechtfertigt sein. Das geht aus einem am Dienstag erscheinenden Gesprächsbuch hervor.

Der nächste Schlag traf mich als ich hörte für wen der Einsatz von Kondomen erlaubt sein soll:
Zum Beispiel „männliche Prostituierte die die Ausbreitung von Aids eindämmen wollen“. Das ist ein Schritt zur Erkenntnis von Realitäten, der lange überfällig war. Mir ist nur schleierhaft, warum er ausgerechnet männliche Prostituierte erwähnt. Zur Familienplanung haben Kondome damit aber noch lange keinen vatikanischen Segen.
FAZ:

Die Verwendung von Kondomen sei natürlich keine wirklich und moralische Lösung, sagte der Papst. Doch ihr Gebrauch durch Prostituierte sei „ein erster Schritt zu einer Moralisierung“ und könne helfen ein Bewusstsein zu entwickeln, „dass nicht alles gestattet ist und man nicht alles tun kann, was man will.“ Auch an anderen Stellen im Buch betont Benedikt die bisherige ablehnende Haltung der Kirche zu Verhütung und Abtreibung. So stellte er die Frage, wie viele Kinder getötet worden seien, die eines Tages vielleicht Genies geworden wären oder ein neuer Mozart. Der einzig sicher Weg, eine HIV-Infektion zu vermeiden, seien Abstinenz und eheliche Treue.

Moralisch ist der Kondomgebrauch und damit die menschliche Sexualität, die bekannter maßen nicht nur zur Vermehrung da ist, noch immer mit einem Makel kirchlichen Makel belegt. Der Papst hat nur begriffen, dass sich mit Kondom die Übertragung von HIV beschränken lässt. Ein kleiner Schritt für die Menschheit, ein großer Schritt für den Klerus.
Die FAZ schreibt weiter: „Ein aufgeklärter Papst“ das will ich mal mit Fragezeichen versehen, er hat nur endlich nach fast 2000 Jahren Kirchengeschichte die Realitäten erkannt.
Die Zeit schreibt:

Noch bei seiner Afrikareise im März vergangenen Jahres hatte Benedikt die Verhütungsmethode verurteilt. „Man kann das Aids-Problem nicht durch die Verteilung von Kondomen regeln. Ihre Benutzung verschlimmert vielmehr das Problem“, sagte Benedikt damals und erntete dafür weltweit Kritik. Sein Vorgänger Johannes Paul II. hatte 1993 bei einer Afrika-Reise gesagt, die eheliche Treue sei das einzige Mittel, um „die tragische Wunde“ Aids zu heilen.

Woher also dieser Wandel? Wollte Papst Benedikt damit Zeitgemäß sein? Die Welt-Online sagt dazu:

Die bedingte Lockerung dieses Verbots durch Benedikt XVI. geschah deshalb nicht aus dem vordergründigen Motiv, „zeitgemäß“ sein zu wollen. Zeitgemäßheit ist bei kirchlichen Fragen, die einen fundamentalen moralischen Kern haben, im Vatikan zu Recht keine Kategorie erster Ordnung. Es ist willkommen, wenn ein Doktrinenwandel auch das Gespräch mit den Gläubigen und Zweiflern erleichtert.
Doch der Wandel ist aus einem anderen, für den Vatikan sehr schmerzlichen Grund erfolgt. Er lag für den Klerus, die Laien, die Helfer und überhaupt alle Menschen offen zutage: Die Aids-Epidemie besonders in Afrika kann zwar mit Kondomen nicht beendet werden, aber ohne Kondome bleiben viele andere Maßnahmen wirkungslos.

Bei Tageschau.de heißt es

Sich auf Kondome zu konzentrieren, heißt die Sexualität zu banalisieren, hat Benedikt XVI. in seinem Interview gesagt. Und er hat sicher auch damit recht, dass Kondome kein Allheilmittel im Kampf gegen Aids in Afrika sind, sondern dass es zusätzlich weitergehender Bemühungen bedarf. Dass man Menschen aufklärt, berät, ihnen hilft – vor und nach einer Erkrankung. Aber: Information und körperlicher Schutz gehören eben dazu. Aids ist auch durch Beten nicht heilbar.

Kondome sind kein Allheilmittel gegen Aids bzw. HIV in Afrika, nein gewiss nicht. Sie bieten nur einen doch sehr hohen Schutz aber auch ein Kondom kann mal reißen oder wird im Eifer des Gefechts einfach vergessen. Der Vatikan jedoch den Kondomgebrauch immer als Teufelswerk verdammt. Jahrzehnte hat der Vatikan gegen den Kondomgebrauch auch als Mittel gegen die HIV Verbreitung gewettert und so ist es in streng gläubigen Regionen kein Wunder dass sich HIV immer weiter ausgebreitet hat. Bleibt zu hoffen, dass sich das jetzt etwas ändert. Dass auch gerade in den afrikanischen Ländern, in denen HIV besonders verbreitet ist diese Aussage zum Schutz der Menschen Beachtung findet.
Homosexualität indes, besonders auch in der Priesterschaft, lehnt er natürlich weiterhin ab. Also doch nicht mit aufgeklärten Papst. Auch hier gibt es Jahrhunderte alte Realitäten, erwählen doch damals wie auch heute viele Schwule das Priesteramt, um nicht erklären zu müssen warum sie Sexuell nichts mit Frauen anfangen können und nicht „Heiraten“ wollen. Mit Blick auf die letzten Jahrhunderte kann ich das noch nachvollziehen, war Schwul sein doch eine Todsünde und wurde entsprechend geahndet. Was übrigens in einige Regionen der Fall ist (Saudi Arabien, Iran etc.). Könnte ich das für die vergangenen Jahrhunderte in Europa nachvollziehen, fehlt mir heute für solche Entscheidungen zumindest in der westlichen Welt einfach das Verständnis.
Ich finde es nur immer wieder erhebend, wie ein alter Mann, der allein schon von Berufswegen das Spiel der Sexualität gesperrt ist, sich genau zu diesem Thema zu Wort meldet. Das ist als wenn ein Schreiner zu Ackerbau und Viehzucht Ratschläge erteilen will. Bekommen doch die Herrn Geistlichen ihr eigenes auferlegtes Zölibat nicht wirklich in Griff – warum sonst gibt es in regelmäßigen Abständen die Diskussion das Zölibat auf zu heben – maßen sie sich an über das Sexualleben des Restes der Menschheit Urteil ablegen zu müssen. Einfach lächerlich.
Fazit: Ich finde es gut, dass dieser Papst auch gegen den Rest des erzkonservativen Flügels der Geistlichen nun endlich ein striktes Kondomverbot in Frage stellt. Trotz allem lebt der gesamte vatikanische Gottesstaat völlig an den Realitäten vorbei. Es ist aus Sicht der HIV/Aids Bekämpfung wirklich Sinnvoll das Kondomverbot für Christen auf zu heben. Ein weiterbestehen des Kondomverbotes zur Familienplanung, insbesondere in den ärmeren Ländern, aufrecht zu erhalten dagegen ist völliger Nonsens.
FAZ:

Die Aussagen des Papstes sind Bestandteil des neuen Interview-Buchs des deutschen Journalisten Peter Seewald. Das Werk wird am Dienstag kommender Woche unter dem Titel „Licht der Welt: Der Papst, die Kirche und die Zeichen der Zeit“ erscheinen.

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Über Diego62

Ich bin HIV-positiv, male Bilder und arbeite im Einzelhandel. Mein Wohnort ist ein Dorf in Südhessen.
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