Wie die EU die Aids-Bekämpfung in Afrika gefährdet.

Was hat die EU mit Aids in Afrika zu tun?
In Indien werden indes preiswerte Generika zur Aids-Bekämpfung produziert. Dies ist möglich weil anders als in Europa das Indische-Patentrecht dies zulässt. In Europa erhält ein Pharmahersteller ein neues Patent, wenn er an seinem Medikament eine kleine Verfahrensänderung oder eine geringfügig andere Formulierung macht, auch wenn der eigentliche Wirkstoff der gleiche bleibt. Die nutzt die Industrie seit Jahren um immer wieder ihre Patente auf eigentlich alte Wirkstoffe zu verlängern.

In Indien sind solche Änderungen dagegen Patentrechtlich nicht relevant. Daher dürfen die Generikahersteller in Indien bisher ganz legal preiswerte Generika gegen HIV herstellen.
Jetzt kommt die EU ins Spiel und mit ihr die Pharmalobby. Die EU und Indien wollen ein Freihandelsabkommen treffen und endlich wittert die Pharmaindustrie eine Möglichkeit das Indische-Patentrecht ihren Wünschen anpassen zu können. Wenn schon ein Freihandelsabkommen, dann nur zu den Bedingungen der Pharmaindustrie. Es ist unwahrscheinlich das sich die armen Länder wie die Afrikanischen Staaten und Indien die teuren Originalmedikamente jemals wirklich leisten können, betragen die Kosten für ein Jahr/Patient mit Generika ca. 150 US$ und mit den Originalpräparaten 10.000 US$. In diesen Regionen sind selbst Generika noch sehr teuer. Selbst wenn die Pharmariesen nur eine Lizenzgebühr von den Generikaherstellern in Indien bekommen verteuern sich die Medikamente so das sie für diese Menschen nicht zu bezahlen sind. Nach Europa dürfen diese Generika nicht eingeführt werden.

Was hat die Pharmaindustrie dann verdient, wenn sich ihre überteuerten Medikamente in Afrika und Indien niemand leisten kann und wo die moralische Verpflichtung?
Millionen Menschen werden allein in Südafrika qualvoll an Aids versterben wenn eine Versorgung mit günstigen Medikamenten nicht mehr gesichert ist. Das interessiert die Herren Manager der Pharmaindustrie und ihre Aktionäre scheinbar nicht. Mehr Gewinn an HIV-Medikamenten werden sie nicht machen können. Und Moral gibt es in den Etagen nicht, in denen es nur noch um den Profit einiger weniger geht. Brecht sagte „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral!“

Als HIV-Patient bin ich auf die Medikamente dieser Industrie leider angewiesen. Eine Alternative gibt es derzeit nicht. Was kann die Politik tun um diesen Irrsinn zu unterbinden?
Anstatt Indien zu drängen im Rahmen der Freihandelsabkommen ihre Patentrechte zu Gunsten der Pharmaindustrie zu verändern sollte die Politik darauf verzichten. Aber wie habe ich gelernt, niemand tut etwas ohne eigen Nutzen dabei zu haben. Herr Rösler, Herr Brüderle und Frau Leutheusser-Schnarrenberger indes vertreten hier die Interessen der Industrie um deren Forderung in Brüssel durchzusetzen. Von Seiten unserer Politiker ist daher keine Hilfe für die HIV-Patienten in Afrika und Indien zu erwarten. Und Herr Niebel hat nun auch kein wirkliches Interesse an der internationalen Aids-Bekämpfung gezeigt. Hat er doch erst kürzlich die Zahlungen in den Internationalen Font eingefroren, weil es in einigen wenigen Empfängerstaaten Korruption gibt. Über das korrupte Verhalten der Politik hier zu Lande schweigt er lieber. Oder wie soll ich es bewerten, dass diese Politiker die Interessen der Industrie derart hartnäckig vertreten.

Man kann die durch diese Politik zu erwartenden Aids-Toten in Höhe einiger 10 Millionen ja als willkommene Kollateralschäden bezeichnen. Einen Vorteil muss es für die Wirtschaft wohl haben wenn man in Kauf nimmt dass 25% der Afrikanischen Bevölkerung in den nächsten Jahren an Aids verstirbt. Anders ist ein solches Vorgehen aus meiner Sicht nicht zu beurteilen.
Ich musste unterschreiben, dass ich keine Geschenke der Industrie annehme um jeglichen Verdacht auf Bestechlichkeit auszuschließen. Dies vermisse ich indes bei der Politik. Leben die Parteien doch von Spenden und die Partei der genannten Personen ganz besonders von den Spenden der Wirtschaftsverbände.

„Ärzte ohne Grenzen“ indes versucht in Brüssel diese Klausel im Freihandelsabkommen zu stoppen. Sind es doch Ärzte ohne Grenzen die sich um die Weltweite Bekämpfung von Aids bemühen und mit einem eh schon dürftigen Budget auskommen müssen. So unterläuft die EU die Interessen der Welt-Gesundheits-Organisation WHO, indem sie durch die Hintertür ausschließlich die Interessen der Industrie durchsetzten will. Das durch solche Politik auch der Weltfrieden gefährdet werden kann, ist diesen Herren und Damen wohl noch nicht ganz klar.

Wirklich wichtig ist nur der Profit einiger weniger und nicht das Wohlergehen einer ganzen Weltregion.

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Über Diego62

Ich bin HIV-positiv, male Bilder und arbeite im Einzelhandel. Mein Wohnort ist ein Dorf in Südhessen.
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