Offenerbrief an Herrn Minister Rösler.

Was es soll, entgegen aller Internationaler Gepflogenheiten einen Nationalen Aids-Beirat ohne HIV-Positive zu berufen ist mir unbegreiflich. Wie es scheint haben sie kein Interesse an einer Zusammenarbeit mit direkt Betroffenen. Wenn der eine oder andere Vertreter der Organisationen mehr zufällig HIV+ ist, reicht das indes nicht aus um die Gruppe der HIV-Positiven ordentlich zu vertreten. Weder Wissenschaftler noch DAIG oder Aids-Hilfen sind geeignete Vertreter für HIV-Positive. Sind diese doch zunächst die Interessen ihre Organisation und nicht die Interessen der Positiven an sich da. Dafür, Herr Rösler, bedarf es einer echten Patientenvertretung in diesem Gremium, die uns nach Internationalen Verträgen – die einer ihrer Vorgänger, Herr Seehofer, unterzeichnet hat – zusteht. Dies zu untergraben ist ihre Art des Umgans mit den Betroffenen. Ist es doch sehr unangenehm für sie sich direkt mit den Bedürfnissen HIV-Positiver auseinandersetzen zu müssen. Um die Sorgen und Nöte der Betroffenen soll es in diesem Gremium genauso gehen wie um Wissenschaftlich Rat und um die Zusammenarbeit mit präventionsorientierten Gruppen.

So, Herr Rösler, zeigen sie einmal wieder ihre Ignoranz den Betroffenen gegenüber. Ich erwarte, wie viele andere Positive auch eine eindeutige Nachbesserung an der Zusammensetzung dieses Gremiums. Ich erhebe Anspruch in meinen Bedürfnissen und Sorgen von Seiten der Politik ernst genommen zu werden, dies vermisse ich jedoch bei ihrer Auswahl für den Aids-Beirat. Und genau da liegt ihr Problem Herr Rösler, sie haben kein Gespür für die wirklichen Bedürfnisse der Menschen die zum Teil ihre Regierung mit gewählt haben. Sie leiden unter Realitätsverlust.

Ihre Bisherige Politik lässt mich leider nicht glauben, das außer den Belangen ihres Standes, irgendetwas ihr wirkliches Interesse zu wecken vermag. Ihre Gesundheitsreform, die ausschließlich die Gesetzlich Krankenversicherten belastet spricht indes für ihre Einstellung. Da können sie daran rumdeuteln wie sie wollen, in den Ohren der Versicherten klingen ihre Worte wie Hohn.

Ja sie hatten einen schönen Auftritt zum Welt-Aids-Tag 2010. Es ist ein leichtes zu fordern offen über seine HIV-Infektion zu redenund diese Plakativ öffentlich zu machen, wenn man selber nicht betroffen ist. Viele der Betroffenen erleben täglich anderes als die Musterbeispiele in ihrer Kampagne. Noch immer werden viele Positive von ihren Arbeitgebern, Kollegen ja sogar von medizinischem Personal diskriminiert und abgelehnt. Selbst Ärzte die besser informiert sein sollten weisen die Behandlung offen lebender Positiver des öfteren ab. Beispiele gibt es leider immer wieder genügend.
Und sie Herr Rösler verweigern uns die uns nach internationalem Recht zustehende HIV/Aids Patientenvertretung im Nationalen-Aids-Beirat. Damit schlagen sie in die gleiche Bresche wie jene die HIV-Positive offen diskriminieren.

Mit dennoch freundlichen Grüßen…

KOMMENTARE:

Kommentar von: Christian Giebel 

die AIDS-Hilfen : „Sind diese doch zunächst die Interessen ihre Organisation und nicht die Interessen der Positiven an sich da.“ dieser aussage möchte ich doch an dieser stelle entschieden widersprechen.

Kommentar von: Diego62

Ich will nicht die Arbeit der Aids-Hilfen herunter reden. Ich will nur feststellen, das in einem Nationalen Aids Beirat jemand als Vertreter der Aids-Hilfe sitzt zunächst die Belange der AH vertreten muss, danach erst seine Interessen als Positiver. Das ist generell etwas anderes als wenn jemand im Beirat sitzt weil er HIV+ ist. Hier besteht im Zweifelsfall ein Interessenkonflikt.

Kommentar von: GabyHallo Diego,

ich würde gerne einen Kommentar auf Deinen Offenen Brief in Deinem Blog setzen, aber leider wird das nicht angenommen, weil irgendein Catpcha Code nicht leer sein darf. Ich kann damit leider nichts anfangen. Ich würde mich freuen, wenn Du den Kommentar für mich einsetzen würdest. Herzlichen Dank und ein schönes Wochenende. Gaby

Als Name dann bitte meinen Vornamen einsetzen: Gaby

Kommentar:
Ich habe mich jetzt lange zurückgehalten in dieser web-öffentlichen Diskussion und lediglich mit einzelnen Personen Kontakt gehabt. Ich finde es enorm traurig und verletzend und in der Zwischenzeit macht es mich wütend, wie ignorant, stigmatisierend und diskriminierend die Diskussion gegenüber den HIV-positiven Beiratsmitgliedern verläuft.

Zitat: „Was es soll, entgegen aller Internationaler Gepflogenheiten einen Nationalen Aids-Beirat ohne HIV-Positive zu berufen ist mir unbegreiflich.“
Es sind HIV-Positive im Nationalen AIDS-Beirat. Ich wäre tatsächlich froh, wenn ich es nicht wäre, aber dann säße ich auch nicht in diesem Gremium.

Zitat: „Wenn der eine oder andere Vertreter der Organisationen mehr zufällig HIV+ ist, reicht das indes nicht aus um die Gruppe der HIV-Positiven ordentlich zu vertreten.“
Ich bin nicht mehr zufällig HIV+. Ich bin HIV+. Und ich bin auf Grund dieser Tatsache haupt- und ehrenamtlich in der Aids-(Hilfe-)Arbeit tätig. Sowohl im Haupt- wie auch im Ehrenamt geht es mir darum, die Lebensumstände von Menschen mit HIV/Aids zu verbessern, Diskriminierung zu benennen und Maßnahmen dagegen zu finden. Dafür arbeite, streite und kämpfe ich. Dass ich im Hauptamt auch noch einen Teil meines Lebensunterhaltes damit verdiene, erfreut mich sehr, da ich lange genug ungewollt in EU-Rente war.
Bei der Anfrage des BMG spielte meine Geschäftsführungsposition in der AH Ba-Wü, wenn überhaupt, eine untergeordnete Rolle. Es ging um meine Erfahrung mit dem Virus und meine Vernetzung. Selbstverständlich kann ich, und das kann auch kein/e andere/r HIV-Positive/r, nicht alle Interessen von Gruppen und Individuen mit HIV in den Beirat einbringen.

Zitat: „Weder Wissenschaftler noch DAIG oder Aids-Hilfen sind geeignete Vertreter für HIV-Positive.“
Ich bin keine Aids-Hilfe! Und ich bin als Person in dieses Gremium berufen worden, nicht als Vertreterin der AH Ba-Wü. Ich bin ein Mensch, der seit 26 Jahren weiß, dass er HIV-positiv ist. Und in diesen 26 Jahren habe ich sehr viele Erfahrungen gemacht, mit der Gesellschaft, dem Medizinsystem, bei Arbeitgebern, auf Ämtern etc. Und die Missstände/Diskriminierung/Stigmatisierung/Ausgrenzung/Schlechterstellung und Missstände, die ich und andere HIV+ erfahren haben, gilt es für mich aufzuzeigen und dagegen anzugehen.
Ich kann die Forderung nach einer stärkeren Beteiligung von HIV-Positiven verstehen und unterstütze dies auch. Somit wäre eine breitere Interessen-Vertretung möglich. Was ich nicht so ganz verstehen kann, ist dass dieser Protest/Forderung erst jetzt kommt. GIPA wurde 1994 von unserer Regierung unterschrieben und da gab es den NAB auch schon, übrigens mit weniger HIV+ Beteiligung.

Zitat: „Noch immer werden viele Positive von ihren Arbeitgebern, Kollegen ja sogar von medizinischem Personal diskriminiert und abgelehnt“.
… und nun sogar auch von HIV-Positiven. Ich würde mich freuen, wenn in der weiteren Diskussion ein wenig mehr Sensibilität herrschen würde und die sonst geforderte Solidarität auch uns zukommt. Ich finde es nicht schön, wenn ich jetzt auch noch von HIV-Positiven stigmatisiert und diskriminiert werde.
DANKE
Gaby

Der Blogautor hat diesen Kommentar zu folgendem Zeitpunkt verändert: 27.02.11 11:54

Kommentar von: Diego62
Liebe Gaby,

Du hast mich gebeten diesen Kommentar in meinem Blog zu veröffentlichen. Ich habe dies bis auf eine kleine Änderung in der Anrede (Nickname)in deinem Namen übernommen. Ganz Kommentarlos will ich deinen Kommentar nicht lassen:

Es liegt mir fern dich persönlich an zu greifen. Aber eine Frage vorab, wurdest du als Vertreterin der AH in das Gremium berufen oder als Patientenvertretung? Ich will auch nicht die Arbeit der AH herunter reden, die Arbeit AH ist wichtig, das habe ich nie bezweifelt und habe sie auch schon als nicht Mitglied durch meine Mitarbeit unterstützt. Aber die Aufgabe der AH in diesem Gremium sehe ich nicht zuerst darin eine Patientenvertretung zu bilden, auch wenn du und einige andere positiv sind. Ich glaube dir auch die Seite der HIV-Patienten vertreten zu wollen, aber ist das in deiner Position rückhaltlos immer so machbar? Ich sehe, dass es durchaus zu Interessenkonflikten kommen kann, da du in diesem Gremium zunächst als Vertreterin der AH da bist.
Ich will das mal an einem Beispiel verdeutlichen: Wenn ich aufgrund meines Berufes weiß das ein Bestimmter Artikel in 2 Wochen wegen einer Werbung zu einem Spottpreis im Laden steht und mich spricht ein Freund genau auf diese Produkt an, stehe ich in der Klemme. Zum einen darf ich ihm von der Werbung vorab nichts sagen (Betriebsgeheimnis) und zum anderen will ich nicht, das er mir später einen Vorwurf macht weil ich ihm von dem Aktionspreis nichts gesagt habe. Was also tun?
Solche Interessenkonflikte gibt es überall. Deswegen kannst auch du in so einem Fall nur für eine Seite sprechen. Für welche sollst du dich entscheiden? Das sind die Gründe warum ich und auch viele andere eine direkte Patientenvertretung fordern und keine Vertretung durch andere Institutionen.
Ich will mich entschuldigen, diese Aufregung hat nichts mit dir als Person zu tun. Und es ehrt dich, wenn du dich verstärkt einsetzen willst um:
Missstände/Diskriminierung/Stigmatisierung/Ausgrenzung/Schlechterstellung und Missstände, die ich und andere HIV+ erfahren haben, gilt es für mich aufzuzeigen und dagegen anzugehen.
Ich wünsche dir und allen Betroffenen dass du das auch rückhaltlos immer kannst.

„Ich kann die Forderung nach einer stärkeren Beteiligung von HIV-Positiven verstehen und unterstütze dies auch. Somit wäre eine breitere Interessen-Vertretung möglich. Was ich nicht so ganz verstehen kann, ist dass dieser Protest/Forderung erst jetzt kommt. GIPA wurde 1994 von unserer Regierung unterschrieben und da gab es den NAB auch schon, übrigens mit weniger HIV+ Beteiligung.
Es geht nicht um die Zusammensetzung seit Gipa 1994 unterzeichnet wurde, es geht um die aktuelle Zusammenstellung des NAB. Es geht eher darum von Herrn Minister Rösler eine Antwort auf diese Kritik zu erhalten. Du selber schreibst ja auch das es für dich wünschenswert wäre eine stärkere Patientenvertretung zu haben.

Liebe Grüße
Diego

Beitrag und Kommentare aus meinem alten Blog übernommen

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Über Diego62

Ich bin HIV-positiv, male Bilder und arbeite im Einzelhandel. Mein Wohnort ist ein Dorf in Südhessen.
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