HIV als chronisch entzündliche Infektion

Die Frankfurter Aids-Hilfe hat eine Veranstaltungsreihe unter dem Titel „Frankfurter Vorträge“

Am Di, 10 Mai war das Thema: „HIV als chronisch entzündliche Infektion“ von Dr. Marcus Bickel vom HIVCENTER Frankfurt. Ich versuche einen 90 Minuten Vortrag kurz zusammen zu fassen.
Nach einer HIV Infektion kommt es zunächst zu einem rasanten Anstieg der HIV-Viren im Körper (Virenlast oder VL) gleichzeitig sinken die CD4-Helferzellne drastisch ab, dabei kommt es auch vor die die CD4 unter 200 sinken und sich Zeichen HIV-Assoziierter-Erkrankungen zeigen. Nach etwa 3 Monaten hat der Körper Antikörper entwickelt und ist durchaus in der Lage die Viren zu bekämpfen. Die VL sinkt teilweise auf einige hundert zurück und die CD4 erholen sich wieder. Aber nicht auf den alten Wert. Im Laufe der Zeit steigt dann die VL wieder an und im Gegensatz dazu sinken die CD4.

Zum Verständnis: 60% der CD4-Zellen sind nicht im Blut sondern im Darm zu finden. Dort haben sie die Aufgabe eine Barriere für die im Darm wichtigen Bakterien zum restlichen Körper zu bilden. Das HI-Virus zerstört insbesondere die CD4-Zellen natürlich auch im Darm. Dadurch wird die natürliche Barriere der Darmbakterien durchlässig und sie können in den Rest des Körpers, teilweise auch ins Blut, gelangen. Dadurch kommt es zu Entzündungen im Körper. Diese Entzündungen wiederum aktivieren ruhende CD4-Zellen und werden für das HI-Virus angreifbarer als die Ruhenden CD4. Durch den diesen Prozess sterben weitere CD4 ab. Es entsteht ein Teufelskreis. Der Körper ist permanent in einem Entzündungszustand. Je stärker die CD4 absinken umso mehr steigt die Zahl der HI-Viren. Studien mit Cortisonen, die gegen Entzündungen wirken haben bei HIV jedoch keinen Erfolg gezeigt. Es entsteht eine chronische Entzündung.
Zum Verständnis: Je geringer die CD4-Werte sind umso höher ist das Sterberisiko. Bei Werten um 350 – 500 CD4 ist das Sterberisiko etwas höher als bei Werten über 500. Bei Werten über 500 ist das Sterberisiko fast gleich dem eines Gesunden. Bei Werten zwischen 200 und 250 ist das Sterberisiko schon deutlich höher. Riskant wird es wenn die Werte kleiner 200 sind.

Durch den Einsatz geeigneter Retroviraler Medikamente kann die VL unter die Nachweisgrenze (20-50 je nach Labor und Verfahren) gesenkt werden. Dadurch können sich die CD4 erholen und das Sterberisiko sinkt. Wann der Beste Zeitpunkt für eine Therapie ist, darüber läuft derzeit eine Studie, die ich einem meiner früheren Blogs (START-Studie). Aber trotz Medikamente bleibt es bei der chronischen Entzündung.

Jetzt kommen die Todesursachen bei HIV-Patienten ins Spiel. Ein Teil stirbt noch immer an Aids. Das sind im großen 3 Gruppen.

A) die viel zu spät diagnostizierten, die schon im sehr fortgeschrittenen Stadium in eine Klinik kommen,
B) die Therapieverweigerer, die wider besseren Wissens keine Medikamente einnehmen wollen.
C) Die Patienten die im Laufe der Jahre so viele Resistenzen entwickelt haben das es keine Therapiemöglichkeiten mehr gibt.
Die nächste große Gruppe sterben an Leberzirrhose durch eine Hepatitis B/C. Dann gibt es eine Gruppe die an Kardiovaskulären-Ereignissen (Herzinfarkt, Schlaganfall) versterben. Und natürlich noch viele andere Todesursachen. Von Interesse sind die Kardiovaskulären-Sterbefälle.

Lange Zeit ging man davon aus, dass die Medikamente durch ihre Nebenwirkung auf den Fetthaushalt und damit zu einem erhöhten Cholesterin-Pegel führen, an diesen Kardiovaskulären-Ereignissen sekundär beteiligt sind. Nach den neuen Erkenntnissen der chronischen Entzündung ist aber auch das HI-Virus dabei nicht unter zu bewerten. Ist doch bekannt, dass Entzündungen Schäden am Herz verursachen können.

Bei gesunden Menschen erhöht sich das Risiko einer Kardiovaskulären-Erkrankung durch
1) Übergewicht
2) erhöhte Cholesterin-Werte
3) Rauchen
4) Bluthochdruck.
Bei HIV-Patienten wird der Arzt in Zukunft auch verstärkt auf die
5) Entzündungsmarker, besonders den CAP-Wert (Katabolisches Aktivierungsprotein) achten müssen.

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Über Diego62

Ich bin HIV-positiv, male Bilder und arbeite im Einzelhandel. Mein Wohnort ist ein Dorf in Südhessen.
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