Kritische Betrachtung: Wulf-Interview

Herr Wulf will nicht zurücktrete, er sei für 5 Jahre gewählt und „ich will nach 5 Jahren eine Bilanz hinlegen, dass ich ein guter, erfolgreicher Bundespräsident war!“. Es ist ja nicht so, dass das Volk Wulf gewählt hat, sondern dass Wulf eher in einem eher peinlichem Wahlverfahren im 3. Wahlgang genügend Stimmen bekommen hat weil die Linken Herrn Gauck auf keinen Fall haben wollte und durch ihre Stimmenthaltung Herrn Wulf auf diesen Posten gehievt haben. Die Linken brauchen sich jetzt also nicht beschweren, dass sie Wulf nicht wollten.  Es ist auch nicht so, dass sich Wulf in seiner bisherigen Amtszeit besonders hervorgehoben hat. Eher hat er Merkels Vorhaben abgeknickt. Ein starker Bundespräsident sieht anders aus.

Hätte das Volk den Präsidenten frei wählen können, bezweifele ich das Wulf jemals eine Chance gehabt hätte, der Sympathieträger jedenfalls war eher Herr Gauck. Jetzt also zu sagen er sei ja schließlich für 5 Jahre gewählt, nicht von einem Volk was ihn wollte sondern von einer Kanzlerin die ihren Willen durchgeboxt hat, ist gerade zu lächerlich. Ist es gar Frau Merkel die ihn drängt im Amt zu bleiben? Facht sich nur ob sie sich damit auf Dauer selber einen Gefallen tut.

Bettina Schausten: „Waren sie es vorher nicht, ein guter Bundespräsident?“

Wulf: „Doch. Aber es wird ja im Moment gerade über die letzten Wochen gesprochen“

Ach wäre Herr Wulf in der Zeit davor mal aufgefallen als Präsident mit einer Meinung und Charakter. Nur da kam nichts.

Angesprochen auf die Drohanrufe bei den Herren Diekmann und Döpfner (in der Wulf die Pressefreiheit in Frage stellt, Wulf sprach von Kriegsführung und einem endgültigen Bruch sprich) erklärt Wulf: Das es ihm sehr leid tue und er sich dafür entschuldigt habe. Das erste Mal seit die Affäre Wulf begonnen hat nimmt Wulf das Wort „Entschuldigt“ in den Mund. Ich frage mich: Warum will er heute nicht, dass diese Aufzeichnung veröffentlich wird, war die Aussage doch eine andere als er vorgibt?

Wulf: „Ich will natürlich besonnen, objektiv, neutral mit Distanz als Bundespräsident agieren, und ich will vor allem Respekt vor den Grundrechten der Pressefreiheit und der Meinungsäußerung haben…“

Warum hat der dies nicht vorher gezeigt, warum droht er der Presse? Diese Worte verhöhnen jeden wahren Demokraten. Hat der Bundespräsident einen Sonderstatus? Ich nehme ihm die das nicht ab, andernfalls hätte er eine unbefristete Pressekonferenz geben müssen statt eine zeitlich begrenzen Interviews mit zwei Reportern von ARD und ZDF.

„Ich habe mich offenkundig als Opfer gesehen“, klar ist Herr Wulf ein Opfer böser Leute die ihm seine Lügen nachweisen, nur ein echtes Opfer sieht anders aus. Ein Mörder ist natürlich ein Opfer, weil der Tote ja wohl selber schuld sein muss ihm dem Mörder über den Weg gelaufen zu sein. Und ein Bankräuber ist auch nur Opfer, weil ja die Bank das Geld hat, was er gerne hätte. Ein Bundespräsident der versucht die Presse unter Druck zu setzen einen Artikel nicht zu drucken ist natürlich Opfer. Ganz klar.

„Das Amt des Bundespräsidenten ist in Deutschland schwieriger geworden…“ oder sind die Präsidenten in den letzten Jahren schwächer bis ungeeignet geworden. Diese Vermutung lassen zumindest seine weiteren Worte: „Das heißt ich musste ja auch einen Lernprozess machen, ich bin vom Ministerpräsidenten zum Bundespräsidenten ja sehr schnell gekommen, ohne Karenzzeit ohne Vorbereitungszeit, das ging sehr schnell.“

Schaffen wir einen neuen Lehrberuf, „Bundespräsident“, von der Pike an gelernt. Nicht das man als Ministerpräsident sich mit den politischen -, medialen Gepflogenheiten auseinander setzen muss. Was, wenn nicht Ministerpräsident, also ein hohes politisches Amt ist eine Vorbereitung auf das Amt als Bundespräsident? Aber spätestens nach 1½ Jahren Amtszeit sollte Herr Wulf seine Lehrzeit als Bundespräsident abgeschlossen haben. Da das wie er selbst bekundet nicht der Fall ist, ist er wohl für diesen Posten denkbar ungeeignet.

Auf den Verstoß gegen das niedersächsische Ministergesetz angesprochen sagt Wulf: „Die Landesregierung wird sich dazu äußern, es ist jeden freigestellt den Staatsgerichtshof anzurufen. Es ist eindeutig kein Verstoß gegen das Ministergesetz!“ Hoch, hier wird der Beklagte zum eigenen Richter und erteilt sich schon mal Absolution. Diese Feststellung sollte er doch lieber anderen überlassen. Nachdem der Senat des niedersächsischen Landtages damit nicht näher befassen wollte wird die Opposition wohl hoffentlich so schlau sein und einen Untersuchungsausschuss einberufen. Ein Bankräuber spricht sich demnächst selber frei weil ja die Bank genug Geld hat und somit einen Raub rechtens sei, weil er das Geld ja nötiger habe.

Gegen Ende des Interviews wurde er gefragt mit was für Meldungen noch zu rechnen sei. Darauf antwortet Herr Wulf in gewohnter Weise sehr ausweichend und mach Anspielungen auf die Finanzierung seiner zweiten Hochzeit. Warten wir ab was noch alles kommt.

Ein Bundespräsident der sich wie Herr Wulf dermaßen unglaubwürdig verhält ist um nichts besser als ein Herr Berlusconi der ja nun auch endlich gegangen wurde. Es ist nicht ein Rücktritt der dem Amt schadet, es ist ein Präsident der selber. Jemand der von anderen in ähnlicher Situation einen sofortigen Rücktritt forderte und nun bei sich selber mit einem ganz anderen Maß misst, ist ein Heuchler!

Den Rückhalt, den er beim Bürger vermutet schwindet mit jeder Meldung mehr. Wie lange kann ein Präsident das ignorieren?

Das Darmstädter Echo Kommentiert: „Denn eins schein Wulf gründlich missverstanden zu haben: Schloss Bellevue ist keine Wellness-Oase für ruhebedürftige Niedersachsen und das Amt des Staatsoberhauptes kein Auftrag für geltungsbedürftige Parvenüs…

Es ist bemerkenswert, dass Wulf in seinem missratenen Rechtfertigunsinterview gestern Abend freimütig zugab, dass er den Ansprüchen nicht genüge, die das Amt an seinen Inhaber stellt.“

Warum tritt er dann nicht sofort zurück, wenn er weiß das er für das Amt nicht geeignet ist.

Ein nachdenklicher

Diego

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Über Diego62

Ich bin HIV-positiv, male Bilder und arbeite im Einzelhandel. Mein Wohnort ist ein Dorf in Südhessen.
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