Frankfurter Vorträge: Vorsorge

Seit HIV behandelbar ist und die Patienten eine fast normale Lebenserwartung haben werden ganz normale altersbedingte Krankheiten wie Herzinfarkt, Krebserkrankungen etc. zu ganz neuen Bedrohungen für HIV-Patienten. Vorsorgeuntersuchungen werden also immer notwendiger. Bei HIV-Patienten sind zudem besondere Untersuchungen notwendig. War es vor 20 Jahren noch unwesentlich ob ein HIV geraucht hat weil die Wahrscheinlichkeit an durch das Rauchen verursachten Krankheiten zu sterben wesentlich geringer war als an Aids zu sterben.

Aus diesem Grund hat die Frankfurter Aids-Hilfe zu einem Vortrag eingeladen. Dr. Peter Gute, HIV-Arzt aus Frankfurt, trug war der Vortragende an diesem Abend. Viele dieser Untersuchungen wurden erst kürzlich in die Untersuchungsstandards aufgenommen. Es ist also nicht verwunderlich wenn viele SPA’s diese Untersuchungen bisher nicht veranlasst haben. Dieser Vortrag basierte in weiten Teilen aud die MED-INFO Nr. 64 „Vorsorge und Kontrolluntersuchungen bei einer HIV-Infektion“ (1)

Die Untersuchungen die ein HIV-Patient in Zukunft durchführen lassen sollte werden also wachsen. Bei den 3 Monatigen Blutkontrollen werden nicht nur HIV-Relevante Werte wie die Helferzellen und Virenlast bestimmt, sondern auch Werte die die Organe betreffen, wie Nieren- oder Leber Werte, auch Cholesterin und Blutfette. Werte also die früh eine Aussage über gesundheitliche Risiken geben können. So wird in letzter Zeit bei dem Medikament Truvada öfter mal eine Nierenschädigung beobachtet. Nur durch diese regelmäßigen Untersuchungen kann eine solche Schädigung rechtzeitig erkannt und entsprechend Maßnahmen eingeleitet werden.

Aber auch der Blutdruck wird in Zukunft stärker beobachtet werden.

Die Gesundheitlichen Risikofaktoren

–          Rauchen
–          Bewegungsmangel
–          Alkoholkonsum
–          Ungesunde und ungenügende Ernährung
–          Ungenügende Zahnhygiene
–          Unkontrollierte Medikamenten- und Drogeneinnahme

Sind neu zu beurteilen.

HIV-Positive Frauen haben ein höheres Risiko für Gebärmutterhalskrebs. Ausdiesem Grund werden für diese Frauen häufigeren Gynäkologische Untersuchungen nötig als für HIV-Negative Frauen.

Auch sind die Risiken für Sexuellübertragbare Infektionen (STI) wie Syphilis, Tripper, Chlamydien, Kondylome (Feigwarzen) Hepatitis A/B/C erhöht. Gerade Kondylome bilden ein erhöhtes Risiko für Analkarzinome. Daher werden jährliche Vorsorgeuntersuchungen empfohlen. In Frankfurt sind zwei Hautärzte die eine solche Vorsorge gleich mit einer Hautkrebsvorsorge verbinden. Was wie sich herausstellte leider nicht überall üblich ist und z.B. in Wiesbaden gerne als IGEL-Leistung verrechnet wird.

Herz-, Kreislauferkrankungen sind ein weiterer Faktor für besondere Risiken und sollen auch bei HIV-Patienten regelmäßig untersucht werden. Hier gelten die gleichen Risiken wie für „Gesunde“. Blutfette, -zucker und erhöhter Blutdruck sind hier besonders zu beobachten.

Ein besonderes Risiko ist die Osteoporose (Knochenschwund), gerade auch weil dies viel zu oft nicht oder zu spät erkannt wird. Als eine der Ursachen wird ein Vitamin-D Mangel angesehen, Vitamin-D ist wichtig für den Knochenaufbau. Dr. Gute empfiehlt daher eine regelmäßige Kontrolle des Vitamin-D Spiegels.

Bei Krebserkrankungen muss zwischen HIV-Spezifischem Krebs (wie Karposi) ns „normale“ Krebsarten unterschieden werden. Dabei gibt es aber auch bei den „normalen Krebsarten“ gewisse häufungen. Ein paar typische habe ich bereits angesprochen. Dazu bietet die oben Genannte Info-Schrift geschlechtsspezifische Empfehlungen.

HIV ist auch für neurologische Erkrankungen verantwortlich. Daher ist es besonders wichtig mit seinem Arzt über neurologische Störungen zu reden. Dazu gehören zum Beispiel Kopfschmerzen und Schwindelgefühl. Viele HIV-Medikamente überwinden die Gehinschranke und können solche Probleme deutlich verbessern.

Sehr wichtig ist gerade auch bei HIV der Zahnarztbesuch. Dabei sind nicht nur Zahnerkrankungen wie Karies und Parodontose von Bedeutung. HIV-Patienten haben häufig auch mit an den Erkrnkungen im Mund zu tun. Dazu gehören Soor, Aphten, Haarleukoplaktie (weiße Streifen an der Zunge) aber auch Karposi (wenn auch wesentlich seltener als früher). Aber auch Medikamente können auch im Mundraum Nebenwirkungen zeigen.

Genauso wichtig wie Vorsorge und Kontrolluntersuchungen ist die Vorbeugung durch Impfung. Einige Impfungen gehören bei HIV-Positiven zusätzlich zu den Empfehlungen und werden in dem Fall auch von der Krankenkasse übernommen.

Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten und Polio gehören seit je her zu den Empfehlungen für jeden und sollten alle 10 Jahre aufgefrischt werden

Pneumokokken (eine Form der Lungenentzündung alle 5 Jahre) wird zusätzlich empfohlen genauso wie die Jährliche Grippeimpfung. Bei Homosexuellen Männer übernimmt die Krankenkasse zudem die Impfung gegen Hepatitis A und B.

Bei HIV-Patienten ist jedoch zu beachten, dass eine Impfung nur bei Einhalten bestimmter Mindestmenge an Helferzellen möglich ist.

(1)    Herausgeber: Aids-Hilfe Köln e.V. kann auch unter

http://aidshilfe-koeln.de/uploads/media/medinfo_64_Vorsorge_01.pdf

als PDF-Datei herunter geladen werden.

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Über Diego62

Ich bin HIV-positiv, male Bilder und arbeite im Einzelhandel. Mein Wohnort ist ein Dorf in Südhessen.
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