Ein erster Bericht von den Positiven Begegnungen

Nach dem gestern mehr die Begrüßung zu den PositivenBegegnungen lief, ging es heute richtig zu Sache.
Darf ich wenn mein Mann anonym Leben will hier an Orten auftreten, an denen damit zu rechnen ist, dass Medien (Zeitung und TV) zugegen sind um von diesem Treffen zu berichten? Die Frage hat mich beschäftigt. Ich habe entschieden hier ein gewisses Risiko einzugehen.

Am Morgen war ich in dem Workshop „Mit dem Staatsanwalt im Bett“ da haben wir HIV aus Sicht der Strafverfolgung betrachtet. Was gehört dazu eine HIV-Übertragung rechtlich zu verfolgen, welche Verpflichtungen hat der HIV-Positive. In anschließenden Arbeitskreisen haben wir erarbeitet in wie fern das Wissen um Strafbarkeit unser Handeln beeinflusst. Die Vertraulichkeit des Plenums verlangt das Persönliche Aussagen vertraulich behandelt werden, daher werde ich hier nicht über die Aussagen berichten.

Am Mittag gab es eine Podiumsdiskussion „Kein Test- kein Job, ist HIV ein Jobkiller“
Darf ein Arbeitgeber einen HIV-Test verlangen, welche Konsequenz hat es diesen zu verweigern? Obwohl ein HIV-Test von keinem Arbeitgeber  verlangt werden darf, kann eine Verweigerung doch dazu führen, dass dies dem Betroffenen negativ ausgelegt wird und es aufgrund dessen nicht zu einer Einstellung kommt. Für solche Test werden oft irgendwelchen Gründe erfunden um ihn zu rechtfertigen.
Ziel muss es sein solche Tests zu kriminalisieren, zulässig sind sie auch heute nicht. Wie dies erreicht werden kann, wurde lebhaft diskutiert.

Am Nachmittag war ich in dem Workshop „Kontroverse: HIV und Kriminalisierung, das gehört doch bestraft?!“
Auf Grundlage eines konstruierten Falls wurden wir in 3 Gruppen eingeteilt, jede sollte ein Richterteam sein und zu diesem Fall ein Urteil fällen. Es gab den Richter „im Namen des Volkes“ (also eher konservativ), den gesellschaftspolitische engagierten Richter und den Positiven Richter. Dabei ergaben sich sehr unterschiedliche „Urteile“. Erstere forderte eine harte Bestrafung, der zweite Gruppe einen Freispruch mit Anerkennung einer Schuld des vermeintlichen Opfers. Interessant war das Urteil der dritten Richtergruppe, hier gab es eine Pattsituation zwischen Freispruch und eine verhältnismäßig milden Strafe.
Anschließend haben wir noch erörtert wie es zu einem Prozess kommen kann und an welchen Stellen es die Möglichkeit einen solchen zu verhindert. Auch wurde darüber gesprochen welche Rolle das potentielle Opfer in unserem Beispiel trägt. Warum spielt HIV auch in der Rechtsprechung eine Sonderstellung? Die Übertragung einer Krankheit entspricht per se dem Tatbestand der Körperverletzung, also auch wenn mich jemand mit Schnupfen ansteckt.
Resümee: Einen HIV-Negativen Test zu haben ist kein Schutz vor HIV, genauso wenig wie ein negativer Schwangerschaftstest vor einer Schwangerschaft schützt. Wer negativ bleiben will muss auch seine Eigenverantwortung begreifen. Er kann sich nicht darauf verlassen, dass sein Partner auch negativ ist selbst nicht, wenn der letzte Test des Partners HIV-Negativ war. Er kann sich auch nicht darauf verlassen dass ein Sexualpartner ihm von seinem HIV-Status berichtet. Viele Negative wägen sich aufgrund ihres negativen Tests in einer scheinbaren, trügerischen Sicherheit.

Jetzt geht es noch ins Abendplenum, in dem es eine Zusammenfassung des Tages geben wird. Was wurde in den Gruppen erarbeitet, soll dabei im Plenum berichtet werden.

Morgen wird es in der Wolfsburger Innenstadt zum Thema Strafrecht eine Demo geben, dabei sollen auch Passanten angesprochen werden, ob sie jemals ungeschützten Sex hatten. Sie sollen auch darüber informiert werden, welche Rechtlichen Konsequenzen es für sie haben könnte, wenn sie HIV-Positiv wären. Über die Reaktionen bin ich gespannt.

Bildquelle: http://www.aidshilfe.de/de/Treffpunkt/Veranstaltungen/Positive-Begegnungen

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Über Diego62

Ich bin HIV-positiv, male Bilder und arbeite im Einzelhandel. Mein Wohnort ist ein Dorf in Südhessen.
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