3. Tag der Positiven Begegnungen

Bis hierhin – und wie weiter? Selbstorganisation gegen Stigmatisierung und Diskriminierung
War heute der erste Workshop den ich besucht habe. Was wird aus den Ergebnissen der „“Positive Stimmen“ Interviews? Wie soll es weiter gehen, das war die Frage des Workshops. Vorgestellt wurde eine Aktion, die von einer Teilnehmerin begleitet wird, “Fotovoice“. Hier werden Fotos von Alltagsgegenständen gezeigt die bestimmte Personen mit etwas aus ihrem Leben als Positive verbinden und schreiben dazu. Ein Interviewer der „Positiven Stimmen“ berichtet über seine Erfahrungen bei den Befragungen und teilt seine Interviewpartner in Gruppen ein, Wie empfindet welche Gruppe Stigmatisierung und Diskriminierung. Ein Interessantes Ergebnis.
Aber wie soll es weiter gehen, wie können wir gegen Stigmatisierung und Diskriminierung etwas tun, was gegen Selbststigmatisierung?
Einzelne Arbeitsgruppe brachten interessante Ergebnisse. So gab es Ideen über kreative Erfahrung zu arbeiten. Dazu gab es einige Vorschläge. Eine andere Gruppe ging das Problem von Seite der Gunsundheitseinrichtungen an. Es wurde vorgeschlagen Gesundheitseinrichtungen, Arztpraxen und Kliniken anonym zu testen und diese auch medial zu beurteilen.  In öffentlichen Einrichtungen soll darüber informiert werden, das auch HIV-Positive angetroffen werde könnten. Die Gruppe in der ich war erarbeitete Betreuungsmöglichkeiten für neugetestete, um ihnen die anfänglichen Ängste zu überwinden, Reflextionsräume, Workshops auch fern der Aids-Hilfen zu der viele, auch wenn positiv sind, Berührungsängste haben. Auch wurden Realistische Rollenbilder gefordert, also nicht nur strahlende Gesichter sondern auch mal wenn es einem mit HIV nicht so gut geht.

Die Podiumsdiskussion, hatte das Thema Kriminalisierung. Dabei wurden kurz die Ergebnisse vom Vortag angerissen und anschließend darüber diskutiert wie man gegen die Kriminalisierung kämpfen kann, welche Möglichkeiten es gibt. Anschließend gab es eine Demo durch die Wolfsburger Innenstadt, die eben dieses Thema darstellen sollte. „Schütz dich selbst“, „Zum Sex gehören immer mindestens zwei“… Dazu wurden Flyer unter den Passanten verteilt. Besonders gut fand ich einen alten Mann, der unsere Forderungen nur applaudiert hat.

Am Nachmittag habe ich mich sehr kurzfristig entschieden statt des Themas, was ich ursprünglich gewählt habe, nun doch „Modern-Networking Talking,  virtuell oder echt“
Wie soll ich mit den „Neuen Medien“ – die gar nicht mehr so neu sind –umgehen, was darf ich von mir und anderen in Facebook und Co. Posten? Und was sind die Gefahren für mich und andere? Zu den Moderatoren gehörte der „Teilzeitbloger“, der über sein erlebtes aus seinem Blog und Youtube-Kanal berichtet, wie er sich schützt. Das Netz kann keine analogen, „face to face“, Gespräche ersetzten, weil einfach die Emotionen, die Mimik – ist eine Aussage oder Frage mehr Spaß oder Ernst – nicht oder nur schwer vermittelt werden können.
Es wurde eine Reihe von Forderungen, was und wie wir uns dies Vorstellen. Wie können wir unseren Forderungen mehr Kraft geben. Wichtig ist u.a. die Grenzen anderer zu beachten, auf andere zu achten – um ihre Anonymität sofern gewünscht – zu gewährleisten. Aber auch Individuelle Risikobereitschaft zu wertschätzen.
Wer online offen über seine Situation schreiben will muss aber auch authentisch bleiben und seine Grenzen stecken. Was bin ich bereit von mir preis zu geben? Diese Frage muss jeder für sich beantworten.

Das Abendplenum brachte wie auch gestern eine Zusammenfassung aus einzelnen Workshops.
„Älterwerden“ wollen wir alle und wir haben heute guten Grund das auch erwarten zu dürfen. Aber wie stellen sich HIV-Positive das Ältersein vor? Bevorzugt werden Wohnprojekte, in denen es kein Pflegepersonal was Berührungsängste mit Schwulen, HIV und Sex im Alter hat.
„Was soll archiviert werden?“ Die HIV/Aids Selbsthilfe gibt es seit fast 30 Jahren, bei vielen lagern alte Dokumente, die aus dieser Zeit Berichten können. Nur ein Archiv ist das nicht. Nichts was Taugt um heute oder auch später forschen zu können, was war. Das fällt jetzt schon bei Act-Up schwer. Daher wurde eine AG-Geschichte gegründet.
„Zukunft der Selbsthilfe“ war ein Thema an dem nun seit zwei Tagen gearbeitet wurde. Heute das Ergebnis, überrascht es wenn an alten Strukturen nicht viel geändert werden soll, man wünscht sich eher neues zu implementieren.
„Machen Pillen frei?“ Ganz klar JA. Es gilt EKAF in Safer-Sex zu implementieren und so ein „Safer-Sex-Plus“ zu schaffen, in dem EKAF als gleichwertig mit Kondom gesetzt wird. Die Medizin gibt uns die Chance uns freier zu fühlen, keine Angst mehr haben zu müssen einen Partner infizieren zu können.
„Heilung“ wird sehr kontrovers gesehen, die Älteren sehen darin einen Luxus der für sie nicht erstrebenswert ist, wer geheilt wird kann sich auch wieder infizieren und dann geht der ganze Stress von vorne los. Die Jüngeren dagegen sehen hier die große Hoffnung.
Bleibt noch die „Demo“ Michèle stand in der Fußgängerzone Wolfsburgs und hat Passanten angesprochen: „Haben Sie Kondom-losen Sex ?“ – „Wussten Sie das sich HIV-Positive strafbar machen?“ Zeitgleich zog eine Gruppe, an der etwa 200 Personen beteiligt waren, mit Transparenten und Plakaten durch die Fußgängerzone um auf diese Problematik aufmerksam zu machen. Mit der Anzahl an Demonstranten hatte niemand gerechnet, eher 20-30 aber 200. Ich finde es SUPER, das sich so viele getraut haben sich offen zu zeigen. Eine kleine Kritik: Die Passanten konnten mit den Aussagen auf den Plakaten nichts anfangen.

Heute Abend gibt es noch eine Party für die Teilnehmer der Positiven Begegnungen und morgen ist dann die Abschlussveranstaltung mit einer Zusammenfassung dessen was erarbeitet wurde und einem Kulturprogramm.

Die Positiven Begegnungen hat mir sehr viel gebracht, der Austausch mit anderen Betroffenen. Ich glaube, dass sie Selbsthilfe dadurch ein gutes Stück weiter gekommen ist. Es gab viele Anregungen für die Teilnehmer, die Selbsthilfe und natürlich für mich.

Danke für die Organisation. Ich freue mich auf die PoBe 2014

Advertisements

Über Diego62

Ich bin HIV-positiv, male Bilder und arbeite im Einzelhandel. Mein Wohnort ist ein Dorf in Südhessen.
Dieser Beitrag wurde unter HIV, Politik, Positive Begegnungen abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu 3. Tag der Positiven Begegnungen

  1. alivenkickn schreibt:

    Hallo Diego

    Scheint ja eine spannende und berührende PoBe für Dich gewesen zu sein.

    Du schreibst „Die Passanten konnten mit den Aussagen auf den Plakaten nichts anfangen“. . . . . Ich bring es mal (auf meinen) den Punkt. Dann sollen sie gefälligst ihren Hintern bewegen und sich informieren. 75% aller Haushalte haben einen PC. Somit hat JEDER die Möglichkeit sich zu informieren, hat JEDER hat Zugang zu Informationen. Auch zu HIV.

    Im Vorfeld hatte sich die DAH – das VorbereitungsTeam was dabei gedacht das die PoBe diesesmal in Wolfsburg stattfindet. Ich denke das es auch Kontakte zu VW gab. Einer der Schwerpunkthemen war – und nicht erst seit heute – HIV im Erwerbsleben – HIV am Arbeitsplatz. VW hat 51.000 Mitarbeiter, Wolfsburg hat 120000 Einwohner. Ich fand es bezeichnend das nur 1 MItarbeiter im Workshop „PoBe meets VW – Was ich immer schon mal fragen wollte, aber mich nie getraut habe…“ anwesend war. Insofern wundert es mich auch nicht wenn die Passanten nix mit den Aussagen auf den Plakaten anfangen konnten. Ja wie denn auch. Wenn Sie „diese Passanten – die Gesellschaft“ nicht ihren Hintern bewegt und ein Angebot das WIR ihnen anbieten nicht wahrnehmen, sich nicht nicht mit uns an einen Tisch setzen, wie sollen Sie dann Ahnung haben um was es geht? Statt dessen haben sie aber eine Meinung. Keine Ahnung von gar nix aber ne Meinung. Na vielen Dank sag ich da nur. Das brauche ich nicht. Das will ich nicht. Und um welche Meinung es sich dabei handelt, das zeigen die Ergebnisse der Befragung zum Stigma Index.

    Diese Art den Anderen immer zu verstehen, das “ Ich kann s ja verstehen das sie das nicht verstehen . . . “ das ist für mich Schwachsinn. Für mich ist damit Ende Gelände.

    Du – Man hast keine Ahnung? Nix Wissen macht nix. Das kann man ändern. Man kann sich informieren und wie in dem Fall die PoBe, Angebote wahrnehmen. Dann weiß man bescheid.

    Für mich ist Schluß damit das wir immer in so einer Art „BringSchuld Haltung“ sind. Wieso eigentlich? Zusammenleben ist ein Prozeß der auf Gegenseitigkeit beruht. MITeinander. Einer geht auf den Anderen zu. Das ist ein Wechselspiel. Wenn s an einem lauen Sommerabend schöner ist zu grillen oder vor dem TV zu chillen . . . kein Problem. Aber dann darf man auch den Nuhr machen . . . . 😉

    LG alivenkickn . . . .

    • Diego62 schreibt:

      Es war für mich das erste Treffen in der Größe. Das sehr viele Passanten uninformiert sind liegt auch daran, dass seit 25 Jahren nur Werbung für Kondome gemacht wird. „Machs mit“ ist ja nicht grundlegend verkehrt aber eben nicht ausreichend. Der Vertreten vom VW-Werk war ein alter Bekannter, und ich war sehr erfreut ihn, wenn auch nur sehr kurz, wieder zu sehen. Außerdem war ein Vertreter von IBM anwesend. Ich war in diesem Workshop nicht drin weil ich meine Prioritäten anders gelegt habe.

  2. alivenkickn schreibt:

    moin diego

    undabhängig von der gemüsekondom aufklärung ;), diese haltung sich nicht zu informieren ist wie ein roter faden der sich durch die gesellschaft zieht. bei den jährlichen präventionstagen im einkaufszentrum der nordweststadt das von der ah frankfurt, des vereines aids aufklärung und dem stadtgesundheitsamt frankfurt gemeinsam veranstaltet wird, beteiligen sich idr ausschließlich schulklassen. für sie ist die teilnahme eine art pflichtprogramm. die bevölkerung interessiert es einfach nicht. ähnlich ist es ja auch mit den großen kongressen wie z.b. der welt aids konferez. das global village ist immer der bevölkerung zugänglich . . . aber auch hier das gleiche bild. die bevölkerung nimmt diese angebote kaum wahr.

    alledings das muß ich auch sagen – die aktionen um den welt aids tag um den 1.12. in frankfurt wird von der bevölkerung angenommen. hier ist das engagement von schulen besonders herauszuheben. die teilnehmenden schulen wetteifern geradzu wer am meisten geld für die ah frankfurt sammelt. sie gehen in kneipen, sind von hauptwache bis konsti unterwegs und sammeln was das zeug hält.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s