HIV/Aids in den Medien

In gut zwei Wochen ist Welt-Aids-Tag, die Medien fangen mal wieder an HIV und Aids zu denken und sich zu überschlagen in ihrer Berichterstattung und Film Wahl. Warum aber immer nur zum Welt-Aids-Tag findet nicht das ganze Jahr über HIV/Aids statt. Wenn nicht gerade ein aktueller Fall von HIV-übertragung von den Medien aufgebauscht wird ist HIV ansonsten Medial kein Thema.

Noch liegen die Statistiken des Robert-Koch-Institut nicht vor aber die Zahl der neu Diagnosen dürfte sich wohl so wie im letzten Jahr bewegen ca. 2.600-3.000 also 7-8 pro Tag allein in Deutschland.

Das bedeutet dass diese Personen in Deutschland gerade in den ersten Wochen bis Monaten in einer besonders schwierige Phase ihres Lebens durch machen. Sie benötigen Zuspruch anderer, das Vertrauen anderen gegenüber ist aber gerade in dieser Zeit nicht sehr hoch. Viele haben teils auch begründete Angst anderen von ihrer Infektion zu berichten. Sehr viele sind verunsichert.

  • Wie wird es weitergehen mit meinem Leben?
  • Wie viel Zeit bleibt mir noch?
  • Wem muss ich es sagen?
  • Was denkt meine Familie, mein Partner, meine Freund und Kollegen jetzt über mich?
  • Kann ich noch mit anderen Sex haben?

Diese und viele andere Fragen gehen einem in dieser Situation durch den Kopf. Viele Fragen, nur wer gibt die richtige Antwort? Natürlich ist da erst einmal der richtige Arzt zu finden, der einem dann auch erklärt das man mit HIV heute fast normal alt werden kann. Da gibt es die Beratungsstellen der Aids-Hilfen, aber geht da jeder hin oder existieren nicht gerade hier auch Berührungsängste? Wenige finden den Weg in Internetforen in denen sie meist wirklich gut aufgehoben sind. Was fehlt ist eine Art Mentor der neugetestete auffängt, ihn begleitet und erklärt wie es weiter gehen kann.

Was fehlt ist eine Presse die aufdeckt wenn ein HIV-Positiver von Arbeitgebern wegen HIV entlassen wird, wenn ein HIV+ gemobbt wird, Ärzte die Behandlung verweigern. Es mangelt an Berichten die aussagen, das HIV-Positive keine Gefahr bei sozialen Kontakten darstellen, die darüber schreiben das eine erfolgreiche Therapie genauso sicher ist wie die Verwendung von Kondomen, die die Angst vor HIV nehmen und nicht schüren. Und das nicht nur zum Welt-Aids-Tag. Was wir brauchen ist eine Presse die nicht nur die Schuld beim HIV-positiven suchen wenn jemand infiziert wird, eine Berichterstattung die die Eigenverantwortlichkeit hervorhebt.

Wurde in den 80ern noch auf die Eigenverantwortlichkeit („Aids geht jeden an“) gesetzt, will man heute die Verantwortung allein auf den HIV-Positiven abwälzen. Nur viele Studien der letzten Zeit zeigen dass es gerade die neuinfizierten sind, die von ihrer Infektion noch nicht informiert sein können, die andere anstecken. Eine Berichterstattung aber auch Politik die nicht dazu geeignet ist eine Infektion zu verhindern, ist was wir heute haben.

Wir wollen eine Medienwelt, die mehr als nur einmal im Jahr das Thema HIV aufgreift, wir wollen eine Presse die über Stigmata aufklärt, wir erwarten Medien die sich gegen Diskriminierung und Ausgrenzung einsetzt. Sicher sind auch heute noch Sex und Drogen die wichtigsten Übertragungswege nur sind gerade Sex und auch Drogen etwas sehr menschliches. Wer hatte als erwachsener Mensch noch nie Sex? Sind Alkohol und Nikotin keine Drogen? Warum werden HIV-Positive also gerade bei diesen Themen stigmatisiert?

Die Berichterstattung, Politik und Rechtsprechung der letzten Jahre sind nicht geeignet HIV zu verhindern. Sie schüren viel eher die Angst offen mit HIV zu leben, halten Menschen von einem HIV-Test ab. Entstehen durch einen positiven HIV-Test doch überwiegend Nachteile. Man wird als einzig verantwortlicher beim Sex hingestellt, wird von Versicherungen benachteiligt oder gar ausgeschlossen obwohl die Lebenserwartung heute fast normal ist, Kündigungen wegen HIV werden von Gerichten akzeptiert…. Allein wenn jeder HIV-Positive offen ohne Angst vor Repressionen und Benachteiligungen leben könnte, würden viele Neuinfektionen verhindert.

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Über Diego62

Ich bin HIV-positiv, male Bilder und arbeite im Einzelhandel. Mein Wohnort ist ein Dorf in Südhessen.
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5 Antworten zu HIV/Aids in den Medien

  1. postagebuch schreibt:

    Hallo Diego!
    Ein ganz toller Artikel – der müsste eigentlich in vielen Zeitungen erscheinen … Es ist eine fast schon perfekte Anleitung für wichtige Themen kommender Zeitungsartikel zur Thematik HIV/AIDS.
    Lass uns dran bleiben.
    Gruß vom postagebuch-Blogger.

  2. postagebuch schreibt:

    Halte uns bitte auf dem laufenden … 😉

  3. Idebenone schreibt:

    Diese und viele andere Fragen gehen einem in dieser Situation durch den Kopf. Viele Fragen, nur wer gibt die richtige Antwort? Natürlich ist da erst einmal der richtige Arzt zu finden, der einem dann auch erklärt das man mit HIV heute fast normal alt werden kann. Da gibt es die Beratungsstellen der Aids-Hilfen, aber geht da jeder hin oder existieren nicht gerade hier auch Berührungsängste? Wenige finden den Weg in Internetforen in denen sie meist wirklich gut aufgehoben sind. Was fehlt ist eine Art Mentor der neugetestete auffängt, ihn begleitet und erklärt wie es weiter gehen kann.

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