Jeder 5. HIV-Positive wird von Ärzten abgewiesen

In einem Interview in Zeit-Online mit dem Forscher Norbert Brockmeyer ließ man:

ZEIT ONLINE: Herr Brockmeyer, die Aidshilfe hat kürzlich mehr als 1.100 HIV-Positive gefragt, wie es mit den Ärzten läuft. Jeder Fünfte hat berichtet, dass sich ein Arzt schon mal geweigert habe, ihn zu behandeln. Überrascht Sie dieses Ergebnis?

Norbert Brockmeyer: Dass manche Ärzte HIV-Positive nicht behandeln möchten, höre ich manchmal auch von den Patienten, die zu mir in die Klinik kommen. Die Ursache muss aber nicht gleich die Diskriminierung von HIV-Patienten sein. Denkbar ist auch, dass manche Ärzte unsicher sind im Umgang mit HIV-Infizierten und deren Therapie und deshalb denken: Diese Patienten schicke ich lieber zu einem Kollegen, der sich damit besser auskennt als ich. Mal abgesehen davon: Wenn 20 Prozent der Befragten schlechte Erfahrungen gemacht haben, heißt das doch auch, dass 80 Prozent bislang keine schlechten Erfahrungen gemacht haben.“

Was soll diese Verharmlosung Herr Brockmeyer, 80% haben keine schlechte Erfahrung gemacht! Wie würden die Medien Brüllen wenn jede 5te schwangere Frau von einem Arzt abgewiesen würde, jeder 5te Diabetiker, Asthmatiker, Krebskranke. Aber so ist es ja nur jeder 5te HIV-Positive und wen interessiert das schon. Herr Brockmeyer ich möchte einfach nur Kotzen über ihren Zynismus.

ZEIT ONLINE: Trotzdem haben viele Ärzte offenbar Angst davor. Müssten sie als Mediziner nicht eigentlich wissen, wie gering das Risiko einer Ansteckung ist?

Brockmeyer: Ja – und nein. Als Mediziner wissen sie, dass sie vor einer Ansteckung bei HIV-positiven Patienten keine Angst haben brauchen. Unterbewusst sind Ängste vorhanden, also ist noch viel Aufklärung nötig. Ärzte sind keine Halbgötter in weiß, wie man so oft sagt, sondern sie sind ganz normale Menschen. Und als solche sind sie ein Teil der Gesellschaft, in der zum Teil noch große Verunsicherung im Umgang mit HIV und Aids herrscht.“

Nein ganz gewiss nicht Herr Brockmeyer, Ärzte sind keine Halbgötter aber Mediziner, Akademiker von denen man erwarten kann und auch soll Medizinisch auf einem aktuellen Stand zu sein. Was nutzt ein Arzt der sein Wissen vor 40 Jahren erworben hat und sich im Laufe der Jahre nicht auf den aktuellen Stand der Forschung bringt. Ein solcher Arzt ist eine Gefahr für die Menschheit. Aber HIV ist wohl außen vor, darüber brauch ein Arzt in der heutigen Zeit nicht viel wissen, es sei denn es wäre ein Spezialist für HIV oder wie. Wenn ein Automechaniker sich nicht ständig auf einem aktuellen Stand hält, wird er seinen Beruf in einigen Jahren nicht mehr ausführen können. Wer, wenn nicht Ärzte, sollten über medizinische Fragen aufgeklärt und informiert sein? Ärzte die nicht einmal rudimentäre Kenntnisse über die Übertragungswege und nicht Übertragungswege von HIV informiert sind, sind ganz einfach ihrer Verpflichtung sich weiter zu bilden nicht nachgekommen. Von einem Verkäufer oder Handwerker wird mehr aktuelles Fachwissen gefordert.

ZEIT ONLINE: Ein anderes Ergebnis der Aidshilfe-Befragung: Jeder Zehnte hat sich schon einmal nicht zu seinem Arzt getraut hat, obwohl eine Behandlung dringend nötig gewesen wäre.

Brockmeyer: Wenn sich die Patienten aus Angst vor einer möglichen Diskriminierung nicht mehr zum Arzt trauen, ist das ein Problem. …“

Wenn sich viele nicht zum Arzt trauen, aus Angst davor abgeschoben zu werden, so liegt das doch an den schlechten Erfahrungen die HIV-Positive mit Ärzten gemacht haben. Was denkt die Ärzteschaft dagegen zu tun? Sehr wenige HIV-Positive sind bereit über negative Erfahrungen mit Ärzten, Angehörigen, Freunden(?), Kollegen, Arbeitgebern etc. zu berichten, viel zu wenige. Es ist aber wichtig genau das zu tun. Wenn öfter mal ein HIV-Positiver Missstände öffentlich anprangert gibt es vielleicht in den Medien auch mal Berichte darüber, die zum Nachdenken anregen.

http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2012-11/hiv-aids-aerzte-patienten-norbert-brockmeyer

Advertisements

Über Diego62

Ich bin HIV-positiv, male Bilder und arbeite im Einzelhandel. Mein Wohnort ist ein Dorf in Südhessen.
Dieser Beitrag wurde unter Gedanken, HIV, Laborwerte abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Jeder 5. HIV-Positive wird von Ärzten abgewiesen

  1. alivenkickn schreibt:

    So langsam macht sich in mir ein Gefühl breit das ne Menge die sich in Sachen HIV in irgendwelchen Verbänden, Beirat oder sonstigen Institutionen engagieren dies aus vielen Gründen tun. Um der Alltags Realität des/der Einzelnen gerecht zu werden . . dieser Grund gehört mit Sicherheit nicht dazu.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s