Große Aufregung um Generika

Die Tage gab es auf der Seite der Aids-Hilfe einen Artikel über Generika in der HIV-Therapie. Wer es nachlesen will findet den Link am Ende dieses Beitrags.

Für gewöhnlich laufen nach 15 Jahren die Patentrechte an einem Medikament aus, was anderen Herstellern die Möglichkeit gibt eben diesen Wirkstoff dann herzustellen und zu vermarkten. Das senkt zu einem die Preise, was dank der dazugekommenen Konkurrenz üblich ist. Aber auf der anderen Seite bedeutet das auch dass die gewohnte Pille dann nicht mehr den geschützten Namen hat und man als Patient nur noch Wirkstoffe verschrieben bekommt. Zum Beispiel wird in diesem Jahr das Patent auf den Wirkstoff Nevirapin fallen. Der Wirkstoff war bisher als Viramune® bekannt. Ein Patient der bisher Viramune® eingenommen hat wird künftig auf seinem Rezept Nevirapin finden, was vom Wirkstoff her das gleiche ist.

Andere Patienten kennen das schon seit Jahren so bekommen sie z.B. mal grüne längliche dann wieder rosa runde Tabletten in der Apotheke und alle haben den gleichen Wirkstoff und sollen gleich wirken.

Bei HIV-Medikamenten ist es so, dass z.B. Atripla® gleich 3 Wirkstoffe enthält (Efavirenz, Emtricitabin und Tenofovir). So braucht man am Tag nur einmal eine Tablette nehmen. Einer der Wirkstoffe ist Efavirenz. Nun für den Wirkstoff Efavirenz werden im November die Patentrechte fallen und das bringt natürlich Generikahersteller auf den Plan, da es sich hier um eines der meist eingesetzten Medikamente handelt. Die anderen Wirkstoffe werden aber weiterhin unter den Patentschutz liegen.

Natürlich sind die Krankenkassen daran interessiert die Kosten so gering wie möglich zu halten. Das liegt ja auch im Interesse der Beitragszahler die ja auch ungern mehr bezahlen wollen. Und natürlich werden die Krankenkassen darauf drängen auch in der HIV-Therapie auf günstigere Varianten zurück zu greifen. Die Aids-Hilfe befürchtet nun, das Patienten die z.B. bisher Atripla® nehmen nicht mehr nur eine sondern 2 oder gar 3 Tabletten nehmen müssen. Das Szenario sieht so aus generisches Efavirenz, Emtricitabin wird gegen generisches Lamivudin ausgetauscht und dazu das weiter durch Patent geschützte Tenofovir. Das erschwert für viele das Handling, einer Pille drei schlucken zu müssen. Man befürchtet aber auch, dass durch immer mehr Generika die Behandlungsfreiheit eingeschränkt wird. So könnte es sein, befürchtet die Aids-Hilfe, dass ein Arzt ein Medikament durch ein anderes ersetzen muss um die Kosten für die Behandlung zu senken.

Lassen sich in einer auf viele Jahre ausgelegten Therapie die Medikamente einfach so austauschen? Das mag in einer Ersttherapie machbar sein, wenn diese aber wegen Unverträglichkeit oder geringem anschlagen gewechselt werden muss gibt es ausreichend Gründe diese für den einzelnen Patienten zu ändern. Für eine Erstbehandlung ist es aber ratsam die Therapie so einfach wie möglich zu halten. Eine strikte Therapietreue ist wichtig für den Erfolg und je komplizierter die Einnahmemodalitäten sind umso größer ist die Gefahr dass der Patient sich nicht wirklich daran hält. Einmal eine Pille am Tag ist eben einfacher als 1x drei Pillen <oder gar 2x Tabletten nehmen zu müssen. Ich sehe das ja an mir. Anfangs hatte ich 1x drei Tabletten täglich, das ging super. Dann 1x vier Tabletten früh und 1x eine Tablette Abend das war anfangs schon schwieriger hat sich aber inzwischen eingespielt. Aktuell ist ein Medikament wegen meines Tinnitus dazu gekommen, jetzt soll ich 5 Tabletten am Morgen 1 Tablette zum Mittag und 2 Tabletten am Abend nehmen. Die jeweils eine mehr ist für die Ohren und haben daher mit HIV nichts zu tun aber die am Mittag vergesse ich regelmäßig. Die HIV-Medikamente nehme ich regelmäßig und vergesse ganz selten mal eine.

Was aber bedeutet das für HIV-Patienten in Zukunft. Weden die Befürchtungen der AH tatsächlich eintreffen und Therapien künftig wieder komplizierter? Oder werden die Kassen so vernünftig sein und eine Ersttherapie so einfach wie möglich verordnen lassen. Galten Medikamente wie Atripla® oder die neu dazu gekommenen Fixkombinationen bisher als riesen Fortschritt in der HIV Behandlung könnten diese Errungenschaften schon bald durch die Krankenkassen zunichte gemacht werden. Sicher ist es richtig preiswerte Medikamente zur Verfügung zu haben aber ist es auch immer sinnvoll? Meine Medikamente kosten im Monat ca. 1500 Euro wenn die Kosten durch Generika um 1/3 gesenkt werden könnte aber die Therapie dadurch so kompliziert würde, das sie nur mit Mühe eingehalten werden kann, wäre keinem damit gedient. Durch nichteinhalten der Complience (Therapietreue) steigt das Risiko des Therapieversagens und dann kann es für die Kassen richtig teuer werden. Es ist ein Spagat zwischen Kostensenken und effektiver Therapie. Andere Medikamente können schnell noch teurer werden und sollte es zum Vollbild Aids kommen fallen die Kosten für Krankenhaus etc. wesentlich höher aus.

Eine andere Frage die hier nicht geklärt ist, wie sieht es mit der Bioverfügbarkeit von Generikaprodukten aus, braucht es höhere Dosen oder häufigere Einnahmen als das Original? Welche abweichenden Nebenwirkungen können Generika haben, weil die Zusatzstoffe andere sind?

Mögen die Krankenkassen mit Bedacht an die Entscheidung für und wider Generika bei HIV rangehen. Statt Efavirenz (Sustiva®) als Einzelmedikament ein Generika, satt Lamivudin (Epivir®) einzeln ein Generika ist vertretbar, aber Fixkombinationen wie Atripla® aufzubrechen ist für den Patienten nicht sinnvoll.

Mit den Kassen zu reden, bevor Entscheidungen fallen ist Aufgabe der Aids-Hilfe, nicht wenn von den Kassen alles bereits beschlossen ist. Auf Dauer werden wir uns dem Thema Generika nicht verschließen können (hier meine ich wenn auch die Rechte auf Kombis wie Truvada®, Atripla® etc auslaufen). Hier ist die AH die Lobby der HIV-Positiven und Aids-Kranken. Ob nun die Kassen oder der Gesundheitsminister, die AH wird einiges zu tun haben. Die DAH ist die Lobby der HIV-Positiven aber wenn nötig ist jeder einzelne gefragt sich bei den entsprechenden Stellen einzubringen.

Kostensenkung ist wichtig und im Interesse aller ob Beitragszahler oder Krankenkasse, aber bitte nur wenn es auch wirklich sinnvoll ist und einer Therapietreue nicht schadet.

Link:

http://blog.aidshilfe.de/2013/01/08/hiv-generika-same-same-but-different/

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Über Diego62

Ich bin HIV-positiv, male Bilder und arbeite im Einzelhandel. Mein Wohnort ist ein Dorf in Südhessen.
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