HIV-Emanzipation und Medien

Gestern war ja die Zusammenfassung der Positiven Begegnungen in meinem Postkasten. Einige Erinnerungen an einige schöne Tage im letzten Jahr kamen zurück. Aber auch andere Gedanken und Wünsche, über die ich eine kleine Serie machen möchte. Weil mit dem Lesen kommen dazu meine Gedanken.

HIV wird immer wieder verdrängt, von vielen Positiven selber, von nicht Positiven, von Medien etc. Durch Verdrängung wird aber nichts verändert. Ich erinnere mich an frühere Zeiten der Schwulen-Bewegung. Die schwule Emanzipation. Auch als HIV-Positiver ist es an der Zeit sich zu emanzipieren. Sicher muss man nicht stolz sein positiv zu sein, aber man kann stolz sein damit zu leben, oder besser noch offen zu leben. Anderen ein Beispiel zu sein. Klar braucht es Ellenbogen um sich seinen Raum zu schaffen, Ellenbogen die so nicht jeder hat. Daher ist es wichtig dass die, die diese Ellenbogen habe, auch einsetzt um anderen den nötigen Raum ebenfalls zu schaffen offen leben zu können. Es bringt aber nichts wenn dies nicht auch öffentlich wirksam passiert, weil die Medien HIV nur mal zwei Wochen vor dem Welt-Aids-Tag ausgräbt um es anschließend genauso schnell wieder zu verscharren.

Das bringt mich zum weiteren Punkt. Die Medien, Presse, TV, Radio,… müssen dazu gebracht werden sich öfter als einmal im Jahr mit HIV, den folgen, der Ungleichbehandlung Positiver, der Therapie und der daraus folgenden Nichtinfektiosität zu berichten. Diskriminierung und Ausgrenzung müssen öffentlich angeprangert werden. Besonders auch Regional, wenn es z.B. zu Diskriminierung durch einen Arbeitgeber oder einem Arzt kommt. Nur wie soll dies an die Presse gelangen, wenn sich niemand traut sich in einem solchen Fall an die Presse zu wenden, aus Angst sich dadurch öffentlich zu outen. Von der Presse bedarf es Fingerspitzengefühl sich mit dem Thema zu Beschäftigen. Diskriminierende an den medialen Pranger stellen ohne das Opfer zu verletzen muss das Ziel sein.

War es vom Stern richtig Herrn Brüderle wegen sexistischer Äußerungen derart anzuprangern? Darüber lässt sich streiten. Eine wichtige Diskussion hat dies jedoch ausgelöst. Wenn Diskriminierende damit rechnen müssen öffentlich gemacht zu werden wird dies ihr Denken nicht spontan ändern. Es wird sie aber zwingen ihre Position zu überdenken. Auch wenn es wie bei Herrn Brüderle nicht viel nutzt, er fühlt sich ja noch heute als Opfer und mit ihm seine Parteigenossen.

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Über Diego62

Ich bin HIV-positiv, male Bilder und arbeite im Einzelhandel. Mein Wohnort ist ein Dorf in Südhessen.
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Eine Antwort zu HIV-Emanzipation und Medien

  1. alivenkickn schreibt:

    Vor allen Dingen darf man nicht in den Bemühungen nachlassen, auf diejenigen Vertreter der Medien zuzugehen – mit denjenigen in Kommunikation zu treten die unserer Bemühungen um Aufklärung und dem Abbau von Stigma und Diskriminerung diametral entgegenwirken.

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