HIV-Emanzipation – guter Positiver / böser Positiver?

Die Erkenntnis als HIV-Positiver nicht ansteckend sein zu können ist nun mehr seit 5 Jahren durch die EKAF bestätigt. Im letzten Jahr haben sich dann endlich auch andere Aids-Organisationen dies zu Bestätigen. Voraussetzung sind das der Positive regelmäßig ART-Medikamente nimmt, Viren im Blut nicht mehr nachweisbar sind, keine anderen Geschlechtskrankheiten im Spiel sind und der Positive unter regelmäßiger ärztlicher Kontrolle ist. Nun ein Restrisiko gibt es trotz allem aber es ist gleich der Kondombenutzung. Bietet also einen Schutz von 95-98%.

Das wirft neue Probleme auf:

  • Wie soll die Aids-Hilfe die Virenlastmethode als Safer-Sex publik machen? Dafür soll ein Arbeitskreis eingerichtet werden, der einen gängigen Begriff finden soll, wie zum Beispiel „Safer Sex Plus“
  • Die andere Problematik die ich jetzt sehe, ist das Positive künftig in zwei Gruppen eingeteilt werden könnten:
    • Gute Positive, die in Therapie sind, ihre immer ihre Medikamente einwerfen und deren Virenlast nicht nachweisbar ist.
    • Böse Positive, die mit einer Therapie warten wollen weil sie aus medizinischer Sicht noch nicht nötig ist.

Darf man eine solche Trennung in Gut und Böse machen?
Führt das nicht zu neuer Diskriminierung jener die noch nicht therapiert werden?
Soll man Positive künftig, auch wenn noch nicht medizinisch nötig, in die Therapie bringen?
Wie kann man die EKAF-Regel anwenden ohne neue Diskriminierung zu verursachen?

Lag zur Zeit des EKAF-Statements die Nachweisgrenze noch bei 40-50 Virenkopien je ml Blut liegt die Grenze bei vielen Laboren inzwischen bei 20. Wo soll die Grenze für die Virenlastmethode in Zukunft liegen. Je niedriger die Nachweisgrenze liegt umso eher liegt ein Positiver auch mal geringfügig darüber. Ist man heute mit 21 Virenkopien nicht mehr sicher, was man aber noch vor 5 Jahren noch war? Ist es nötig eine feste Grenze zu definieren, z.B. 20, 50 oder 100 Virenkopien je ml Blut? Gesichert ist, dass je niedriger die Virenlast umso geringer ist auch das Übertragungsrisiko. Das erklärt auch warum neuinfizierte das größte Risiko in der Übertragungskette sind, Positive in der Latenzphase (also mir nur wenigen hundert Virenkopien je ml Blut) aber ein eher geringes Risikopotential bilden. Erst am Ende der Latenzphase (2-10 Jahre) steigt die Virenlast wieder deutlich an.

Bin ich als HIV-Positiver unter erfolgreicher Therapie ein besserer Positiver als mein Mann, der noch nicht in Therapie ist?

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Über Diego62

Ich bin HIV-positiv, male Bilder und arbeite im Einzelhandel. Mein Wohnort ist ein Dorf in Südhessen.
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