Die Stigmatisierung von Menschen mit HIV

Menschen machen Unterschiede, das ist ganz natürlich. Wir unterscheiden Menschen zwischen dick und dünn, groß oder klein, jung und alt, hellhäutig oder nach anderen Hautfarben, nach Haarfarben und sonstigen Eigenschaften. Das dient dem Erkennen und ist soweit noch nicht verwerflich. Kritisch wird es erst dann, wenn diese Unterscheidungsmerkmale benutz werden um sich von einer Person oder Gruppe zu distanzieren. Hierum geht es auch bei Menschen mit HIV. Hier fängt Stigmatisierung an.

Dabei sind verschiedene Formen der Stigmatisierung zu unterscheiden.

  • Die Stigmatisierung von außen. Andere grenzen sich ab, reagieren abweisend, diskriminierend oder gar aggressiv.
  • Die erlebte Stigmatisierung meint wie jeder einzelne seine Stigmatisierung erlebt
  • Die Verinnerlichte Stigmatisierung, wenn man anfängt sich selber minderwertig zu fühlen weil man z.B. HIV hat.

Der Weg in die Stigmatisierung sieht wie folgt aus:

  • Unterscheidungskriterien werden gefunden
    • Negative Eigenschaften werden hervorgehoben
    • Eine Trennung findet statt
    • Es kommt zu Diskriminierung Statusverlust
  • Der Zeitpunkt ist individuell, z.B. bei Geburt oder nach einem Outing
  • Es kommt zu einer Schrittweisen Auseinandersetzung
  • Eigene Vorurteile oder auch gesellschaftliche Vorurteile werden übernommen
  • Dabei wirkt das soziale Umfeld (Familie, Freunde, Kollegen etc.) verstärkend oder abschwächend.

 

Es gibt Multiple- und Überlagerndestigmatisierung, damit ist gemein: Mehrfachestigmatisierung ist wenn jemand z.B. wegen seiner Hautfarbe und wegen einer Krankheit Stigmatisiert wird. Überlagernd ist Stigmatisierung wenn jemand weil er schwul ist und HIV hat stigmatisiert wird

Stigmatisierung schreckt Menschen davon ab so zu sein oder das zu sein was sie sind. Am Beispiel HIV bedeutet dies z.B. von Arbeitskollegen gemieden oder gemobt zu werden, von Ärzten nicht behandelt zu werden und das auch so zu erleben oder auch von Sexpartnern abgewiesen zu werden. Verinnerlicht wird diese Stigmatisierung wenn sich ein HIV-Positiver nicht mehr traut z.B. zum Zahnarzt zu gehen, sich versteckt und seine Medikamente heimlich nimmt, oder auch auf Sex mit anderen verzichtet. Wenn er anfängt sich schuldig zu fühlen weil er HIV hat oder gar sich selber isoliert. Verinnerlichtet Stigmatisierung hat einen negativen Einfluss auf das Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl. Die Strafrechtliche Zuordnung einer HIV-Übertragung wird als staatliche Stigmatisierung begriffen

Die verinnerlichte selbst Stigmatisierung muss gebrochen werden, am besten ist es sie erst gar nicht aufkommen zu lassen. Das bedeutet, wenn ich einen positiven der gerade sein Testergebnis bekommen hat abfange und ihm vorlebe dass sein Leben nicht zu Ende sein muss, das er fast normal weiter leben kann wird ihm das eine große Hilfe sein. Aber auch eine Unterstützung z.B. bei der Suche nach einem Schwerpunktarzt gehört dazu.

Dies war das Thema einer Themenwerkstatt in der Deutschen Aids-Hilfe an diesem Wochenende. Wir haben eine Möglichkeit gesucht eine Professionelle Unterstützung zu schaffen, in dem wir ein Boddyprojekt installieren wollen, eine Art großen Bruder, der Betroffene zu dem Zeitpunkt abfängt wenn er seinen HIV-Test bekommt. Es ging darum, was muss eine Solche Person mitbringen, was soll er_sie tun, welche Qualifikationen sind notwendig? Kann jeder der bereits länger infiziert ist diesen Part übernehmen? Auch wenn der Zeitplan sehr gestrafft war wurde darüber teilweise sehr heftig Diskutiert. In dem Themenschwerpunkt stand auch die Kriminalisierung von Menschen mit HIV, dies ist aber nicht näher besprochen worden. Dennoch haben wir nun eine Arbeitsgrundlage für die nächsten Monate in der jeder einzelne aus der Gruppe seinen Schwerpunkt als Aufgabe hat. Wir wollen ein Pilotprojekt installieren, das erforscht wie und wo ein solcher Boddy am wirkungsvollsten eingesetzt werden kann. Wo kann man Betroffene am besten abfangen um ihnen zu helfen?

Meine Aufgabe ist die Recherche nach anderen Bodyprjekten.

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Über Diego62

Ich bin HIV-positiv, male Bilder und arbeite im Einzelhandel. Mein Wohnort ist ein Dorf in Südhessen.
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