HIV-Emanzipation – Eigenverantwortung

„Ich bin uneinsichtig. Ich will nicht einsehen, dass die von mir mitgestaltete Gesellschaft nicht fähig ist, ihre Angst vor Menschen mit HIV und Menschen mit AIDS zu überwinden.“ Diese Worte sagte Karl-Georg Cruse im Juli 1988 auf einem Aktionstag der Deutschen Aids-Hilfe.

Ich möchte das aus heutiger Sicht ergänzen: >Ich sehe nicht ein, warum HIV-Positive die alleinige Verantwortung beim Sex tragen sollen.< Warum sind die Negativen der Ansicht sie trügen keine Verantwortung wenn es um den eigenen Schutz geht. Hat die Präventionspolitik versagt? Ich sehe es nicht ein als HIV-Positiver immer an den Schutz anderer denken zu sollen. Ich bin kein Barebacker, aber ich will mich auch mal einfach fallenlassen dürfen wenn es um Sex geht und nicht immer nur daran denken jemand anderen schützen zu sollen. Dank der Virenlastmethode ist das auch machbar ohne seinen Partner der Gefahr einer Infektion auszusetzen.

Ich bin nicht einverstanden mit einer Politik, die die Verantwortung heute allein den HIV-Positiven aufbürden will. Ich bin gegen eine Rechtsprechung die die Eigenverantwortung die Rita Süßmuth vertreten hat nicht auch in letzter Konsequenz anerkennt. Ich habe etwas gegen Ermittler, Anwälte und Richter denen gar nicht mehr so neue Erkenntnisse wie die Virenlastmethode egal ist. Ich bin wütend auf alle Ignoranten die HIV nicht als das sehen was es ist, eine chronische Krankheit wie z.B. Diabetes. HIV hat auch heute noch viel mit Sex zu tun, aber nicht mit dem miteinander, nichts mit Arbeit und anderen zwischenmenschlichen Beziehungen. Wen interessiert es ob ein Bäcker oder Koch Diabetes hat? Mit HIV ist er kein größeres Risiko für seine Kunden als hätte er ein Herzproblem.

Ich will nicht von der Boulevardpresse als Virenschleuder bezeichnet werden, das bin ich nicht, das ist auch kein anderer HIV-Positiver. Als HIV-Positiver bin ich kein Täter, als Opfer will mich aber auch nicht bezeichnen. Ich habe HIV weil ich irgendwann einmal mit jemanden Sex hatte der – ob er es wusste oder nicht – Positiv war und ich nicht auf Safer Sex bestanden habe, weil die Geilheit gesiegt hat.

Ich sehe es nicht ein, dass auch heute noch 25 Jahre nach der Aussage von Karl-Georg Cruse, so viele Menschen noch immer Angst vor Menschen mit HIV und AIDS haben. Ich sehe nicht ein warum, gerade auch im Medizinischen Bereich Menschen mit HIV, diskriminiert werden. Man sollte annehmen, dass Mediziner besser informiert sein sollten, aber das Gegenteil ist oftmals der Fall. Wie die die Befragung der „Positiven Stimmen zeigen wurden jedem fünften Positiven eine ärztliche Behandlung verweigert. Leute die HIV-Positive als verantwortungslos bezeichnen, weil sie selber nicht auf ihre Gesundheit achten wollen, machen mich wütend.

Ich habe kein Verständnis für Personen, Firmen, Chefs, Institutionen etc. die andere Menschen egal warum Diskriminieren.

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Über Diego62

Ich bin HIV-positiv, male Bilder und arbeite im Einzelhandel. Mein Wohnort ist ein Dorf in Südhessen.
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