„Die Allianz“ ein Artikel im SPIEGEL

In der Aktuellen Ausgabe DER SPIEGEL (35/2013) ist ein Artikel von Frau Ann-Katrin Müller zu lesen. Darin bezichtigt sie die Schwulenbewegung in den 1980ern gemeinsame Sache mit Pädophilen Gruppen gemacht zu haben. Frau Müller hat bereits vor in der Spiegelausgabe 22/2013 einen ähnlichen Artikel zum Verhältnis der Grünen zu pädophilen Forderungen veröffentlicht. Darin bezichtigt sie die Grünen die Forderung von Päderasten den Sex mit Kindern zu erlauben.

Dabei verwechselt sie „Päderastentum“ – Sex mit Kindern – mit Pädophilie – Sex mit Jugendlichen. Ob dies mit Absicht geschieht oder aus Unwissenheit wage ich nicht zu beurteilen. Sicher wäre Frau Müller besser gefahren diesen deutlichen Unterschied zu berücksichtigen und vorher besser zu recherchieren. Dabei geht Frau Müller in keiner Weise auf die damalige diskriminierende Gesetzgebung ein. Schwulen Männern war der Sex mit Personen unter 18 Jahren verboten, wobei für Heteros ein Schutzalter von 14 Jahren galt. Ein Gesetz, was Schwule sanktionierte, Heterosexuelle Pädophilie aber freigab.

Ich habe die Zeit die Frau Müller in ihrem Artikel der Schwulenbewegung sehr intensiv miterlebt, da ich die Diskussionen mit den sich anbiedernden Pädogruppen miterlebt habe. Ein weiterer eklatanter Fehler von Frau Müller ist, den LSVD, der erst einige Jahre später gegründet wurde dafür verantwortlich machen zu wollen. Bereits in der Mitte der 1980er wurde von Seiten der Schwulenbewegung den Interessen der Pädos eine klare Absage erteilt, der LSVD hat sich aber erst 1990 in der damals noch existierenden DDR gegründet. Ist also in die Debatte im Westen 1985/86 in keiner Weise involviert gewesen. Selbst der 1887 gegründete und inzwischen aufgelöste BVH (Bundesverband Homosexualität) hat diese Debatte nur noch am Ende mitverfolgt. Wobei er im Rahmen der Gründung erst einmal anders zu bewältigen hatte.

Ich stufe diese Artikel von Frau Ann-Katrin Müller als sehr gefährlich ein. Besonders im Blick auf die aktuellen Geschehnisse in Russland. Dort wird eine aggressive Politik (Gesetzt gegen Homo-Propaganda) gegen Homosexuelle gefahren. Dort werden marodierende Nazigruppierungen nicht verfolgt, wenn sie schwule Jugendliche öffentlich brutal misshandeln, vergewaltigen und bloßstellen. Anzumerken sei dass der Spiegel erst kürzlich mit der „Kompassnadel“ für seine ausgewogenen Berichte über Homosexuelle ausgezeichnet wurde. Mit diesem Artikel hat er sich selber diskreditiert. Eine bessere Recherche wär durchaus angebracht gewesen.

Frau Müller, setzen – sechs.

Hierzu habe ich einen Leserbrief an den Spiegel gesendet, in der Hoffnung dass dieser auch veröffentlicht wird. Hier nun der Wortlaut meiner Fassung an den SPIEGEL.

Leserbrief zu Spiegel 35/2013 S.59 „Die Allianz“

„Ich bin 1985 zur Homosexuellen Emanzipation Hannover e.V. gestoßen, in der ich in den folgenden Jahren auch im Vorstand war. Ich erinnere mich noch sehr gut an lange Diskussionsabende darüber ob wir als größte Schwule/Lesbische Gruppe in Niedersachsen zu einer Zusammenarbeit mit Pädogruppen bereit sind. Zu diesen waren namhafte Sexual- und Rechtswissenschaftler, als auch Vertreter der Pädogruppen eingeladen. Hierbei entwickelten sich lebhafte Debatten. Der Unterschied zwischen Pädos und Schwulen wurde bald klar herausgestellt und von Seiten der Homosexuellen sah man keine Schnittpunkte die man gemeinsam vertreten wolle. Eine Zusammenarbeit wurde dabei ausgeschlossen. Ähnliche Diskussionen wurden auch in anderen Schwul/Lebischen Gruppen geführt und dürften zu ähnlichen Ergebnissen geführt haben.

Anzumerken ist jedoch die rechtliche Situation der damaligen Zeit. Schwulen Männern war durch den §175 STGB jegliche sexuelle Beziehung zu Jugendlichen unter 18 Jahren verboten. Für Heterosexuelle galt dagegen eine Altersgrenze von 14 Jahren. Das Anliegen der Schwulenbewegung war einzig darin definiert diese Diskriminierung zu beenden. Was aber keinesfalls bedeutet, dass die Schwulen Sex mit 14 Jährigen haben wollten. Wohl aber wurde erkannt das es Grenzbereiche gibt in denen sich ein 18/19 Jähriger in einen 16 oder 17 Jährigen verliebt was damals strafbar war. Eine ähnliche Problematik gibt es heute bei Beziehungen zwischen 15 und 16 Jährigen.

Ich verstehe nicht was Ann-Katrin Müller mit ihrem Artikel bezwecken oder gegen wen sie Stimmung machen will. Das Thema wurde vor fast 30 Jahren abgearbeitet. Der SVD – der Vorgänger des heutigen LSVD -wurde 1990 in der damaligen noch DDR, also Jahre nach diesen Diskussionen gegründet. Er kann somit keine eigene Vergangenheit aufarbeiten, an der er nie beteiligt war. Etwas anders der 1987 gegründete und inzwischen aufgelöste BVH (Bundesverband Homosexualität) der aber auch nur für die Aufhebung des §175 eingetreten ist und somit gleiches Recht für alle forderte. Erst mit der Aufhebung des §175 wurde das allgemeine Schutzalter auf die heute gültigen 16 Jahre angehoben, was eher auf Seiten der Heterosexuellen für Verärgerung gesorgt hat. Eine Aufhebung damals diskriminierenden §175 zu fordern kann nicht mit der Interessenvertretung von Pädogruppen gleich gesetzt werden. Mit den gleichen Argumenten hat die russische Regierung das Homofeindliche Gesetz gegen „Homo Propaganda“ durch gebracht.

Die Zitierte „Argumentationshilfe“ in „Recht Schwul“ war in erster Linie an junge Schwule die zu unter 18 Jährigen eine Beziehung hatten gemünzt. Auch darüber wurde ausgiebig diskutiert. Das Pädogruppen dies für sich genutzt haben kann jedoch den schwulen Anwälten nicht zur Last gelegt werden. Von einer Allianz kann also nicht die Rede sein, auch wenn sich die Pädogruppen das gewünscht hätten.“

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Über Diego62

Ich bin HIV-positiv, male Bilder und arbeite im Einzelhandel. Mein Wohnort ist ein Dorf in Südhessen.
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