Vor dem Welt-AIDS-Tag

Jedes Jahr um den Welt-Aids-Tag häufen sich Berichte und Veranstaltungen zum Thema HIV und Aids.

Am vergangenen Donnerstag haben Zeitzeugen im Swichboard in Frankfurt über ein Leben seit über 25 Jahren mit HIV berichtet. Wer zu der Damaligen Zeit seine Diagnose bekam hatte meist noch eine Lebenserwartung von 2-5 Jahren. Langzeitüberlebende gibt es dennoch. Dabei waren Halu, er arbeitet mit jungen Positiven. Bernd Aretz, Anwalt i.R. mit Sitz im Nationalen Aids-Beirat. Dr. Peter Gute, HIV-Facharzt in Frankfurt, er hat vor seinem Studium als Pfleger den ersten Aids-Patienten in Frankfurt mit behandelt. Es war ein sehr spannender Abend mit vielen Berichten aus der frühen Zeit als Aids noch meist tödlich verlief. Aber auch zur heutigen Zeit. Dabei kamen mir viele Gedanken aus einer Zeit, als ich z.B. Klaus kennen lernte. Es muss Anfang 1986 gewesen sein, er war der erste den ich kennen lernte der sich als Positiv geoutet hat. Die Bekanntschaft hat mir geholfen einen ungezwungenen Umgang mit HIV / Aids zu haben. Oder Michael, der von seinem Zahnarzt nicht mehr behandelt wurde, weil es sich doch eh nicht mehr lohnt.
Es wurde aber auch danach gefragt ob der Welt-Aids-Tag nicht auf Dauer seine Bedeutung verliert. Solange Menschen mit HIV infiziert werden oder an AIDS sterben wird der WAT seine Bedeutung nicht verlieren. Noch sterben in über 90% der Länder zu viele Menschen an den Folgen von AIDS. Die Gründe sind meist eine mangelnde Versorgung mit den nötigen Medikamenten. Doch auch in Deutschland sterben jedes Jahr noch viele Menschen an den Folgen einer zu spät erkannten HIV-Infektion. Angst vor Diskriminierung, Ausgrenzung und Kriminalisierung sind oft die Ursache eine mögliche Infektion nicht erfahren zu wollen, aber auch das Symptome nicht ernst genommen werden oder von Hautärzten nicht als solche erkannt werden, weil ein 50 jähriger Familienvater eben kein HIV haben kann.
Stigmatisierung von Menschen mit HIV macht krank und tötet. Es ist aus heutiger Sicht wichtig, das eine Infektion so früh wie möglich erkannt und behandelt wird. Zum einen, weil eine frühe Therapie die Chancen verbessert normal alt zu werden aber auch weil eine wirksame Therapie vor einer Weitergabe des Virus schützt. Deswegen ist es wichtig, dass jeder ohne Angst vor gesellschaftlichen und rechtlichen Folgen zum Test gehen kann.

Am Freitag gab es einige Lesungen zum Thema HIV an der Frankfurter Uniklinik. Dozenten, Ärzte und Professoren, aber auch einige Betroffene habe über verschiedene Themen zu HIV vorgetragen. Nach einer Einführungslesung gab es 10 parallel stattfindende Lesungen. Ich habe mir die Lesung von Prof. Keppler angehört. Prof. Keppler hat über neues aus der Forschung berichtet. Nach einer Einführung wie das HI-Virus funktioniert, hat er drei neue Strategien erarbeitet a) wie HIV möglicherweise auch behandelt werden könnte und b) über einen denkbaren Ansatz für eine Impfung.
zu a) Das Antigen CD317/Tetherin verhindert dass ein neues Virusteilchen aus der Zelle austreten kann, indem es diese quasi an die Zelle klebt und somit verhindert, dass das Virus in andere Zellen eindringen kann. Daraus ergeben sich Möglichkeiten neue Medikamentenklassen zu entwickeln. Ein anderer Ansatz ist SAMHD1 dies kann verhindern, dass sich das Virus in Inaktive Zellen einbauen kann, somit wird es für das Virus schwerer ein Reservoir zu bilden, woraus bisher auch nach Jahrelanger Behandlung immer wieder neue Viren produziert werden können. Auch das ist Grundlagenforschung um neue Medikamente zu entwickeln.
zu b) Broadly Neutralizing Antibodies (BNA) könnte der Schlüssel sein Impfstoffe zu entwickeln. Alle Ansätze Impfstoffe zu entwickeln sind bisher daran gescheitert, dass das HI-Virus seine Oberfläche sehr schnell ändert. Es gib aber einige wenige Regionen auf der Virenhülle, die sich nicht verändern. In dieser Richtung wird schon seit Jahrzehnten geforscht aber jetzt hat man ca. 30 neue Antikörper entdeckt die bis zu 100fache Potenz haben als die bisher bekannten. Diese BNAs setzen sich an den Virus und verhindern ein Andocken an die Zelle oder helfen dem Körper die Viruspartikel zu zerstören. Es ist ein Ansatz einen Impfstoff zu entwickeln der entweder ähnlich wie bei Tollwut nach einer Infektion verabreicht wird und den Körper hilft das Virus besser zu bekämpfen oder vielleicht auch einen Impfschutz zu entwickeln, der frühzeitig gegeben dafür sorgen kann, dass es bei einer Übertragung des Virus nicht zu einer Infektion kommt wie es bei anderen Schutzimpfungen auch der Fall ist.
Wenn man aber bedenkt, dass die Entwicklung neuer Medikamente 10-15 Jahre dauert, werden wir noch einige Jahre warten müssen bis aus den Forschungsergebnissen neue Möglichkeiten einer Therapie verfügbar sind.

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Über Diego62

Ich bin HIV-positiv, male Bilder und arbeite im Einzelhandel. Mein Wohnort ist ein Dorf in Südhessen.
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