Wo beginnt verinnerlichte Stigmatisierung?

AIDS kriegen ja nur Schwule, Junkies, Prostituierte und Afrikaner. Nein, das ist nicht meine Meinung, es gibt aber ziemlich genau die Vorurteile wieder die sehr viele mit sich tragen. Genau wie die Ansicht dass nur promisk lebenden Menschen HIV bekommen. Genau diese Vorurteile sind es, die jemanden, der ein HIV-Positiv als Test dazu verurteilt zu einer dieser Gruppen zu gehören. Zu einer Gruppe, die in den Augen einer Mehrheit, nicht der „Norm“ entspricht. Damit wird der/die 16 Jährige der sich bei seinem/ihrem ersten Sex infiziert hat als Außenseiter_in diskreditiert.

Wo beginnt die Stigmatisierung eines Individuums mit HIV? Gibt es eine Stigmatisierung bereits vor einer Infektion? Vorurteile und Diskriminierung bestimmter Teile der Menschen, die sich an ihrer Hautfarbe, ihrer sexuellen Orientierung, ihres Suchtverhaltens ausmachen, orientieren sind dafür durchaus verantwortlich.

Ich lebe seit über 30 Jahren offen Schwul, das heißt ich war damals kein „normaler“ Schwuler, ich war eine „polit Schwester“, ein Aktivist der das schöne versteckte Leben der schwulen Mehrheit öffentlich machen wollte. Damalige Demos zum CSD waren eher unscheinbar und wenig beachtet. Sicher haben Menschen wie ich dadurch viel erreicht. Vor 30 Jahren war man als schwuler Mann noch ein Exot. Heute ist es ganz natürlich, wenn ein Wowereit als offen schwuler Mann Bürgermeister von Berlin ist. Wenn andere Prominente offen im Radio über ihr Schwulsein reden. Heute kann ich meinen Mann offen auf der Straße küssen ohne schräg angesehen zu werden. Die schwulen Parade CSD ist schon lange kein lahmes Demonstrieren einiger Aktivisten mehr, sondern ein Publikumsmagnet und auch bei den Medien finden sie Interesse.

Und dennoch werden HIV und Schwulsein noch immer in einen Topf geworfen. Noch immer ist man ja selber schuld HIV zu haben, man ist ja schließlich schwul und alle Schwulen haben doch dieses AIDS! So findet eine Stigmatisierung bereits vor einem HIV-Test statt. Ich bin schwul, ich habe deswegen HIV/Aids, ist die Schlussfolgerung daraus. Hier beginnt die Selbststigmatisierung und damit auch die Verinnerlichung der Stigmatisierung mit einem positiven HIV-Test. Das gleiche ist auf die anderen Betroffenengruppen übertragbar. „Ich bin Afrikaner ich habe Aids.“… Die Gefahr sich deshalb minderwertig zu fühlen ist sehr groß. Hizu kommen Stigmatisierung wegen Zugehörigkeit zu ethnischen Gruppen, sexuellen Minderheiten etc.

Diese Vorverurteilung gilt es zu durchbrechen. HIV muss zu dem werden, was es ist: eine Infektion, die alle treffen kann. Ein Schubladendenken schadet jedem der eine Diagnose erhält, noch mehr jenen die aus Angst vor Benachteiligungen keinen Test machen lassen.

Einer anfänglichen verinnerlichten Stigmatisierung kann man entgegen wirken, indem man Menschen auffängt wenn sie ein positives HIV-Test Ergebnis erhalten. Ich habe bereits über ein Projekt berichtet, an dem ich beteiligt bin. Jetzt haben wir einen Film zu fertig um damit um Buddies und Kooperationspartner zu werben, bevor wir dann nach den nötigen Schulungen starten zu können.

Hierzu die passenden Links zu einer Beschreibung der DAH zu dem Projekt Sprungbrett und natürlich auch zu dem Film.

http://blog.aidshilfe.de/2013/12/04/an-mir-siehst-du-dass-ich-es-uberlebt-habe/

http://www.youtube.com/watch?v=xoGRsNvxri8

Für die Modellphase sind die Städte Hamburg, Berlin, Potsdam, Frankfurt a.M., Köln und Aachen, Karlsruhe, Regensburg und München geplant.

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Über Diego62

Ich bin HIV-positiv, male Bilder und arbeite im Einzelhandel. Mein Wohnort ist ein Dorf in Südhessen.
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