Kein Virus – kein Risiko

In den Iowa/USA wurde vor einiger Zeit ein HIV-Positiver zu 39 Jahren Haft verurteilt. Er geht nun in Revision. Was war sein verbrechen das er zu solch hohe Haftstrafe verurteilt wurde? Bestraft sollt er werden weil er als HIV-Positiver Sex mit jemand anderen hatte und seinen Partner nicht von seiner Infektion informiert hat. Bei dem Urteil wurde jedoch nicht berücksichtigt, das er auf die Verwendung eines Kondoms bestanden hat. Zudem waren dank einer Erfolgreichen Therapie keine Viren vorhanden, und er war somit nicht Ansteckend. Es war für ihn erwiesen unmöglich einen Partner zu infizieren. Jegliche Bestrafung des Mannes ist damit ungerechtfertigt und ein Verstoß gegen seine Rechte.

Kein nachweisbarer Virus ist bereits Schutz. Daher fordern Aktivisten seit einigen Jahren dies in der HIV/Aids Aufklärung und auch Rechtsprechung zu berücksichtigen.

Immer wieder hört man den Vorwurf: „Ihr wollt doch nur ohne Kondom ficken!“ Es geht aber nicht nur darum kondomlosen Sex haben zu können. Auch wenn Sex ohne Gummi für viele ein Bedürfnis ist, nicht nur für HIV-Positive. Besonders auch Heterosexuelle Paare haben einen Kinderwusch, der somit ermöglicht wird. Wo kein Virus, da keine Ansteckung! Diese Botschaft gilt beim Sex, genauso wie Beruflich. Ein HIV-Positiver kann demnach auch als Chirurg oder Koch arbeiten ohne andere in irgendeiner Weise zu gefährden. Die Briten haben diese Tatsache inzwischen im Arbeitsrecht berücksichtigt und Berufsverbote gekippt. In Schweden wurde im Oktober 2013 anders, als in den USA, ein HIV-Positiver wegen Sex ohne Kondom freigesprochen, weil er eben nicht Ansteckend war. Einen besseren Schutz als eine erfolgreiche HIV-Therapie gibt es kaum.

Wie lang braucht Deutschland noch um diese Tatsache zu berücksichtigen? Im Gesundheits- und Justizministerium verschläft man diese Tatsache seit Jahren. Der Nationale-Aids-Beirat fordert dies bereits seit einiger Zeit. Was wir brauchen ist ein unaufgeregter Umgang mit HIV. Ein früher Test und eine erfolgreiche Behandlung schützt vor einer Weitergabe des HI-Virus besser als die Angst davor. Das größte Risiko in der Übertragungskette sind die Personen die Angst vor einem Test haben und so unbewusst viele Jahre einen Virus mit sich rumtragen und diesen unbewusst an andere weiter geben kann. Eine Kriminalisierung von Menschen mit HIV verhindert frühe Tests und somit eine frühe Behandlung. Dadurch wird eine Übertragung von HIV durch fehlgeleitete Kriminalisierung Staatlich gefördert.

Es ist dabei weniger die Angst vor dem Virus, was vielfach von einem HIV-Test abschreckt. Sicher ist auch eine gewisse Verdrängung dabei aber viel mehr die Angst vor Stigmatisierung, vor Einschränkungen bei Versicherungen und Arbeit sowie die Kriminalisierung von Menschen mit HIV sind Ursachen für zu späte Tests.

Durch diese Praxis werden Negative vor einer möglichen Neuinfektion nicht geschützt. Und bereits Infizierte werden unnötig von einer Therapie abgehalten, die zum einen ihre Gesundheit erhält und zum anderen andere vor einer Infektion schützen kann.

Gerade habe ich dies fertig geschrieben und finde den Artikel:

Aids ist keine düstere Bedrohung mehr

Wie ich finde eine wunderbare Ergänzung.

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Über Diego62

Ich bin HIV-positiv, male Bilder und arbeite im Einzelhandel. Mein Wohnort ist ein Dorf in Südhessen.
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