Positive Begegnungen 2014

Alle zwei Jahre ist die Selbsthilfekonferenz der HIV-Infizierten und deren Angehörigen. Die Positiven Begegnungen werden bewusst in eine Zeit gelegt in der in den meisten Bundesländern Ferien sind um auch HIV-Positiven Schülern eine Teilnahme zu ermöglichen. Fast zwei Jahre habe ich mich darauf gefreut und dann haut mir der Laden in dem ich arbeite eine Urlaubssperre wegen Inventur dazwischen. Eine Inventur, eine Urlaubssperre mitten in der Ferienzeit. Da fragt man sich, was soll das denn? Die ganzen Jahre war der Inventurtermin Mitte bis Ende September und nun in der Urlaubszeit. Was hat den Betriebsrat geritten da seine Zustimmung zu geben. Es will mir nicht ins Hirn.

Darf ich mich deswegen diskriminiert fühlen? Vielleicht sollte ich das tun und diese willkürliche Entscheidung als Diskriminierung zur Anzeige bringen. Gibt es doch dafür seit einem Jahr eine Kontaktstelle bei der deutschen Aids-Hilfe. Oder ist es Mobbing an der Belegschaft, die für ihren Urlaub auf die Ferienzeit angewiesen ist?

  • Ich habe mich darauf gefreut viele liebe Menschen wieder sehen zu können und Freundschaften pflegen.
  • Ich wollte die Grundlagen für die nächsten zwei Jahre mitgestallten.
  • Ich wollte mit anderen HIV-positiven frei reden können.
  • Ich habe mich vergeblich auf die Plenen gefreut.
  • Wie gerne wäre ich noch offener aufgetreten als bei der letzten PoBe.
  • Kassel ist für mich ein Stück Heimat, und gerade darum habe ich mich auf die PoBe in Kassel gefreut.

Ich bin stink sauer!

Ich habe HIV, damit bin ich chronisch krank!
Seit der Therapie sind die Blutfettwerte erhöht!
Ich habe chronische Schmerzen an den Achillessehnen!
Ich leide stressbedingt, inzwischen chronisch, seit Jahren an Tinnitus!
Bei etwas größeren Belastungen schmerzt mir der Ellenbogen, so dass ich kaum etwas heben kann!
Meine Nieren sind durch Medikamente angegriffen!
Mein Blutdruck ist ohne Medikamente viel zu hoch!
Warum bin ich seltener „krank“ als meine „gesunden“ Kollegen?

Was wären meine Themen bei den Positiven Begegnungen gewesen?

Wie immer hätte ich ein Problem gehabt mir ein Thema raus zu suchen, einfach weil viel zu viel parallel sattfindet.

  • „Ich will den ersten Termin um 7:00 Uhr früh“
    Ich will beim Arzt nicht ersten den letzten Termin des Tages bekommen
  • „Soll ich – oder lieber nicht?“
    Wem sag ich’s/wem nicht, und warum und wann?
  • „Sich wehren lohnt sich!“
    Zur Kontaktstelle HIV-Bedingter Diskriminierung bei der DAH
  • „‚Angst essen Seele auf‘, verhindert aber keine HIV-Infektion“.
    Für mich eines der wichtigsten Themen aus dem Bereich Kriminalisierung von Menschen mit HIV. Kann eine -Strafverfolgung andere vor einer HIV-Infektion schützen?
  • „Schutz durch Therapie: Lust oder Last?“
    Dieses Thema ist auch ergänzend zu dem vorherigem zu betrachten.
  • „Strafrechtlich verfolgt wird nicht nur in Deutschland…“
  • „Nichtinfektiosität: konsequenzen für Selbstwert, Selbststigma und Sexleben von schwulen HIV-positiven Männern“
  • „Gemeinsam sind wir stark – gegen Kriminalisierung in Deutschland“
  • „Das Urteil ist gesprochen: Wir sind behindert!“
    Das Bundesarbeitsgericht hat eine HIV-Infektion als Behinderung im Sinne des AGG erklärt. Damit wurden im Arbeitsrecht, auch in der Probezeit, die Rechte von HIV-positiven gestärkt.
  • „kollektiver Mut zum Coming Out – Good Practice aus der Geschichte emanzipatorischer Bewegungen?“

    Unsere eigene Verantwortung im Kampf gegen Diskriminierung.
  • „Scheigen ist Silber – Reden ist Gold?“
    Mein Virenlast ist unter der Nachweisgrenze – ich bin nicht infektiös. Muss ich trotz dem mit einem Sexualpartner über meinen Status reden?

Nebenbei gibt es zwei wesentliche Projekte:

  • Setz dich zu mir auf mein Sofa…
    Ein Projekt was wir und in der Themenwerkstatt „verinnerlichte Stigmatisierung“ ausgedacht ´haben. Auf einem Sofa sollen Menschen zum Thema HIV befragt werden. Dies können Teilnehmer der PoBe sein aber auch Passanten vor Ort. Da die PoBe in Kassel am ehemaligen Hauptbahnhof stattfindet ist dort auch mit erhöhtem Publikumsverkehr zu rechnen und wird einige interessante Ergebnisse bringen.
  • „PoBe meets CSD – Die Demo“
    Hier rauf habe ich ganz besonders gefreut. Mit Verstärkung des Kassler CSD gegen die Diskriminierung von HIV-positiven und Schwulen/Lesben/Transgendern… zu demonstrieren.

Ich bin gespannt was die PoBe 2014 bringen wird. Vielleicht finde ich später einen Punkt an dem ich mich engagieren kann. Noch immer liegt mir die Kriminalisierung von Menschen mit HIV sehr am Herzen. Für mich geht das aber noch nicht weit genug. HIV-positive sind auch in anderen Bereichen stark benachteiligt, auch hier muss viel mehr geschehen. Die Medien berichten viel zu wenig

  • über die nicht Infektiosität bei einer erfolgreiche HIV-Therapie.
  • über eine normale Lebenserwartung durch moderne Therapieformen.
  • darüber dass man sich mit HIV im Alltagsleben nicht infizieren kann.
  • über Diskriminierung von Menschen mit HIV
  • über Stigmatisierung/Selbststigmatisierung

Ich erwarte mehr Medienpräsenz zu diesen Themen. Viel zu oft werden HIV-positive zu Unrecht als Virenschleuder oder Gefahr für andere dargestellt. Oder man ist selbst „Schuld“ weil man ja schwul ist, oder Drogenkonsument, oder prostituiert oder promisk oder …

Es gibt so viel zu tun, so viele Themen. Es wird noch viele Jahre brauchen um all diese Themen an zu gehen.

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Über Diego62

Ich bin HIV-positiv, male Bilder und arbeite im Einzelhandel. Mein Wohnort ist ein Dorf in Südhessen.
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