Keine Aids-Kranken mehr ab 2020?

Die Deutsche AIDS Hilfe hatte ihre Mitgliederversammlung. Neben einer Vorstandswahl hat man sich das hehre Ziel gesetzt das in Deutschland bis 2020 keiner mehr an AIDS erkranken soll. Dies bedeutet nicht nur dass die Diskriminierung von Menschen mit HIV beendet wird, dies schließt die Kriminalisierung mit ein. Es bedeutet auch dass sich alle Menschen die ein noch so geringes Risiko hatten sich freiwillig auf HIV testen lassen, da in Deutschland einem HIV-Test ausdrücklich zugestimmt werden muss.

Seit vielen Jahren werden regelmäßig zum Welt-Aids-Tag Kampagnen gegen die Diskriminierung von Menschen mit HIV gestartet. Lange Zeit gab es die Rollenmodelle in denen Menschen mit HIV mit Freunden, Partnern und Kollegen gezeigt wurden die frei von Angst vor Diskriminierung mit HIV leben. In diesem Jahr gibt es die Kampagne „WÜRDEST DU…“. Über den Sinn der Kampagnen mag man streiten. Ebenso darüber ob sie wirklich geeignet ist Diskriminierung abzubauen.

WÜRDEST DU JEMANDEN MIT HIV KÜSSEN?
WÜRDEST DU MIT EINEM HIV-POSITIVEN IN DIE KANTINE GEHEN?
WÜRDEST DU ZU EINEM HIV-POSITIVEN ARZT GEHEN?
WAS WÜRDEST DU ZU EINEM HIV-POSITIVEM BÄCKER SAGEN?
DÜRFEN KEINE KINDER MIT EINEM HIV-POSITIVEM KIND SPIELEN?
WÜRDEST DU MIT EINEM HIV-POSITIVEN ZUSAMMEN ZIEHEN?

Sechs Wochen vor dem Welt-Aids-Tag für jede Woche eine solche Frage. Hilft das wirklich etwas gegen Diskriminierung zu bewirken? Jeder der diese Fragen ablehnend beantwortet wird seinen Grund dafür finden. Für diese Personen mag dieser Grund nicht mal diskriminierend gemeint sein, sondern mit eigenen Ängsten verbunden sein. Ist es nicht wesentlich sinnvoller zu zeigen dass man sich mit HIV nicht so leicht anstecken kann. Vielleicht dass ein Ansteckungsrisiko bei ungetesteten höher ist als bei Menschen die offen mit HIV leben. Sicher wird niemand offen über seine HIV-Infektion reden wenn er mit Diskriminierung und Ausgrenzung rechnen muss.

Ich für meinen Teil wünsche mir eine Werbereihe, die nicht nur die Zeit um den WAT abdeckt, die zeigt wo und wann Menschen mit HIV nicht ansteckend sind. In der glaubwürdig gezeigt wird das HIV-Positive nicht Ansteckend sind wenn sie erfolgreich behandelt werden. Die darüber informiert das HIV nicht durch soziale Kontakte übertragen werden kann… All die Punkte die Urängste beim Umgang von Menschen mit HIV müssen aufgelöst werden.

Ebenso wichtig ist dazu wesentlich stärker gegen die Kriminalisierung von Menschen mit HIV anzugehen. Erst vor kurzem wurde eine Frau in Oldenburg zu einer Haftstrafe mit Sicherheitsverwahrung verurteilt weil sie trotz HIV ungeschützten Sex mit Männern hatte, obwohl sie niemanden angesteckt hat. Wenn man bedenkt das die Mehrzahl der Freier beim Besuch von Sexarbeitern gerne auf ein Kondom verzichten würde, muss man sich offen fragen wer hier für den (eigenen) Schutz verantwortlich ist. Es ist mehr als fraglich ob das Gericht in Oldenburg im Sinne der Prävention geurteilt hat.

Selbst wenn die unnötige Kriminalisierung, Diskriminierung und auch die Ängste vor einer unmöglichen Infektion ausgeräumt sind wird es kaum möglich sein alle Menschen freiwillig zu einem HIV-Test zu bewegen. Hier steht wiederum das Recht eine Hindernis. In Deutschland muss einem HIV-Test durch den Arzt ausdrücklich zugestimmt werden. Das Gesetzt hatte in den Anfängen von AIDS einen guten Grund, es sollte jeder frei entscheiden können ob er über eine Infektion informiert wird und damit auch über einen wahrscheinlich frühen Tod oder eben nicht. Die Situation heute ist jedoch eine andere. Ein früher positiver HIV Test ermöglicht eine frühzeitige Behandlung und stellt somit im Vergleich zu früheren Jahren einen großen Vorteil dar. Ich stelle daher wiederholt in Frage ob diese Gesetzgebung noch sinnvoll ist. Mein heutiger Standpunkt ist das einem HIV-Test bewusst widersprochen werden sollt. Der Vorteil eines frühen Tests heute überwiegt meines er achtens dem Vorteil des Nichtwissens.

Um das Ziel der Deutschen-Aids-Hilfe zu erreichen bedarf es mehr als nur den Abbau der Diskriminierung. Eine erhöhte Testbereitschaft oder besser eine flächendeckende Testbereitschaft lässt sich allein so nicht erreichen. Ein Zwangstest kann keine Lösung sein aber eine bewusste Ablehnung eines HIV-Tests kann das Ziel der DAH näher bringen. Eine wesentliche Rolle dabei spielen aber auch Hausärzte die HIV als mögliche Ursache für ungeklärte Erkrankungen oftmals bei Familienvätern, auf Grund ethnischer Zugehörigkeit oder des Alters ausschließen. Auch das ist eine Art der Stigmatisierung.

Es gibt also viel zu tun um das sicherloch sehr hoch gesteckte Ziel zu erreichen. Die DAH hat dafür 6 Jahre Zeit und viel Arbeit vor sich. Gegen die Kriminalisierung von Menschen mit HIV zu arbeiten gehört zu meinem Interesse an dem ich auch mitarbeiten will.

Mehr zur MV der DAH ist hier zu lesen:

http://www.aidshilfe.de/de/aktuelles/meldungen/deutsche-aids-hilfe-ende-von-aids-bis-2020-ist-moeglich

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Über Diego62

Ich bin HIV-positiv, male Bilder und arbeite im Einzelhandel. Mein Wohnort ist ein Dorf in Südhessen.
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