14.000

Was soll diese Zahl? Zunächst einmal etwas vorab…

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat kürzlich wie in jedem Jahr die neuen Zahlen zu HIV veröffentlicht. Im Jahr 2013 lebten in Deutschland 80.000 Menschen mit HIV. Es gab 3.200 Neudiagnosen, dies ist nicht zu verwechseln mit Neuinfektionen, da bei den Neudiagnosen viele ältere Infektionen dabei sind. Viele Diagnosen kommen so spät das einige davon an Aids erkranken oder gar sterben. Das erklärt auch heute noch die Mehrzahl der 550 Aids-Tode im Jahr 2013. Die meisten davon ließen sich vermeiden wenn man doch früher zum HIV-Test ginge. 3.200 Neudiagnosen ist zum Vorjahr ein leichter Anstieg aber nicht sonderlich besorgniserregend.

Stagnierend ist seit einigen Jahren die Zahl der Neudiagnosen bei schwulen Männern, leicht sinkend bei Drogengebrauchern steigend jedoch bei Heterosexuellen. Den Großteil der HIV-positiven machen nach wie vor die schwulen Männer aus (rd. 66,25%), gefolgt von Heterosexuellen (rd. 22,5%) und Drogengebraucher (rd. 9,75%) Bluter und Kinder liegen zusammen bei ca. 1%. Diese Statistik des RKI zeigt wo in Zukunft besonders in der Prävention gearbeitet werden muss. Da Kondome allein nicht reichen um die Zahl der Neuinfektionen zu senken muss man zusätzlich andere Wege finden.

Da kommen jetzt die 14.000 in Spiel. 14.000 ist die Zahl der HIV-positiven die mit einer nicht erkannten Infektion leben, weil sie noch nie einen HIV-Test haben machen lassen oder der letzte Test zu weit zurückliegt um noch negativ zu sein. Mit einem HIV-Test ist es ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest. Ein NEGATIV ist eben nur eine Aussage zu einem kleinen Zeitfenster und kann sich jederzeit ändern. Daher sollten sich sexuell aktive Menschen, die auch mal außerhalb der Beziehung Sex haben regelmäßig auf HIV testen lassen.

14.00 bedeutet jeder 6. HIV-positive, (17,5%) weiß nichts von seiner Infektion.

Wenn ich auf meinen letzten Bloggbeitrag zurück komme muss bis 2020 diese Zahl deutlich sinken. Um das zu erreichen ist eine wesentlich höhere Testbereitschaft zu erreichen, jeder einzelnen müsste zudem wesentlich öfter einen HIV-Test machen lassen. Sehr viele niederschwellige Testangebote werden in der Schwulenszene angeboten. Heterosexuellen bleibt das Angebot der Gesundheitsämter oder aber einem aufgeschlossenen Hausarzt der bei einem unklaren Krankheitsbild auch zu einem HIV-Test rät, was viele Ärzte jedoch nicht machen weil ein Familienvater oder eine Mutter kann ja einfach kein HIV haben.

Ein wichtiger Schritt in der HIV-Prävention liegt seit Jahren darin mehr Personen zum Test zu bringen. Dazu muss es in Zukunft jedoch noch mehr und auch öfter Test-Aktionen geben. Test-Wochen die nicht nur Homo- oder Bisexuelle Männer ansprechen aber auch heterosexuelle Männer und Frauen.

Die HIV-Prävention heute baut im Wesentlichen folgende Punkte auf:

  1. Kondome schützen bei sexuellen Kontakten mit fremden oder neuen Partnern deren Serostatus unbekannt ist.
  2. Safe use betrifft den Drogengebrauch und soll eine Infektion über den gemeinsamen Spritzengebrauch oder aber gemeinsam genutzte Röhrchen beim kokaingebrauch verhindern.
  3. Vor wenigen Jahren anerkannt dazugekommen ist die sogenannte Virenlastmethode. Das bedeutet dass ein HIV-positiver der in einer erfolgreichen Therapie ist nicht ansteckend ist. (Ich habe wieder holt darüber geschrieben und gehe an dieser Stelle daher nicht näher auf die Bedingungen ein)
  4. Ganz neu in den USA bereits erfolgreich eingesetzt in Frankreich in einer Vielversprechenden Studie ist die PrEP. Ein HIV-negativer nimmt zu seinem eigenen Schutz das HIV-Medikament Truvada® und kann so selber eine Ansteckung verhindern. Diese Methode ist in Deuschland noch nicht zugelassen und noch ist fraglich ob die Krankenkassen die hohen Kosten dafür übernehmen wird.

Ein wesentlicher Punkt der Prävention in Zukunft der Punkt 3 sein. Hierbei spielen die 14.000 HIV-positiven die über ihren Status nicht informiert sind jedoch eine wesentliche Rolle. Es ist anerkannte Tatsache dass gerade die Ungetesteten eine große Rolle bei der weiter Gabe des HI-Virus spielen. Einen Großteil der Neuinfektionen passieren weil der Partner seinen Status einfach nicht kennt. Es gibt viele Gründe warum jemand seinen Status nicht kennt. Einige gehen regelmäßig zum HIV-Test infizieren sich dazwischen jedoch und sind kurz nach einer Infektion besonders ansteckend. Andere haben sich vielleicht vor einigen Jahren mal testen lassen und gehen irrtümlich davon aus das ein negativer Test auch so bleibt. Weiter haben sich noch nie testen lassen.

Warum sich Menschen nicht oder nur selten testen lassen, dafür gibt es viele Gründe. Diskriminierung und Ausgrenzung sind ein Punkt, die Kriminalisierung von Menschen mit HIV ein weiterer, dazu kommen einfach Verdrängung oder die Angst mit HIV konfrontiert zu werden. Der Gedanke Tod kommt vielen wenn sie einen HIV-positiv Test in den Händen halten. Diese Ängste müssen abgebaut werden. Ein wesentlicher Schritt zu den Ängsten ist das Buddy-Projekt der DAH, ein andere sind Kampagnen gegen Diskriminierung und Ausgrenzung als auch der Kampf gegen die Kriminalisierung. Das Buddy-Projekt startet jetzt. Ein Koordinationstreffen dazu ist angesetzt, leider zeitgleich mit einer neuen Themenwerkstatt der DAH zum Thema Kriminalisierung zu dem ich mich vorher angemeldet habe. Beides sind für mich sehr wichtige Themen aber ich kann leider nur bei einem von beiden sein.

Ziel der DAH ist es bis 2020 soll keiner mehr an Aids erkranken schon gar nicht sterben. Das bedeutet, dass diese 14.000 bis 2020 getestet und in Behandlung sind. Ganz auf null drücken wird sich diese Zahl nie lassen, es wird immer wieder Personen geben die sich Infizieren und nicht zeitnah getestet werden, weil sie keine Symptome haben oder weil ein Test erst nach 8-12 Wochen wirklich aussage fähig ist.

Je früher man über seine HIV-Infektion informiert ist, umso eher kann man mit einer Therapie beginnen und somit sich selber vor Komplikationen durch ein zerstörtes Immunsystem schützen als auch seine Sexualpartner vor einer Ansteckung. Ein Zwangstest oder wie Peter Gauweiler es Ende der 1980 wollte regelmäßige Reihenuntersuchungen sind nach wie vor der falsche Weg. Ein bewusster Verzicht auf einen Test ist jedoch etwas anderes als ein freiwilliger Test. Potentielle Blutspender können sich entscheiden entweder Blut zu spenden und gleichzeitig auf HIV getestet zu werden oder aber kein Blut zu spenden. Warum soll das in der Ärztlichen Praxis nicht ähnlich möglich sein. Bewusst nein zu einem Test zu sagen ist etwas anderes als einen Arzt zu sagen jetzt mach mal einen HIV-Test. Oder die Aktion mehr auf Seite des Arztes zu legen, der seinen Patienten regelmäßig ein Testangebot macht statt eine mögliches Risiko seiner Patienten von vornherein auszuschließen.

Advertisements

Über Diego62

Ich bin HIV-positiv, male Bilder und arbeite im Einzelhandel. Mein Wohnort ist ein Dorf in Südhessen.
Dieser Beitrag wurde unter Aids-Hilfe, Diskriminierung, Gesundheit, HIV, Medikamente, Stigmatisierung abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s