Bin ich Charlie?

Nach dem Attentat am 7. Januar in der Redaktion der Zeitung Charlie Hebdo sind plötzlich alle Charlie: „Je suie Charlie!“. Bin ich Charlie? Habe ich mich gefragt.

Ich verurteile Gewalttaten wie gegen Charlie Hebdo zu tiefst. Ich verurteile auch die Gewalttaten, die anschließend, aus Rache, durch (rechte) Fanatiker an muslimischen Einrichtungen und Moscheen in Frankreich und anders wo verübt wurden. Ich verurteile Gewaltandrohungen durch Islamisten, die sich schon als Eroberer der Welt sehen und allen ihren Fanatismus aufzwingen wollen. Wer da nicht mitmacht wird ermordet. Ich bin gegen die PEGIDA Demonstration, die nur zu noch mehr Hass und Gewalt führen werden.

Ein wichtiges Zeichen gegen Gewalt hat indes der muslimische Dachverband gesetzt. Erfreulich war das bei dieser Demonstration nicht nur Muslime, sondern auch Juden und Christen gemeinsam ein Zeichen gegen Gewalt gezeigt haben. Es ist schon fast historisch, das die drei großen Weltreligionen einig gemeinsam gegen Gewalt Protestieren.

Solche Anschläge und islamfeindlichen Demos durch PEGIDA sind nur dafür geeignet die Gewaltspirale nur noch mehr in Schwung zu bringen. Heute wurde die PEGIDA Demo in Dresden abgesagt, weil man einen Anschlag gegen die PEGIDA Verantwortlichen befürchtet. Beide Seiten, die Islamisten wie auch PEGIDA sind einfach zu beschränkt um zu erkennen, dass jeder nur Öl in das Feuer des anderen gießt. Islamistische Hassprediger, die zu Anschlägen gegen PEGIDA aufrufen verstärken nur die Vorurteile gegen den Islam. Genauso ist jede PEGIDA Demo ein Grund etwas gegen PEGIDA zu unternehmen.

„Wir sind das Volk“, grölen wöchentlich PEGIDA Anhänger. In Dresden 18.000 in anderen Städten einige Hundert. Ungeachtet dessen das der größte Teil der Bevölkerung gegen PEGIDA ist. Wie kann eine solche Minderheit das Volk sein? 100.000 protestieren regelmäßig gegen PEGIDA. Es ist ein seltsames Demokratieverständnis was diese Leute haben. „Wir sind das Volk!“ war der Schlachtruf der Menschen die Jahrzehnte unter Unterdrückung durch das DDR-Regime gelitten und friedlich für Freiheit gekämpft haben. Nun wir dieses „Wir sind das Volk“ von einer Handvoll frustriertet missbraucht die sich bedroht fühlen, wenn in der gleichen Straße in Moslem lebt. Die den Untergang des Abendlandes sehen wenn in der gleichen Straße eine türkische Familie lebt. Die Angst haben das ein paar Flüchtlinge in ihrer Stadt untergebracht werden sollen. Menschen die Gewalttaten des IS fliehen. Der IS ist derzeit eine der großen Bedrohungen auf diesem Planeten. Eine Bedrohung sind auch die Jünger des Hasspredigers Pierre Vogel und Konsorten.

Ein wunderbares Beispiel am Zusammenleben verschiedener Völker bietet die Stadt Offenbach am Main. Offenbach hat mit fast 50% den höchsten Ausländeranteil der deutschen Städte. Hier leben Spanier, Portugiesen, Franzosen, Juden, Türken, Marokkaner, Griechen, Japaner, Chinesen, Vietnamesen, Kroaten, Russen, Polen, Rumänen, Inder, Pakistani, Italiener, Afghanen etc. etc. friedlich zusammen in einer Stadt. Einmal im Jahr feiern alle zusammen ein großes Fest. Ein sehr gutes Beispiel war die Trauer um Tugçe. Tugçe die Türkin die in der Offenbacher Klinik gestorben ist weil sie sich für ein paar Mädchen eingesetzt hat. Über 2000 Menschen haben vor der Klinik an ihrem Sterbetag um Tugçe getrauert. 2000 Menschen aller in Offenbach lebenden Nationalitäten.

Wie lächerlich dagegen ist Dresden, die Stadt in der PEGIDA besonders stark vertreten ist mit einem Ausländeranteil von 2%. Gegen diese 2% versuchen die „Wir sind das Volk“ Rufer Stimmung zu machen. Wie armselig.

Bin ich Charlie? Auch ein bisschen. Vor allem bin ich für Frieden unter den Völkern und Religionen. Ich weiß nicht ob Charlie das kann. Ich denke man braucht Humor auch im Umgang mit den Religionen. Wenn Charlie Hebdo einen weinenden Mohamed darstellt kann das nicht lästerlich gemeint sein. Die Islamisten heben ihren Propheten auf eine Stufe mit einem Gott, machen ihn Gott gleich. Dabei vergessen sie dass Mohamed auch nur ein Mensch war. Wenn Charlie Hebdo sich ausschließlich über Mohamed und den Islam lustig machen würde könnte ich den Zorn der Islamisten noch verstehen. Nur ist dem nicht so.

Kurt Tucholsky sagte seiner Zeit: „Satire darf alles!“ Darf sie das wirklich? Darf sie andere verletzen, oder beleidigen? Ich denke man muss als Satiriker auch Grenzen überschreiten, damit Satire wirken kann. Satire soll Dinge die zu ernst genommen werden auch mal von der spaßigen Seite betrachten, das wird von ihr verlangt. Satire muss auch unbequeme Themen bearbeiten und auch mal Tabus brechen. Das ist die Aufgabe der Satire. Wer das nicht versteht sollte einen weiten Bogen um Satire machen. Wenn aber weiß das bestimmte Darstellungen bei größeren Gruppierungen beleidigend wirken, darf man als Satiriker dann noch Witze darüber machen?

„Je suie Charlie!“ aber mit Einschränkung.

Erstaunlich ist immer wieder wie die Politik auf solche Anschläger reagiert. Wie ein sabbernder Straßenköter im Labortest reagiert die CSU mit dem Ruf nach mehr Überwachung und härteren Gesetzen. Kurz darauf über nimmt die CDU den Ruf nach mehr Überwachung. Die rechten würden am liebsten Ausländer sofort ausweisen. Es ist immer wieder dasselbe. Gleich nach dem Anschlag hat die CSU wieder einmal nach der Vorratsdatenspeicherung geschrien. Frankreich hat sie und konnte den Anschlag trotz allem nicht verhindern. Was also bringt die Vorratsdatenspeicherung, mehr Bürokratie, mehr Kosten, mehr Überwachung auch unschuldiger. Schärfere Gesetze, genügen nicht die jetzt gültigen Gesetze, wenn sie denn nur konsequent umgesetzt würden. Wenn die Polizei genügend Personal und moderne Ausstattung hätte damit sie ihre Aufgaben erledigen kann. Was nutzen schärfere Gesetze wenn die Polizei ihre jetzigen Aufgaben kaum zu leisten vermag weil Personal fehlt, weil die Technische Ausrüstung im Vergleich zu kriminellen Strukturen aus Computersteinzeit stammt.

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Über Diego62

Ich bin HIV-positiv, male Bilder und arbeite im Einzelhandel. Mein Wohnort ist ein Dorf in Südhessen.
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