Homo-Ehe, warum nicht EHE für alle?

In Irland wurde per Volksabstimmung mit eine klaren Mehrheit für die Öffnung der Ehe für Homosexuelle gestimmt. Die Wahlbeteiligung war erstaunlich hoch, sie lag bei 60%. Für die Öffnung der Ehe auch für homosexuelle Menschen stimmten 62%. Eine ganz klare Mehrheit. Ein Glückwunsch an alle Schwulen und Lesben in Irland, ihr habt viel erreicht. Slovenien hat die Verfassung entsprechend geändert um die Ehe zu alle zu öffnen. Heiraten können Schwule und Lesben in Frankreich, England, Spanien, Luxemburg, Niederlande, um bei den Europäischen Ländern zu bleiben. Selbst einige südamerikanische Staaten haben die Ehe für Homosexuelle geöffnet.

Viel anders sieht es in Deutschland aus. Hier ist sofort die Debatte über eine Homo-Ehe ausgebrochen. Politiker jeglicher Couleur melden sich zu Wort, die einen fordern auch hier eine Öffnung der Ehe für alle, die Unionsparteien blocken hier jedoch total. Immer wieder ist die Rede von einer „Homo-Ehe“, geradezu als wenn Homosexuelle einen Sonderstatus wünschen, eine Ehe nur für sich die eben doch etwas Besseres ist. Was ein Unsinn, wir wollen einzig die Öffnung der EHE für alle, ohne Privilegien für Heteros oder Homos. Was ist daran so schwer zu verstehen? Wir wollen nur gleiches Recht für alle, wie es im Grundgesetz verankert ist.

Immer wieder störe ich mich an den Begriffen „Homosexuell“ und „Homo-Ehe“. Schwule und Lesben werden dadurch das Wort Homosexuelle auf Sex reduziert. Warum nicht Heterosexuelle, haben die keinen Sex? Dann frage ich mich wieso es Kinder gibt, auch wenn es immer weniger werden, was wohl damit zutun hat, dass Kinder nicht mehr in den Karriereplan passen. Oder haben Heterosexuelle den Sex verlernt? Nee glaub ich nicht wirklich. Ich denke man sollte den Begriff Homosexuelle ersetzen durch Homophil.
Homophil = gleich liebend.
Damit wird die Reduzierung auf den Sex genommen und trifft es wesentlich besser. Schwule und lesbische Beziehungen sind zusammen weil sie sich lieben, sie dürften nicht mehr Sex als heterosexuelle Beziehungen haben.

Frau Kramp-Karrenbauer, Ministerpräsidentin im Saarland, äußerte sich zudem noch sehr missverständlich. Sie sagte wenn man eine „Homo-Ehe“ einführe müsse man die Ehe bald auch für Geschwister oder gar eine Vielfachehe einführen. Sie tat das so missverständlich dass es sich so las als wäre der Homosexuelle per se für eine Mehrfach- oder Inzuchtehe. Statt einer Entschuldigung lieferte sie eine na ja Erklärung wie sie das denn wirklich gemeint habe. Ebenso wie einige andere unbelehrbaren, wie Thomas Goppel von der CSU, der den Unsinn verbreitet die Beziehungen von Schwule und Lesben seien qualitativ minderwertig. Damit spricht er Schwulen und Lesben ab wirkliche Liebe zueinander zu empfinden. Ich empfinde das als absolute Frechheit. Wer erlaubt diesen von Hass geprägten Personen ungestraft solch erniedrigende Sätze zu äußern. Das hat nichts mehr mit Meinungsfreiheit zu tun, das ist beleidigend.

Wem schadet es wenn die Ehe auch für homophile Menschen geöffnet wird, wird der bisherigen Ehe zwischen heterosexuellen Menschen dadurch etwas weggenommen?

  • Einige begründen ihre Ablehnung der Eheöffnung damit die Ehe sei die Grundlage der Familie, für Kinder. Ausgemachter Unsinn wenn am die vielen kinderlosen Ehen betrachtet. Merkels und Kauders Ehe z.B. sind Kinderlos, beide aber vehemente Gegner der Öffnung der Ehe für alle weil Homophile schließlich keine Kinder zeugen.
  • Andere argumentieren Kinder benötigt Vater und Mutter um gesund groß zu werden – merken aber nicht, dass sie damit allein Erziehende in ihrer Leistung herabwürdigen. Eine allein erziehende Mutter oder Vater ist demnach nicht geeignet Kinder zu erziehen.
  • Homophile Menschen sind nicht in der Lage Kinder liebevoll zu erziehen, so ein weiteres Argument. Es gibt viele Studien die Sagen, das Schwule und Lesben besonders liebevolle Eltern sind, die durchaus in der Lage sind Kinder zu erziehen. Weil sie sich bewusster für Kinder entscheiden vielleicht sogar noch besser. Jährlich gibt es Berichte von Gewalt gegen Kinder, aber stets aus heterosexuellen Beziehungen.
  • Schwule Männer wollten ja nur Kinder um sie sexuelle zu missbrauchen. Schon lustig wenn man bedenkt das dieser Vorwurf besonders aus der katholischen Kirche kommt, die in den vergangenen Jahren nicht gerade einen ruhmhaften Auftritt hatte was Kindesmissbrauch betrifft. Auch seltsam dass es, wenn auch sehr selten, eher die Väter sind die ihre Tochter missbrauchen.
  • Kinder würden in eine homophile Beziehung leiden, weil sie mit Diskriminierung zu rechnen hätten. Ein guter Einwand, aber solange die Bundesregierung nicht wirklich etwas gegen die Diskriminierung homophiler Menschen unternimmt, muss sie sich diesen Schuh selber anziehen. Noch immer werden eingetragene Lebenspartnerschaften staatlich diskriminiert, wieso sollte es dann im Volk anders sein? Das homophile rechtlich noch immer vielfach diskriminiert werden ist in erster Linie der starren Haltung von CDU/CSU zu zuschreiben.
  • Auch wird gerne angeführt das homophile Lebensweisen nicht natürlich seien. In der Natur sind schwule Löwen, gleichgeschlechtlich lebende Störche, Schwäne, Schweine, Pinguine, Meerschweinchen … zu beobachten. Wie kann etwas nicht natürlich sein wenn es in der Natur ständig vorkommt?

Schwule und Lesben lieben genauso wie heterosexuelle Menschen auch. Sie wolle zeigen dass sie Verantwortung für ihren Partner übernehmen, zu ihm Stehen in guten wie in schlechten Tagen, nicht anders als Heterosexuelle auch. Die staatliche Diskriminierung, Ungleichbehandlung, von Ehe und Lebenspartnerschaft zu beenden wäre es viel einfacher die Ehe auch für Schwule und Lesben zu öffnen, als hunderte einzelner Gesetze zu ändern in denen eingetragene Lebenspartnerschaften 14 Jahre nach der Einführung noch immer staatlich diskriminiert werden.

Homophile Menschen haben die gleichen Gefühle wie heterosexuelle, warum soll ihnen die Ehe verweigert bleiben? Nur weil ein paar bornierte Hinterwäldler das so wollen und ein Koalitionspartner nicht den Arsch in den Hose hat das zu ändern. Frau Yasmin Fahimi (SPD) indes weigert sich bei einer notwendige Abstimmung im Bundestag den Fraktionszwang aufzuheben fordert aber, welch Heuchelei, ein Umdenken bei CDU/CSU doch noch für die Öffnung der Ehe zu stimmen.

Interessant ist auch das schwule Politiker der CDU/CSU zu ihrer Chefin stehen und versuchen zu beschwichtigen. Also der Merkel mit ihrem komischen Bauchgefühl. Kamillentee soll bekanntlich gegen Bauchgrimmen helfen. Frau Merkel sollte öfter mal Kamillentee trinken vielleicht hilft das ja auch bei politischen Entscheidungen.

Ich kommen zu den sogenannten „Besorgten Eltern“ die Land auf Land ab dagegen Demonstrieren, dass in den Schulen darüber aufgeklärt werden soll, dass es außer Mama-Papa-Kind auch andere Beziehungsformen gibt. Vertreten sie doch die Meinung ihre Kinder sollten damit Schwul oder Lesbisch gemacht werden. Woher sie diese Weisheit haben bleibt mir verborgen. Niemand ist schwul oder lesbisch gemacht worden. Man ist es oder man ist einfach Heterosexuell. Solcher Unterricht soll helfen Diskriminierung gegen Homophile abzubauen und nicht Kinder umerziehen. Die „Besorgten-Eltern“ wurden aufgehetzt von einigen wenigen Fanatikern, mit Märchen gegen die die Brüder Grimm blutige Anfänger sind. Niemand wird schwul, weil er mal gelernt hat das schwule genauso lieben wie Heterosexuelle. Niemand wird Trans weil er mal von einem Mann gehört hat der lieber Frau sein will. Niemand wird Intersexuell weil er mal gelesen hat das es Personen gibt deren Geschlecht bei der Geburt nicht eindeutig fest zu stellen ist, die beide Geschlechtsmerkmale haben. Und niemand sollte entscheiden dürfen für was sich das Kind irgendwann einmal selbst entscheiden sollte. Leider ist es bis heute leidige Praxis das sich Ärzte und/oder Eltern, in solch einem Fall, für ein Geschlecht des Kindes entscheiden. Nur das ist eine andere Debatte. Niemand wird Lesbisch weil sie zwei küssende Frauen sieht. Aber solche Ammenmärchen werden den „Besorgten Eltern“ erzählt. Und das tolle ist, sie glauben diesen Schwachsinn.

Jedes Jahr begehen viele Jugendliche Selbstmord – wenn sie feststellen das sie homophil Lieben, weil sie merken das ihr Körper nicht zu dem passt wie sie sich fühlen (Trans) oder von irgend wem in eine bestimmte Geschlechterrolle (Inter) gepresst wurden in der sie sich nicht wohl fühlen – und sich damit alleine fühlen, von niemanden verstanden. Weil sie Angst haben, sich in der Familie oder unter Freunden (Schulkameraden) zu outen oder noch schlimmer ausgestoßen werden weil sie „anders“ sind.

Eine Öffnung der Ehe und ein offener, ungezwungener Umgang im Unterricht mit nicht der Heteronorm entsprechenden Lebensformen ist Grundlage dafür das Jugendliche die „anders“ sind sich als vollwertig und nicht minderwertig zu sehen. Jeder der eine Öffnung der Ehe und einem Lehrplan zu anderen Lebensarten ablehnt trägt Mitverantwortung wenn sich ein Kind tötet weil es sich alleingelassen fühlen muss weil es anders liebt oder fühlt.

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Über Diego62

Ich bin HIV-positiv, male Bilder und arbeite im Einzelhandel. Mein Wohnort ist ein Dorf in Südhessen.
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