Über mich

Geboren und aufgewachsen im Südniedersächsischen Hannoversch Münden. Schwules leben findet hier nicht statt. Während meines Zivildiensts in Nordheim fand ich beim Stöbern in einer Buchhandlung ein Buch mit dem Titel „Schwul na und!“. Dieser Titel machte mich neugierig, ich fühlte mich irgendwie angesprochen, ich las in dem Buch ein paar Seiten an und stellte es mit hoch rotem Kopf wider an seinen Platz und verlies das Geschäft. Hoffentlich hatte niemand etwas bemerkt. Am nächsten Tag kam ich zurück, wieder nahm ich das Buch aus dem Regal, es zu kaufen traute ich mich indes nicht und so verschwand es unbemerkt von der Verkäuferin in meiner Tasche.

In meinem Zimmer angekommen verschlang ich die Seiten und mit jeder Seite die ich lass wurde mir bewusster dass all das was ich die ganzen Jahre gefühlt habe zum Ausdruck komm. Endlich wusste ich warum mir Mädchen egal waren, warum im Sommer immer die Beulen in den Badehosen der Klassenkameraden wesentlich interessanter fand. Und vor allem G. schön behaarte Beine mein Interesse fanden.

Kurz darau nahm ich Kontakt zur damaligen Göttinger Schwulengruppe auf. So ging ich zu einigen treffen, lernte die Orte kennen an denen sich schwule Männer treffen und lass in dem gerade aktuellen Spiegel von einer neuen „Schwulenkrankheit“. Coming out mit schlechten Vorzeichen.

Es war Frühsommer und ich ging zum ersten mal in Göttingen auf die Schäferwiese um mir den Bauch zu sonnen, ein Ort an dem sich auch viele Schwule treffen. Dort lernte ich meinen ersten Lover kennen. Unsere Beziehung hielt einige Monate und er zeigte mir das es auch Sex außerhalb einer Beziehung geben kann. Wir waren bei Jochen zum Geburtstag eingeladen und haben dort übernachtet. Während mein Lover schlief, habe ich mich von Jochen richtig Vögeln lassen. Für meinen Lover war das ganz OK. Warum also sollte es das für mich nicht sein. Irgendwann um Weihnachten haben wir uns aus irgendeinem nichtigen Grund getrennt.

Bald darauf hatte ich einen neuen Freund wir fickten durch den Winter, im Frühjahr lag ich dann mit einer Hepatitis B im Krankenhaus. Die Beziehung habe ich hier beendet, weil der Typ selbst im Krankenhaus nicht die Finger von mir lassen wollte. Ich wollte nicht, dass er sich ansteckt und so habe ich die Beziehung zu seinem Schutz beendet. Ein paar Jahre später haben wir und mal zufällig wieder getroffen und wir hatten für einen Tag wieder richtig geilen Sex. Wie dicht Hepatitis und Schwuler Sex zusammen hängen war mir damals noch nicht klar.

Noch den halben Sommer war ich aufgrund der Hepatitis krankgeschrieben danach machte ich noch ein paar Weiterbildungen und zog im Frühjahr 1985 nach Hannover. Endlich eine Großstadt, mit schwulen Kneipen, Saunen und crusing Gebieten. Hier konnte ich mich austoben. Ich engagierte mich bald aktiv in der Schwulenbewegung und lernte einen neuen Mann lieben. Unsere Beziehung hielt ein Jahr, aber auch danach haben wir noch viel zusammen gearbeitet. Die ersten Informationen kamen wie man sich vor Aids schützen kann, Jerkoff-Partys und Safer Sex wurden propagiert, es war ein langer Weg den Schwulen den Gebrauch von Parisern schmackhaft zu machen.

Dann kam Ulli. Wir liebten uns, aber ich hatte immer wieder auch Sex mit anderen. Ulli konnte damals nicht damit umgehen und so habe ich Ulli verlassen um ihn vor meinen sexuellen Eskapaden zu schützen. Nach unserer Trennung sah ich Ulli an schönen Tagen immer wieder am Baggersee wie er es mit diversen anderen Männern trieb. Viele Jahre später hörte ich dann das er an Aids verstorben sei.

Ich konnte los ziehen, ohne Beziehungsstress und die Männer aufreißen. Nicht immer achtete ich auf die Safer Sex Regeln. Eines Tages, wir hatten gerade eine schwule Informations Veranstaltung lernte ich Mike kennen. Wir tranken ein paar Bier und verliebten uns. Diese Beziehung sollte viele Jahre halten. Und vergass fast das es auch andere Männer gab. Während meiner Beziehung mit Mike gab es höchstens 3 Fälle von Sex außerhalb der Partnerschaft. Diese aber ausschließlich mit Gummi. Nach der Trennung von Mike beendete ich auch meine Arbeit in der Schwulenbewegung, in der wir in den Jahren einiges erreicht hatten. So haben wir u.a. einen Landesverband gegründet und den Grundstein für die Homoehe gelegt.

Ich begann mich in einer Ledergruppe aktiv zu beteiligen, wir planten einmal im Jahr eine große Party in Hannover, deren Erlöse immer an die Aids-Hilfe gespendet wurden. So kam es, dass ich Mitte der 90er zu einem Treffen nach Frankfurt fuhr. Ich hatte eine kurze aber heftige Beziehung mit P. von dem ich erst später erfahren habe dass er HIV-Positiv ist. Das war früher für mich kein Problem, warum sollte es jetzt eins sein? Ich hatte immer mal Sex mit Personen von denen ich wusste, dass sie positiv waren, Wenn man sich nach den Safersex Regeln hält war das für mich auch nie ein Problem. Umso enttäuschter war ich das P. mit mir nicht über seine Infektion reden wollte.

Das hinderte mich aber nicht meinen Wohnort in das Rhein-Main Gebiet zu verlegen. Hannover wurde mir eh zu eng und ich wollte auch mal nur konsumieren, nicht mehr an den Veranstaltungen für Schwule mit arbeiten müssen. Nach dem Umzug lernte ich meinen jetzigen Mann kennen. Wir sind jetzt 15 Jahre zusammen und seit 5 Jahren verpartnert – wie das in Amtsdeutsch genannt wird.

Im September 2009 wurde zuerst mein Mann und kurz darauf ich positiv getestet. Wer wen infiziert hat ist und nicht klar, es ist aber auch egal. Wir hatten beide unseren Spaß mal zu dritt und mal bei Orgien an denen wir beteiligt waren. Aber auch bei gemeinsamen Darkroom besuchen. Daher brauchen wir uns keine Vorwürfe zu machen.

Seit August 2010 nehme ich Medikamente und die Virenlast liegt seit November 2010 unter der Nachweisgrenze.

Mein Anliegen ist es aufzuklären und politisch zu agieren, gegen Stigmatisierung, Diskriminierung und Ausgrenzung zu kämpfen. Um anderen Mut zu machen zu dem zu stehen was sie sind.

Ich bin HIV-positiv und bin der Meinung nur wer offen zu seiner Infektion seht kann auch etwas bewegen. Nur wer offen lebt kann offen gegen Diskriminierung und Stigmatisierung kämpfen.

ICH HABE HIV UND STEHE DAZU!

Wenn jemand ein Problem damit hat, ist es sein Problem.

4 Antworten zu Über mich

  1. Du führst ein interessantes Weblog: weiter so!

  2. Christina Go schreibt:

    Mutig so darüber zu schreiben!
    auch wenn es mich erstmal ziemlich umgehauen hat. Ich hoffe, Euch beiden geht es soweit gut, ist es doch Jahre her seit wir uns das letzte Mal gesehen haben 😉

  3. Sunny schreibt:

    Danke für Deine informative Seite, ist ja lange hier nichts geschrieben worden. Ich hoffe gesundheitlich geht es gut. Leider ist das mit dem offen Leben nicht jedem möglich, denke wirklich Schwule haben es da leichter. Ich bin HIV positiv seit 17Jahren nächstes Jahr werde ich 18:-) und immer schon komplett Medifrei VL zwischen fünfhundert bis siebentausend . Da ich alleinerziehende Mami bin, alle gesund und ländlich wegen der Kids wohne ist es mit offen sein unmöglich, ich habe mindestens 10 Umzüge hinter mir weil meine Exbeziehungen über all meinen Status rumerzählt haben aus Frust das ich Schluss gemacht habe. Dadurch habe ich bis auf eine Handvoll Internetfreundschaften null Freunde. Daher habe ich trotz der langjährigen Erfahrung immer noch Angst es zu erzählen und auch nur Jemandem mit dem ich eine Beziehung beginnen möchte. Ich warte daher mit dem Sex bis ich es gesagt habe und Ons aus dem Alter bin ich längst heraus gewachsen:-) habe gesunde Hände:-) Bei Interesse schreibe ich gerne über meine Lebenserfahrung. Vielleicht irgendwann sogar ein Buch zu Gunsten der Aidshilfe:-)
    Einen sonnigen Tag wünsche ich allen und egal wie dunkel die Wolken auch sind, dahinter ist immer der liebe liebe Sonnenschein.
    LG
    Sunny

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