14.000

Was soll diese Zahl? Zunächst einmal etwas vorab…

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat kürzlich wie in jedem Jahr die neuen Zahlen zu HIV veröffentlicht. Im Jahr 2013 lebten in Deutschland 80.000 Menschen mit HIV. Es gab 3.200 Neudiagnosen, dies ist nicht zu verwechseln mit Neuinfektionen, da bei den Neudiagnosen viele ältere Infektionen dabei sind. Viele Diagnosen kommen so spät das einige davon an Aids erkranken oder gar sterben. Das erklärt auch heute noch die Mehrzahl der 550 Aids-Tode im Jahr 2013. Die meisten davon ließen sich vermeiden wenn man doch früher zum HIV-Test ginge. 3.200 Neudiagnosen ist zum Vorjahr ein leichter Anstieg aber nicht sonderlich besorgniserregend.

Stagnierend ist seit einigen Jahren die Zahl der Neudiagnosen bei schwulen Männern, leicht sinkend bei Drogengebrauchern steigend jedoch bei Heterosexuellen. Den Großteil der HIV-positiven machen nach wie vor die schwulen Männer aus (rd. 66,25%), gefolgt von Heterosexuellen (rd. 22,5%) und Drogengebraucher (rd. 9,75%) Bluter und Kinder liegen zusammen bei ca. 1%. Diese Statistik des RKI zeigt wo in Zukunft besonders in der Prävention gearbeitet werden muss. Da Kondome allein nicht reichen um die Zahl der Neuinfektionen zu senken muss man zusätzlich andere Wege finden.

Da kommen jetzt die 14.000 in Spiel. 14.000 ist die Zahl der HIV-positiven die mit einer nicht erkannten Infektion leben, weil sie noch nie einen HIV-Test haben machen lassen oder der letzte Test zu weit zurückliegt um noch negativ zu sein. Mit einem HIV-Test ist es ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest. Ein NEGATIV ist eben nur eine Aussage zu einem kleinen Zeitfenster und kann sich jederzeit ändern. Daher sollten sich sexuell aktive Menschen, die auch mal außerhalb der Beziehung Sex haben regelmäßig auf HIV testen lassen.

14.00 bedeutet jeder 6. HIV-positive, (17,5%) weiß nichts von seiner Infektion.

Wenn ich auf meinen letzten Bloggbeitrag zurück komme muss bis 2020 diese Zahl deutlich sinken. Um das zu erreichen ist eine wesentlich höhere Testbereitschaft zu erreichen, jeder einzelnen müsste zudem wesentlich öfter einen HIV-Test machen lassen. Sehr viele niederschwellige Testangebote werden in der Schwulenszene angeboten. Heterosexuellen bleibt das Angebot der Gesundheitsämter oder aber einem aufgeschlossenen Hausarzt der bei einem unklaren Krankheitsbild auch zu einem HIV-Test rät, was viele Ärzte jedoch nicht machen weil ein Familienvater oder eine Mutter kann ja einfach kein HIV haben.

Ein wichtiger Schritt in der HIV-Prävention liegt seit Jahren darin mehr Personen zum Test zu bringen. Dazu muss es in Zukunft jedoch noch mehr und auch öfter Test-Aktionen geben. Test-Wochen die nicht nur Homo- oder Bisexuelle Männer ansprechen aber auch heterosexuelle Männer und Frauen.

Die HIV-Prävention heute baut im Wesentlichen folgende Punkte auf:

  1. Kondome schützen bei sexuellen Kontakten mit fremden oder neuen Partnern deren Serostatus unbekannt ist.
  2. Safe use betrifft den Drogengebrauch und soll eine Infektion über den gemeinsamen Spritzengebrauch oder aber gemeinsam genutzte Röhrchen beim kokaingebrauch verhindern.
  3. Vor wenigen Jahren anerkannt dazugekommen ist die sogenannte Virenlastmethode. Das bedeutet dass ein HIV-positiver der in einer erfolgreichen Therapie ist nicht ansteckend ist. (Ich habe wieder holt darüber geschrieben und gehe an dieser Stelle daher nicht näher auf die Bedingungen ein)
  4. Ganz neu in den USA bereits erfolgreich eingesetzt in Frankreich in einer Vielversprechenden Studie ist die PrEP. Ein HIV-negativer nimmt zu seinem eigenen Schutz das HIV-Medikament Truvada® und kann so selber eine Ansteckung verhindern. Diese Methode ist in Deuschland noch nicht zugelassen und noch ist fraglich ob die Krankenkassen die hohen Kosten dafür übernehmen wird.

Ein wesentlicher Punkt der Prävention in Zukunft der Punkt 3 sein. Hierbei spielen die 14.000 HIV-positiven die über ihren Status nicht informiert sind jedoch eine wesentliche Rolle. Es ist anerkannte Tatsache dass gerade die Ungetesteten eine große Rolle bei der weiter Gabe des HI-Virus spielen. Einen Großteil der Neuinfektionen passieren weil der Partner seinen Status einfach nicht kennt. Es gibt viele Gründe warum jemand seinen Status nicht kennt. Einige gehen regelmäßig zum HIV-Test infizieren sich dazwischen jedoch und sind kurz nach einer Infektion besonders ansteckend. Andere haben sich vielleicht vor einigen Jahren mal testen lassen und gehen irrtümlich davon aus das ein negativer Test auch so bleibt. Weiter haben sich noch nie testen lassen.

Warum sich Menschen nicht oder nur selten testen lassen, dafür gibt es viele Gründe. Diskriminierung und Ausgrenzung sind ein Punkt, die Kriminalisierung von Menschen mit HIV ein weiterer, dazu kommen einfach Verdrängung oder die Angst mit HIV konfrontiert zu werden. Der Gedanke Tod kommt vielen wenn sie einen HIV-positiv Test in den Händen halten. Diese Ängste müssen abgebaut werden. Ein wesentlicher Schritt zu den Ängsten ist das Buddy-Projekt der DAH, ein andere sind Kampagnen gegen Diskriminierung und Ausgrenzung als auch der Kampf gegen die Kriminalisierung. Das Buddy-Projekt startet jetzt. Ein Koordinationstreffen dazu ist angesetzt, leider zeitgleich mit einer neuen Themenwerkstatt der DAH zum Thema Kriminalisierung zu dem ich mich vorher angemeldet habe. Beides sind für mich sehr wichtige Themen aber ich kann leider nur bei einem von beiden sein.

Ziel der DAH ist es bis 2020 soll keiner mehr an Aids erkranken schon gar nicht sterben. Das bedeutet, dass diese 14.000 bis 2020 getestet und in Behandlung sind. Ganz auf null drücken wird sich diese Zahl nie lassen, es wird immer wieder Personen geben die sich Infizieren und nicht zeitnah getestet werden, weil sie keine Symptome haben oder weil ein Test erst nach 8-12 Wochen wirklich aussage fähig ist.

Je früher man über seine HIV-Infektion informiert ist, umso eher kann man mit einer Therapie beginnen und somit sich selber vor Komplikationen durch ein zerstörtes Immunsystem schützen als auch seine Sexualpartner vor einer Ansteckung. Ein Zwangstest oder wie Peter Gauweiler es Ende der 1980 wollte regelmäßige Reihenuntersuchungen sind nach wie vor der falsche Weg. Ein bewusster Verzicht auf einen Test ist jedoch etwas anderes als ein freiwilliger Test. Potentielle Blutspender können sich entscheiden entweder Blut zu spenden und gleichzeitig auf HIV getestet zu werden oder aber kein Blut zu spenden. Warum soll das in der Ärztlichen Praxis nicht ähnlich möglich sein. Bewusst nein zu einem Test zu sagen ist etwas anderes als einen Arzt zu sagen jetzt mach mal einen HIV-Test. Oder die Aktion mehr auf Seite des Arztes zu legen, der seinen Patienten regelmäßig ein Testangebot macht statt eine mögliches Risiko seiner Patienten von vornherein auszuschließen.

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Keine Aids-Kranken mehr ab 2020?

Die Deutsche AIDS Hilfe hatte ihre Mitgliederversammlung. Neben einer Vorstandswahl hat man sich das hehre Ziel gesetzt das in Deutschland bis 2020 keiner mehr an AIDS erkranken soll. Dies bedeutet nicht nur dass die Diskriminierung von Menschen mit HIV beendet wird, dies schließt die Kriminalisierung mit ein. Es bedeutet auch dass sich alle Menschen die ein noch so geringes Risiko hatten sich freiwillig auf HIV testen lassen, da in Deutschland einem HIV-Test ausdrücklich zugestimmt werden muss.

Seit vielen Jahren werden regelmäßig zum Welt-Aids-Tag Kampagnen gegen die Diskriminierung von Menschen mit HIV gestartet. Lange Zeit gab es die Rollenmodelle in denen Menschen mit HIV mit Freunden, Partnern und Kollegen gezeigt wurden die frei von Angst vor Diskriminierung mit HIV leben. In diesem Jahr gibt es die Kampagne „WÜRDEST DU…“. Über den Sinn der Kampagnen mag man streiten. Ebenso darüber ob sie wirklich geeignet ist Diskriminierung abzubauen.

WÜRDEST DU JEMANDEN MIT HIV KÜSSEN?
WÜRDEST DU MIT EINEM HIV-POSITIVEN IN DIE KANTINE GEHEN?
WÜRDEST DU ZU EINEM HIV-POSITIVEN ARZT GEHEN?
WAS WÜRDEST DU ZU EINEM HIV-POSITIVEM BÄCKER SAGEN?
DÜRFEN KEINE KINDER MIT EINEM HIV-POSITIVEM KIND SPIELEN?
WÜRDEST DU MIT EINEM HIV-POSITIVEN ZUSAMMEN ZIEHEN?

Sechs Wochen vor dem Welt-Aids-Tag für jede Woche eine solche Frage. Hilft das wirklich etwas gegen Diskriminierung zu bewirken? Jeder der diese Fragen ablehnend beantwortet wird seinen Grund dafür finden. Für diese Personen mag dieser Grund nicht mal diskriminierend gemeint sein, sondern mit eigenen Ängsten verbunden sein. Ist es nicht wesentlich sinnvoller zu zeigen dass man sich mit HIV nicht so leicht anstecken kann. Vielleicht dass ein Ansteckungsrisiko bei ungetesteten höher ist als bei Menschen die offen mit HIV leben. Sicher wird niemand offen über seine HIV-Infektion reden wenn er mit Diskriminierung und Ausgrenzung rechnen muss.

Ich für meinen Teil wünsche mir eine Werbereihe, die nicht nur die Zeit um den WAT abdeckt, die zeigt wo und wann Menschen mit HIV nicht ansteckend sind. In der glaubwürdig gezeigt wird das HIV-Positive nicht Ansteckend sind wenn sie erfolgreich behandelt werden. Die darüber informiert das HIV nicht durch soziale Kontakte übertragen werden kann… All die Punkte die Urängste beim Umgang von Menschen mit HIV müssen aufgelöst werden.

Ebenso wichtig ist dazu wesentlich stärker gegen die Kriminalisierung von Menschen mit HIV anzugehen. Erst vor kurzem wurde eine Frau in Oldenburg zu einer Haftstrafe mit Sicherheitsverwahrung verurteilt weil sie trotz HIV ungeschützten Sex mit Männern hatte, obwohl sie niemanden angesteckt hat. Wenn man bedenkt das die Mehrzahl der Freier beim Besuch von Sexarbeitern gerne auf ein Kondom verzichten würde, muss man sich offen fragen wer hier für den (eigenen) Schutz verantwortlich ist. Es ist mehr als fraglich ob das Gericht in Oldenburg im Sinne der Prävention geurteilt hat.

Selbst wenn die unnötige Kriminalisierung, Diskriminierung und auch die Ängste vor einer unmöglichen Infektion ausgeräumt sind wird es kaum möglich sein alle Menschen freiwillig zu einem HIV-Test zu bewegen. Hier steht wiederum das Recht eine Hindernis. In Deutschland muss einem HIV-Test durch den Arzt ausdrücklich zugestimmt werden. Das Gesetzt hatte in den Anfängen von AIDS einen guten Grund, es sollte jeder frei entscheiden können ob er über eine Infektion informiert wird und damit auch über einen wahrscheinlich frühen Tod oder eben nicht. Die Situation heute ist jedoch eine andere. Ein früher positiver HIV Test ermöglicht eine frühzeitige Behandlung und stellt somit im Vergleich zu früheren Jahren einen großen Vorteil dar. Ich stelle daher wiederholt in Frage ob diese Gesetzgebung noch sinnvoll ist. Mein heutiger Standpunkt ist das einem HIV-Test bewusst widersprochen werden sollt. Der Vorteil eines frühen Tests heute überwiegt meines er achtens dem Vorteil des Nichtwissens.

Um das Ziel der Deutschen-Aids-Hilfe zu erreichen bedarf es mehr als nur den Abbau der Diskriminierung. Eine erhöhte Testbereitschaft oder besser eine flächendeckende Testbereitschaft lässt sich allein so nicht erreichen. Ein Zwangstest kann keine Lösung sein aber eine bewusste Ablehnung eines HIV-Tests kann das Ziel der DAH näher bringen. Eine wesentliche Rolle dabei spielen aber auch Hausärzte die HIV als mögliche Ursache für ungeklärte Erkrankungen oftmals bei Familienvätern, auf Grund ethnischer Zugehörigkeit oder des Alters ausschließen. Auch das ist eine Art der Stigmatisierung.

Es gibt also viel zu tun um das sicherloch sehr hoch gesteckte Ziel zu erreichen. Die DAH hat dafür 6 Jahre Zeit und viel Arbeit vor sich. Gegen die Kriminalisierung von Menschen mit HIV zu arbeiten gehört zu meinem Interesse an dem ich auch mitarbeiten will.

Mehr zur MV der DAH ist hier zu lesen:

http://www.aidshilfe.de/de/aktuelles/meldungen/deutsche-aids-hilfe-ende-von-aids-bis-2020-ist-moeglich

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PrEP, die neue Prävention?

„Die Wahrheit ist, dass Jakob das Wort „Prävention“ nicht mehr hören kann. Sein halbes Leben lebt er mit dem Virus, ist mit Aufklärungsbroschüren beworfen worden, hat Plakate an Werbewänden gelesen, Werbespots gesehen, Gespräche mit Ärzten geführt und sich die Reden von Gesundheitspolitikern angehört.“ 1

Jakob ist seit sehr langen Jahren HIV-positiv. Seine große Liebe starb 1989 an den Folgen von AIDS. Er ist ein Überlebender dieser Zeit.

Prävention ist eine super Sache. Jeder hat das recht sich selbst zu schützen. Sich zu schützen vor einer HIV Infektion und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten. Viele geben das recht ab und versuchen eine Pflicht daraus zu machen andere zu schützen. Niemand jedoch kann erwarten das ein neuer Partner oder ein Sexabenteuer über seinen HIV Status sofort offen spricht oder diesen auch wirklich kennt. Daher ist das recht sich zu schützen wesentlich höher anzusetzen als die Pflicht andere zu schützen. Sicherlich empfinden, besonders Männer, Sex ohne Kondom besser, intensiver, natürlicher.

„Jeder weiß, wie man sich anstecken kann“, antwortete Marius vorsichtig. „Also … gehe ich davon aus, dass der andere schon positiv ist, wenn er mit mir ohne Gummi Sex machen will.“ 1

Wie sieht HIV Prävention heute aus?

Alle sollten heute wissen, dass man sich mit Kondome schützen. Das war früher so und gilt noch heute. Eine einfache und preiswerte Möglichkeit wenn man jemanden neu kennen lernt. Es gibt auch die Möglichkeit dass ein HIV positiver Partner einen anderen schützen kann, auch ohne Kondome zu benutzen. Unter der Voraussetzung das er erfolgreich Antiviral behandelt wird. Das bedeutet er/sie nimmt regelmäßig Medikamente gegen HIV und ist mindestens sechs Monate unter der Nachweisgrenze. Heute wird es die Virenlastmethode genannt. Sie gilt als sicherer als die Benutzung von Kondomen.

Seit einiger Zeit manifestiert sich eine neue Möglichkeit. Ein HIV negativer nimmt das HIV Medikament Truvada® und schützt sich so selber. Man nennt diese Möglichkeit PrEP (Prä-Expositions-Prophylaxe). Also ein Schutz vor einer Übertragung.

Nun eine Monatspackung Truvada® kostet in Deutschland etwa 800 Euro. Noch ist es fraglich ob diese Art der Prävention in Deutschland zugelassen wird oder nicht. Genauso wenig steht fest wer die Kosten tragen wird. Die Krankenkassen werden sich sicherlich sträuben die Kosten zu tragen. Ein Normalverdiener wird das wohl kaum können.

Was jedoch bekannt ist, dass diese Variante sehr sicher ist, wenn die Person das Medikament wirklich regelmäßig einnimmt. Je öfter die Person die Einnahme vergisst umso geringer ist der Schutz. Wer glaubt Samstagmorgen eine Pille einwerfen zu können um am Abend in der Sauna oder im Swinger Club folgenlos ficken zu können irrt sich gewaltig. Hier jedoch liegt die Gefahr. Schon heute gibt es einen Schwarzmarkt für das Medikament. Man besorgt sich ein paar Truvada® nimmt sie 2, 3, 4 Tage und glaubt für die nächste Sex Party genug für seinen Schutz getan zu haben. Wer sich Truvada® für eine PrEP auf dem Schwarzmarkt besorgt läuft Gefahr durch mögliche Nebenwirkungen seinen Körper auf dauer zu schädigen, da anders als bei HIV-Patienten dann die enge ärztliche Kontrolle fehlt. Aus selben Grund kann es unbemerkt, weil die Pillen dann eben doch nicht regelmäßig genommen werden durch zu einer HIV-Infektion kommen.

Mögliche Nebenwirkungen sind wohl bekannt, werden aber immer wieder verdrängt. Was tun wenn doch Nebenwirkungen auftreten? Wenn ständig Übelkeit oder Durchfall der Begleiter dieser PrEP sind. Wenn die Nieren mit dem Medikament nicht zurechtkommen… Klar als Gesunder kann man sofort aufhören. Was ist wenn es zu einer Infektion kommt weil man die Pillen nur sporadisch nimmt? Sehr schnell können Resistenzen entstehen, damit fällt dann aber ein wichtiges Medikament bei einer späteren Behandlung weg. Wenn mehr Leute durch falsche Anwendung resistente HI-Viren haben ist auch eine PrEP irgendwann nicht mehr wirksam. Und ein wichtiges Medikament wird unter Umständen für viele wirkungslos.

Ich kenne Leute die für die PrEP kämpfen. Ich verstehe die Argumente dafür und respektiere ihre Meinung. Ich sehe aber auch Risiken. Eine PrEP sollte ausschließlich unter enger ärztlicher Kontrolle genommen werden, wird man das wirklich so durchziehen können? Was ist mit dem Schwarzmarkt. Was mit Leuten die anderen, unerfahrenen, mal eine Pille in die Hand drücken und sagen dann kann dir nichts passieren. Möglichkeiten für Missbrauch gibt es viele. Für jemanden der weiß was er tut ist die PrEP eine hervorragende Möglichkeit der Prävention, das glaube ich sicher. Sollte die PrEP hier zugelassen werden braucht es verdammt schnelle und gute Aufklärung damit mögliche Gefahren so gering wie möglich gehalten werden.

Ich kann Safer Sex manchmal nicht mehr hören, wenn er mir die alleinige Verantwortung aufbürdet, wie das heute vielfach falsch verstanden wird. Dennoch ist Prävention heute genauso wichtig wie vor 30 Jahren. Darum müssen Politik und Aufklärungseinrichtungen wie z.B. Die Aids-Hilfen erkennen das auch andere Wege gehen um eine Prävention für viele einfacher zu machen. Eine PrEP ist sinnvoll für Menschen die einem besonderen Risiko ausgesetzt sind. Wo der Partner HIV hat und noch keine Medikamente nimmt oder die Richtlinien für die Virenlastmethode nicht erfüllt sind. Für Sexarbeiter oder Menschen die in keiner monogamen Beziehung leben oder leben wollen.

Eine PrEP ist nicht geeignet wenn man sie ohne ärztliche Kontrolle nur mal sporadisch einwirft.

Weitergehendes um Thema:

http://blog.aidshilfe.de/2014/09/29/durchweg-geschockt-ueber-den-preis/

http://blog.aidshilfe.de/2014/09/18/pillen-und-die-angst-vor-hiv-gedanken-zur-prep-debatte/

 

  1. „Wie Jakob die Zeit verlor“ Jan Stressenreuter, Querverlag GmbH©, Berlin 2013
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Ist es Mobbing?

Regelmäßig höre ich von meinem Teamleiter:
„Du bist schuld!“, worin liegt meine Schuld?
„ich habe keine Lust!“ mit mir zusammen zu arbeiten?
„kann ich endlich gehen?“ ich will nicht mehr mit dir zusammen arbeiten.
Anfangs habe ich das für Albernheiten gehalten, aber inzwischen fühle ich mich dadurch erniedrigt.

Mir werden freie Tage verwehrt, wenn ich sie benötige für mein Engagement bei der DAH. Urlaubsanträge werden gestrichen die ich verwenden will um mich zu engagieren. In meinem Urlaub soll ich samstags arbeiten weil der Urlaub am darauffolgenden Werktag endet. In dem Geschäft in dem ich arbeite wurden im letzten Geschäftsjahr Waren für über 100.000€ gestohlen, ich bekomme eine Abmahnung weil bei mir ein Gerät im Wert von 400€ verschwunden ist. Ist das schon Mobbing?

Mir werden kleine Fehler vorgehalten, z.B. da hast du einen Kunden nicht benachrichtigt, dass sein Gerät zurück ist. Wenn ich vergleiche passiert das meinem Teamleiter genauso oft.

Ich mache kein Geheimnis daraus HIV-positiv zu sein, jeder kann es hier lesen, meine Vorgesetzten genauso wie jeder andere. Nach dem mein Chef erfahren hat dass ich einen Blog schreibe war der Zugriff auf meine Seite mit direkter Suche nach meinem Namen verblüffend oft. Auch habe ich nach tieferer Betrachtung eine Veränderung im Verhalten mir gegenüber beobachtet.

Ist das Mobbing oder „nur“ Diskriminierung? Sucht man in den Krümeln um mich billig los zu werden? Nach 15 Jahren Betriebszugehörigkeit wird eine ordentliche Kündigung teuer. So habe ich erst einmal den Betriebsrat und die Gewerkschaft hinzugezogen. Ich habe keine Lust mir das weiter bieten zu lassen. Auch wenn mein Chef das mitliest noch weiß keiner wo und für wen ich arbeite.

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Positive Begegnungen 2014

Alle zwei Jahre ist die Selbsthilfekonferenz der HIV-Infizierten und deren Angehörigen. Die Positiven Begegnungen werden bewusst in eine Zeit gelegt in der in den meisten Bundesländern Ferien sind um auch HIV-Positiven Schülern eine Teilnahme zu ermöglichen. Fast zwei Jahre habe ich mich darauf gefreut und dann haut mir der Laden in dem ich arbeite eine Urlaubssperre wegen Inventur dazwischen. Eine Inventur, eine Urlaubssperre mitten in der Ferienzeit. Da fragt man sich, was soll das denn? Die ganzen Jahre war der Inventurtermin Mitte bis Ende September und nun in der Urlaubszeit. Was hat den Betriebsrat geritten da seine Zustimmung zu geben. Es will mir nicht ins Hirn.

Darf ich mich deswegen diskriminiert fühlen? Vielleicht sollte ich das tun und diese willkürliche Entscheidung als Diskriminierung zur Anzeige bringen. Gibt es doch dafür seit einem Jahr eine Kontaktstelle bei der deutschen Aids-Hilfe. Oder ist es Mobbing an der Belegschaft, die für ihren Urlaub auf die Ferienzeit angewiesen ist?

  • Ich habe mich darauf gefreut viele liebe Menschen wieder sehen zu können und Freundschaften pflegen.
  • Ich wollte die Grundlagen für die nächsten zwei Jahre mitgestallten.
  • Ich wollte mit anderen HIV-positiven frei reden können.
  • Ich habe mich vergeblich auf die Plenen gefreut.
  • Wie gerne wäre ich noch offener aufgetreten als bei der letzten PoBe.
  • Kassel ist für mich ein Stück Heimat, und gerade darum habe ich mich auf die PoBe in Kassel gefreut.

Ich bin stink sauer!

Ich habe HIV, damit bin ich chronisch krank!
Seit der Therapie sind die Blutfettwerte erhöht!
Ich habe chronische Schmerzen an den Achillessehnen!
Ich leide stressbedingt, inzwischen chronisch, seit Jahren an Tinnitus!
Bei etwas größeren Belastungen schmerzt mir der Ellenbogen, so dass ich kaum etwas heben kann!
Meine Nieren sind durch Medikamente angegriffen!
Mein Blutdruck ist ohne Medikamente viel zu hoch!
Warum bin ich seltener „krank“ als meine „gesunden“ Kollegen?

Was wären meine Themen bei den Positiven Begegnungen gewesen?

Wie immer hätte ich ein Problem gehabt mir ein Thema raus zu suchen, einfach weil viel zu viel parallel sattfindet.

  • „Ich will den ersten Termin um 7:00 Uhr früh“
    Ich will beim Arzt nicht ersten den letzten Termin des Tages bekommen
  • „Soll ich – oder lieber nicht?“
    Wem sag ich’s/wem nicht, und warum und wann?
  • „Sich wehren lohnt sich!“
    Zur Kontaktstelle HIV-Bedingter Diskriminierung bei der DAH
  • „‚Angst essen Seele auf‘, verhindert aber keine HIV-Infektion“.
    Für mich eines der wichtigsten Themen aus dem Bereich Kriminalisierung von Menschen mit HIV. Kann eine -Strafverfolgung andere vor einer HIV-Infektion schützen?
  • „Schutz durch Therapie: Lust oder Last?“
    Dieses Thema ist auch ergänzend zu dem vorherigem zu betrachten.
  • „Strafrechtlich verfolgt wird nicht nur in Deutschland…“
  • „Nichtinfektiosität: konsequenzen für Selbstwert, Selbststigma und Sexleben von schwulen HIV-positiven Männern“
  • „Gemeinsam sind wir stark – gegen Kriminalisierung in Deutschland“
  • „Das Urteil ist gesprochen: Wir sind behindert!“
    Das Bundesarbeitsgericht hat eine HIV-Infektion als Behinderung im Sinne des AGG erklärt. Damit wurden im Arbeitsrecht, auch in der Probezeit, die Rechte von HIV-positiven gestärkt.
  • „kollektiver Mut zum Coming Out – Good Practice aus der Geschichte emanzipatorischer Bewegungen?“

    Unsere eigene Verantwortung im Kampf gegen Diskriminierung.
  • „Scheigen ist Silber – Reden ist Gold?“
    Mein Virenlast ist unter der Nachweisgrenze – ich bin nicht infektiös. Muss ich trotz dem mit einem Sexualpartner über meinen Status reden?

Nebenbei gibt es zwei wesentliche Projekte:

  • Setz dich zu mir auf mein Sofa…
    Ein Projekt was wir und in der Themenwerkstatt „verinnerlichte Stigmatisierung“ ausgedacht ´haben. Auf einem Sofa sollen Menschen zum Thema HIV befragt werden. Dies können Teilnehmer der PoBe sein aber auch Passanten vor Ort. Da die PoBe in Kassel am ehemaligen Hauptbahnhof stattfindet ist dort auch mit erhöhtem Publikumsverkehr zu rechnen und wird einige interessante Ergebnisse bringen.
  • „PoBe meets CSD – Die Demo“
    Hier rauf habe ich ganz besonders gefreut. Mit Verstärkung des Kassler CSD gegen die Diskriminierung von HIV-positiven und Schwulen/Lesben/Transgendern… zu demonstrieren.

Ich bin gespannt was die PoBe 2014 bringen wird. Vielleicht finde ich später einen Punkt an dem ich mich engagieren kann. Noch immer liegt mir die Kriminalisierung von Menschen mit HIV sehr am Herzen. Für mich geht das aber noch nicht weit genug. HIV-positive sind auch in anderen Bereichen stark benachteiligt, auch hier muss viel mehr geschehen. Die Medien berichten viel zu wenig

  • über die nicht Infektiosität bei einer erfolgreiche HIV-Therapie.
  • über eine normale Lebenserwartung durch moderne Therapieformen.
  • darüber dass man sich mit HIV im Alltagsleben nicht infizieren kann.
  • über Diskriminierung von Menschen mit HIV
  • über Stigmatisierung/Selbststigmatisierung

Ich erwarte mehr Medienpräsenz zu diesen Themen. Viel zu oft werden HIV-positive zu Unrecht als Virenschleuder oder Gefahr für andere dargestellt. Oder man ist selbst „Schuld“ weil man ja schwul ist, oder Drogenkonsument, oder prostituiert oder promisk oder …

Es gibt so viel zu tun, so viele Themen. Es wird noch viele Jahre brauchen um all diese Themen an zu gehen.

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Ärzte Fortbildung zum Thema HIV

„Nach einer aktuellen Ärzte-Umfrage befürchtet jeder achte Arzt, sich in seinem Berufsalltag mit HIV anzustecken. Im Auftrag des Verbandes der Privaten Krankenversicherung (PKV) hat das Online-Ärztenetzwerk „Hippokranet“ im Juli 2014 insgesamt 504 Ärztinnen und Ärzte befragt. Nur 30 Prozent der Befragten fühlen sich kompetent in der Beratung beim Thema HIV/AIDS und weiteren sexuell übertragbaren Krankheiten. 60 Prozent wünschen sich eine fachspezifische Fortbildung zu diesen Themen.“

Zu lesen in einer Pressemitteilung der PKV1.

Die Pressemitteilung bezieht sich auf eine Umfrage bei Ärzten. Da Ergebnis ist hier2 nach zu lesen.

Demnach haben 14% der Ärzte angst sich im Beruf mit HIV zu infizieren. Nun ein gewisses Risiko besteht schon bei Stichverletzungen z.B. Nur wann besteht ein solches Risiko wirklich. Für ein Risiko muss von einem Patienten in den Körper des Arztes gelangen, wie es z.B. bei einer Nadelstichverletzung möglich ist. Für diesen Fall ist eine (man nimmt 4 Wochen Prophylaktisch eine HIV Therapie und kann so eine Infektion sehr Wahrscheinlich verhindern) auf jeden Fall angeraten. Nur für eine Tatsächliche Übertragung muss der Patient HIV-Positiv sein, und auch ansteckend. Nicht jeder HIV-Positive ist wie ich bereits einige mal geschrieben habe auch ansteckend.

Interessant ist aber, dass sich nur 30% der befragten Ärzte ausreichend über HIV informiert fühlen. 60% würden eine Fortbildung zu HIV begrüßen. Ich frage mich warum diese 60% sich nicht selbst um eine Fortbildung bemühen. Ist es die Angst vor Kosten, die eigene Trägheit die sie davon abhält oder sind Fortbildungen die auf Einladung der Pharmaindustrie erfolgen einfach netter? In einer der Themenwerkstätten der DAH gung es unter anderem auch um die Fortbildung im Medizinischen Bereich. Man musste mit diesem Projekt ja auf offene Türen in den Praxen stoßen. Wenn ur die hälfte dieser 60% das Angebot der DAH nutz dürften die erarbeiteten Angebote auf Jahre ausgebucht sein.

„Mehr als die Hälfte der befragten Ärzte (62 Prozent) gaben an, regelmäßig HIV-infizierte Patienten zu behandeln.“1

Sind die restlichen 38% der Ärzte über den HIV-Status ihrer Patienten nicht informiert oder interessiert es sie nicht? Wenn man bedenkt, das nur 30% der Ärzte meinen über HIV genügend informiert zu sein, aber über 60% HIV-Positive Patienten hat, frage ich mich mit welchem Wissensstandard wie Mehrheit der Ärzte arbeitet die HIV-Positive Patienten hat. Weiter fragt sich wie diese Ärzte ihre Patienten mit HIV behandeln. Bekomme ich als HIV-Positiver einen ganz normalen Termin bei diesen Ärzten oder nur kurz vor Feierabend? Werde ich als HIV-Positiver genauso behandelt wie jeder andere Patient oder spielt die Angst sich möglicherweise anstecken zu können bei meiner Behandlung eine Rolle wenn der Arzt über meinen HIV-Status informiert ist? Werden nötige Untersuchungen vermieden weil der Arzt ein mögliches Ansteckungsrisiko sieht? Ich erinnere mich an die Ergebnisse der Befragung durch „Positive Stimmen“. 18% der Befragten HIV-Positiven gaben an von einem Arzt zurückgewiesen worden zu sein weil sie HIV haben. Ein wesentlich größerer Teil der Patienten mit HIV wird auf die Randzeiten einer Praxis gelegt. Die Ergebnisse der Positiven Stimmen bestätigen diese Befragung der Ärzte. Die DAH hat ihre Arbeit gemacht und eine Fortbildung für Medizinisches Personalerarbeitet, nun sind die Ärzte an der reihe diese Angebot anzunehmen.

Quellen:
1) https://www.pkv.de/presse/pressemitteilungen/2014/0729-pkv-aerzteumfrage-hiv-aids/
2) https://www.pkv.de/w/files/pm-anlagen/1407_pkv-aerzte-umfrage-zu-hiv-aids-sti.pdf

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Köln unterm Regenbogen

Letztes Wochenende war mal wieder CSD in Köln. Wie auch im vergangenen Jahr bin ich bei Positiv Handeln mit gelaufen. Dies mal mit meinem Mann. Auch wenn er erst gesagt hat „was soll ich da“, „ich kann doch eh nichts sagen“ und „das ist mir zu lang“ ist er dann doch die vollen fünf Stunden mit durch die Menge gelaufen. Nachher hat er gesagt das war Toll. Mir ging es nach dem letzten Jahr ja so daß ich gesagt habe nie wieder diese Strapazen, aber das Bad in der Menge ist einfach nur geil, es macht fast süchtig. Wir waren die Stars die sich von den Zuschauern beflügelt fühlen weiter zu machen.

Doch einen kurzen Blich zurück:
Wir sind am Samstagabend aus unserem Urlaub in Meran nach Köln gereist. Nach dem wir im Hotel eingecheckt haben sind wir auf zum Heumarkt, ein erstes Kölsch trinken etwas durch die Menge der Besucher schlendern und den einen oder anderen Stand anzusehen. Dann haben wir uns zwei Kerzen gegen eine Spende gekauft um bei den Lichtern gegen das Vergessen mitmachen zu können. Kurz nach einbruch der Dunkelheit wurde dann gegen den Lärm der umliegenden Kneipen – WM sei Dank – zum Gedenken aufgerufen und dazu eingeladen die Kerzen zu entzünden. Zeitgleich wurde ein großer Regenbogen aus Licht über den Dächern Kölns sichtbar.

Quelle: Queer.de

Einfach nur wundervoll und ergreifend. Ich habe selber versucht den Regenbogen mit der Kamera zu erfassen, was aber leider nichts geworden ist. Deswegen eine Aufnahme aus einer anderen Quelle.

Doch zurück zur Parade:
„MUT GEHÖRT DAZU!“ war beim diesjährigen Cologne-Pride das Thema. Noch immer gehört Mut dazu sich als HIV-Positiv zu outen. Zu viele haben eben, nicht zu unrecht, Angst davor sich einem Partner zu sagen dass man positiv ist, Es Freunden, Verwandten, Kollegen zu sagen, selbst einem Arzt zu sagen dass man Positiv ist verlang einiges an Mut. Die Wahrscheinlichkeit ausgegrenzt und abgewiesen zu werden ist auch heute noch sehr groß. Um ein Leben mit HIV selbstverständlich werden zu lassen haben wir bei der CSD Parade geworben. Ich danke an dieser Stelle Positiv Handeln,der AidsHilfe NRW, und natürlich der Organisation des Cologne Pride die das ermöglicht haben.

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Gute Krankheit, böse Krankheit

Es ist ja nun schon Monate her dass ich das letzte mal etwas geschrieben habe. Irgendwie bin ich nicht dazu gekommen etwas zu schreiben. Eine Ausrede ist mein Mann, früher ist er immer sehr früh ins Bett gegangen und ich hatte abends immer ausreichend Zeit etwas zu schreiben. Zum anderen fehlte auch irgendwie der Antrieb. Da gab es mal ein Thema über das ich schreiben wollte aber dann hat mich mein Mann davon abgehalten. Nur wenn ein Thema zu alt wird macht es auch keinen Sinn mehr dazu etwas von sich zu geben. Nun aber zum eigentlichen.

Die Tage wird ja vielfach über den ehemaligen Außenminister Guido Westerwelle berichtet. Er sei an Leukämie erkrankt, so hört und ließt man. Sicher ist Leukämie eine üble Krankheit die ich niemanden wünsche, so wie ich auch niemanden eine andere Krankheit wünsche. Aber wieso der Titel? Nu ich denke viele denken jetzt „der arme Mann ausgerechnet an Leukämie zu erkranken!“, „das hat er nicht verdient!“… Man zeigt Mitgefühl. Leukämie wird zu einer „guten“ Krankheit.
Wie anders sähe es aus, wenn der gleiche Mensch – rein hypothetisch – mit HIV infiziert hätte? Ist er dann immer noch ein bemitleidenswertes Opfer einer heimtückischen Krankheit? Viele würden schon sagen, „der ist doch Schwul, da ist er selber Schuld dran wenn jetzt dieses Aids hat!“ Es passieren zwei Dinge auf einmal. HIV, also die Infektion mit dem HI-Virus wird gleich zu der Krankheit Aids und man bekommt die eine Schuld zugewiesen eine Krankheit zu haben. HIV bekommen eben nur Personen die sich das durch risikoverhalten irgendwo holen. HIV ist somit eine „böse“ Krankheit. Eine Krankheit die man bekommt weil man nicht der Norm entsprechend lebt, weil man schwul ist oder Drogenabhängig oder Prostituierte. HIV wird automatisch verbunden mit einem Verhalten außerhalb der Norm. Ergo, man ist selber Schuld wenn man es hat.
Es entsteht eine Einteilung von Krankheiten. Solche bei denen man das „Opfer“ bedauern muss, wie Herzinfarkt, Krebs, Diabetes u.a. und solche die man sich durch seinen Lebenswandel holt wie HIV, Hepatitis B und C. Ein Alkoholiker bekommt halt irgendwann eine Leberzirrhose, da ist er selber Schuld. Viele Raucher bekommen vielleicht Lungenkrebs, aber das sehr viele Menschen rauchen sind Lungenkrebspatienten dann zu bedauern – sie sind eben keine Außenseiter.
Es gibt Krankheiten die durch ein Stigma belegt sind. Krankheiten, die man durch unsteten Lebenswandel kriegt. Man ist mit HIV weniger zu bedauern als mit Leukämie. Gut dass Westerwelle eben Leukämie hat, nicht wie z.B. Nadija Benaissa, die als Virenschleuder durch die Presse gejagt wurde weil sie HIV hat. An diesem Beispiel wird deutlich das ein deutlicher Unterschied gemacht wird, welche Krankheit jemand hat. „Gute“ Krankheit, „böse“ Krankheit eben. Dabei sollte es gleichgültig sein welche Krankheit jemand hat. Menschen mit bestimmten Krankheiten werden so diskriminiert, sie sind weniger Wert als Menschen mit Krankheiten für die sie nicht verantwortlich sein können. Eine Bekannte Person mit HIV ist Schirin Bogner, sie wurde bei der Geburt mit HIV infiziert, kann also mit Sicherheit nichts für ihre Infektion. Man könnte fast sagen sie hat „gutes“ HIV, weil sie für ihre Infektion nichts kann. Aber lebt sie frei von Stigmatisierung, oder wird HIV in diesem Fall zu einer „guten“ Krankheit?
Auch heute noch werden Kinder mit HIV oder von Eltern mit HIV gemieden. Kinder die mit Sicherheit nichts dafür können, werden ausgegrenzt, wenn bekannt wird dass der Vater oder die Mutter HIV hat oder gar das Kind selber. HIV wird somit eine „böse“ Krankheit.

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Arbeit und Ehrenamt?

Es gibt Arbeitgeber, die Unterstützen ihre Mitarbeiter wenn sie ein Ehrenamt ausführen. So auch der Chef von unserer Freundin Elfi. Elfi Engagiert sich seit vielen Jahren für die Frankfurter Aids-Hilfe. Sie sammelt Sachspenden für die jährliche Tombola beim CSD. Dafür schreibt sie jährlich viele Firmen an, um dies um Spenden zu bitten. Das Unternehmen in dem sie Arbeitet unterstützt sie dabei so gut es möglich ist. So spendet ihr Chef regelmäßig auch Materialien um das Swichboard in Frankfurt zu verschönern. Mal sind es Sonnenschirme für den Garten oder Farben für die Renovierung von Gruppenräumen. Auch viele der Sachspenden für die Tombola werden kostenlos in dem Unternehmen zwischengelagert.

Gäbe es nur mehr solcher Arbeitgeber. Das Ehrenamt, ohne den vieles was diesen Staat in seinen Funktionen erhält, würde dadurch einen noch besseren Beitrag leisten können. Schade ist, dass es viele Unternehmen gibt, die ihren Angestellten, es selbst in deren Freizeit schwermachen sich ehrenamtlich zu Engagieren. So ist es im Einzelhandel nicht einfach sich für ein Ehrenamt einzubringen. Viele Aktivitäten sind auf die Abendstunden oder das Wochenende gelegt und zu diesen Zeiten muss man im Einzelhandel eben arbeiten. Wenn dann auch noch zu wirklich wichtigen Einsätzen oder Gruppentreffen verkaufsoffene Sonntage oder Inventuren fallen, kann man als Angestellter im Einzelhandel nur noch sagen: „Sorry da muss ich leider arbeiten; ich bekomme kein frei. Den Urlaub den ich dafür gebrauchen will ist leider gestrichen!“ Verschieben wir en Engagement auf die Zeit nach der Rente vorher wird das eh nichts mehr.

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Kein Virus – kein Risiko

In den Iowa/USA wurde vor einiger Zeit ein HIV-Positiver zu 39 Jahren Haft verurteilt. Er geht nun in Revision. Was war sein verbrechen das er zu solch hohe Haftstrafe verurteilt wurde? Bestraft sollt er werden weil er als HIV-Positiver Sex mit jemand anderen hatte und seinen Partner nicht von seiner Infektion informiert hat. Bei dem Urteil wurde jedoch nicht berücksichtigt, das er auf die Verwendung eines Kondoms bestanden hat. Zudem waren dank einer Erfolgreichen Therapie keine Viren vorhanden, und er war somit nicht Ansteckend. Es war für ihn erwiesen unmöglich einen Partner zu infizieren. Jegliche Bestrafung des Mannes ist damit ungerechtfertigt und ein Verstoß gegen seine Rechte.

Kein nachweisbarer Virus ist bereits Schutz. Daher fordern Aktivisten seit einigen Jahren dies in der HIV/Aids Aufklärung und auch Rechtsprechung zu berücksichtigen.

Immer wieder hört man den Vorwurf: „Ihr wollt doch nur ohne Kondom ficken!“ Es geht aber nicht nur darum kondomlosen Sex haben zu können. Auch wenn Sex ohne Gummi für viele ein Bedürfnis ist, nicht nur für HIV-Positive. Besonders auch Heterosexuelle Paare haben einen Kinderwusch, der somit ermöglicht wird. Wo kein Virus, da keine Ansteckung! Diese Botschaft gilt beim Sex, genauso wie Beruflich. Ein HIV-Positiver kann demnach auch als Chirurg oder Koch arbeiten ohne andere in irgendeiner Weise zu gefährden. Die Briten haben diese Tatsache inzwischen im Arbeitsrecht berücksichtigt und Berufsverbote gekippt. In Schweden wurde im Oktober 2013 anders, als in den USA, ein HIV-Positiver wegen Sex ohne Kondom freigesprochen, weil er eben nicht Ansteckend war. Einen besseren Schutz als eine erfolgreiche HIV-Therapie gibt es kaum.

Wie lang braucht Deutschland noch um diese Tatsache zu berücksichtigen? Im Gesundheits- und Justizministerium verschläft man diese Tatsache seit Jahren. Der Nationale-Aids-Beirat fordert dies bereits seit einiger Zeit. Was wir brauchen ist ein unaufgeregter Umgang mit HIV. Ein früher Test und eine erfolgreiche Behandlung schützt vor einer Weitergabe des HI-Virus besser als die Angst davor. Das größte Risiko in der Übertragungskette sind die Personen die Angst vor einem Test haben und so unbewusst viele Jahre einen Virus mit sich rumtragen und diesen unbewusst an andere weiter geben kann. Eine Kriminalisierung von Menschen mit HIV verhindert frühe Tests und somit eine frühe Behandlung. Dadurch wird eine Übertragung von HIV durch fehlgeleitete Kriminalisierung Staatlich gefördert.

Es ist dabei weniger die Angst vor dem Virus, was vielfach von einem HIV-Test abschreckt. Sicher ist auch eine gewisse Verdrängung dabei aber viel mehr die Angst vor Stigmatisierung, vor Einschränkungen bei Versicherungen und Arbeit sowie die Kriminalisierung von Menschen mit HIV sind Ursachen für zu späte Tests.

Durch diese Praxis werden Negative vor einer möglichen Neuinfektion nicht geschützt. Und bereits Infizierte werden unnötig von einer Therapie abgehalten, die zum einen ihre Gesundheit erhält und zum anderen andere vor einer Infektion schützen kann.

Gerade habe ich dies fertig geschrieben und finde den Artikel:

Aids ist keine düstere Bedrohung mehr

Wie ich finde eine wunderbare Ergänzung.

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